Karl Allgöwer (ehemals VfB Stutgart) vor einem Laptop (Foto: SWR)

Fußball | Bundesliga Ex-VfB-Star Allgöwer: "Gegen Nürnberg zählt nur ein Sieg"

AUTOR/IN

Karl Allgöwer weiß, wie man den 1. FC Nürnberg besiegt. Mit dem VfB Stuttgart feierte er einst Kantersiege gegen die Franken. Das Kellerduell zwischen dem VfB und dem FCN sei nur für eine Mannschaft ein Endspiel, sagt Allgöwer vor der Partie.

Karl Allgöwer ist mit 129 Toren immer noch Rekordtorschütze des VfB Stuttgart. In der Meistersaison 1983/1984 gewann er mit dem VfB Stuttgart gegen Nürnberg mit 7:0 und 6:0 und erzielte dabei vier Tore. Vor dem Kellerduell gegen Nürnberg äußert er sich zur prekären Lage des VfB Stuttgart.

SWR Sport: Wie wichtig ist das Spiel des VfB Stuttgart am Samstag gegen Nürnberg?
Karl Allgöwer: "Es ist ein extrem wichtiges Spiel. Für den VfB ist es kein Endspiel, aber für die Nürnberger. Der VfB kann sich mit einem Sieg ziemlich sicher von den direkten Abstiegsrängen entfernen. Wenn er das Spiel aber verliert, muss er sich mit Platz 17 oder 18 beschäftigen. Das könnte dann einen Knacks in der Mannschaft geben. Morgen muss alles mobilisiert werden. Für mich zählt nichts anderes als ein Sieg."

Dauer

Diese Woche gab es Spekulationen um den Österreicher Oliver Glasner als neuen Trainer. Wie hilfreich ist das vor so einem wichtigen Spiel?
"Wenn es nicht läuft, gibt es immer Spekulationen, und beim VfB läuft es das ganze Jahr nicht richtig. Von daher kommen immer Personalwechsel ins Spiel, und es sind schon einige vorgenommen worden, ob Trainer oder Sportvorstand. Es ist sicher nicht hilfreich. Aber Markus Weinzierl kann damit umgehen, und es wird sich alles beruhigen, wenn der VfB das Spiel gewinnt."

In der Rückrunde der vergangenen Saison war der VfB die zweitbeste Mannschaft und hat im Sommer für fast 40 Millionen neue Spieler geholt. Warum ist der VfB trotzdem jetzt so weit hinten?
"Es wurde viel Geld investiert in Spieler, die noch nicht reif sind, die noch lernen müssen. Und die bräuchten erfahrene Spieler neben sich, an denen sie sich hocharbeiten könnten. Das war früher genauso wie heute. Wenn ich als Beispiel den Stürmer Gonzalez nehme. Mario Gomez könnte dieser erfahrene Helfer sein, ab er spielt fast nicht mehr. Gonzalez ist ein Talent, aber er ist noch nicht fertig ausgebildet, er bräuchte Unterstützung. Aber die hat er nicht im VfB-Sturm."

Was muss sich ändern, damit der Verein dahin kommt, wo viele ihn gerne hätten. Ins erste Drittel der Bundesliga?
"Das ist einfach zu erklären. Das liegt an der Personalpolitik. Der sportliche Bereich muss von mehreren Personen übernommen werden. Man muss schauen, welche Spieler passen zu uns. Nicht der günstigste oder der teuerste ist richtig, sondern der, der in die Mannschaft passt. Es gibt heute so viele Möglichkeiten. In puncto Ernährung, in puncto Spielidee. Es nützt nichts, wenn ich einen Spieler kaufe, der sich vielleicht in drei Jahren entwickelt, aber zwei Jahre mitgeschleppt werden muss. Soviel Mitschleppen kann man nicht. Und deshalb ist aus meiner Sicht die Mannschaft falsch zusammengestellt."

Dauer

Falsch in welcher Hinsicht?
"
Der VfB hat auf ältere Spieler gesetzt und gehofft, dass die vorangehen und die jungen Spieler mitziehen. Aber es ist in diesem Jahr keine Handschrift zu erkennen. Die Spieler geben alles, der Einsatz stimmt. Es wird heute ja jeder Meter gemessen. Von der Leistung ist alles in Ordnung, aber die Ergebnisse passen nicht. Dazu kommt, dass der VfB immer wieder in Rückstand gerät, und das ist schlecht für den Kopf. Und es werden keine Tore erzielt. Sobald ein Gegentor fällt, wissen die Spieler, zwei Tore machen wir nicht, und das Spiel ist fast schon verloren. Das ist auch Kopfsache."

Für den Kader ist der Sportvorstand zuständig. War die Entlassung von Michael Reschke richtig?
"Man wird an den Ergebnissen gemessen. Wenn du den falschen Spieler holst und der macht Tore, dann war es im Endeffekt richtig. Für Michael Reschke zählt der Tabellenplatz. Der VfB ist 16. Und kommt seit Wochen nicht weg, wahrscheinlich bis zum letzten Spiel und muss dann in die Relegation. Das spricht nicht für die Arbeit des Sportvorstands."

Wo steht der VfB am Schluss? Rettung, Relegation oder direkter Abstieg?
"Also direkter Abstieg kann ich mir nicht vorstellen. Hannover und Nürnberg sind einfach zu schwach. Aber im Fußball ist alles möglich. Wenn der VfB in Augsburg und auf Schalke gewinnen würde, hätte er eine Chance auf Platz 15. Aber bei allem Optimismus, ich denke, der VfB muss sich auf die Relegation einstellen."

AUTOR/IN
STAND