Steven Zuber vom VfB Stuttgart bejubelt seinen Treffer.  (Foto: Imago, imago)

Fußball | Bundesliga Steven Zuber und die Schweizer Tradition beim VfB Stuttgart

In der Winterpause hat der VfB Stuttgart Steven Zuber von der TSG Hoffenheim bis Saisonende ausgeliehen. Zuletzt entwickelte sich der Mittelfeldspieler sogar zum Torjäger.

Die Fußballfachleute sind verblüfft und erstaunt. Da mausert sich beim VfB Stuttgart doch tatsächlich einer zum (heimlichen) Torjäger, mit dem niemand gerechnet hatte. Steven Zuber, Mittelfeldspieler, schoss in den letzten drei Bundesligaspielen satte vier Tore. "Ich bin ein Torjäger", sprudelte es aus dem sonst eher ruhigen Schweizer nach seinem jüngsten Doppelpack am Sonntag gegen Hannover (5:1) geradezu grinsend und lachend heraus, als er von SWR Sport auf eben diese Entwicklung hin zum Toremacher angesprochen wurde.

Zuber schoss vier Tore in nur drei Spielen

Fakt ist: Das Elfmetertor gegen Leipzig (1:3), der Treffer beim wichtigen 1:1 in Bremen und jetzt sein 4:1 und 5:1 im Keller-Duell gegen die Niedersachsen machen Steven Zuber zum erfolgreichsten Torschützen der letzten drei Bundesliga-Spieltage. Was Steven Zuber momentan beim VfB anpackt, das gelingt. "Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen kann, ich gebe jeden Tag alles", so der 27jährige, "und dass es so klappt, ist umso schöner". Zuber ist für den VfB momentan nicht nur als Torschütze unglaublich wertvoll, auch als erwartet lauf- und spielstarker Teamplayer mit Wucht und Schnelligkeit.

Magnin und Streller waren am erfolgreichsten

Der "geborgte Hoffenheimer" ist übrigens beileibe nicht der erste Schweizer, der in Stuttgart mit dem Ball am Fuß unterwegs ist. Steven Zuber, in Winterthur geboren und bei den Grasshoppers in Zürich groß geworden, ist bereits der elfte Eidgenosse bei den Roten. Mit besonders großer Freude erinnern sich die VfB-Fans an die beiden schweizer Meisterspieler von 2007, an den lustigen Verteidiger Ludovic Magnin und den pfiffigen Stürmer Marco Streller. Die hochveranlagten Brüder Murat und Hakan Yakin konnten dagegen die großen Erwartungen, mit denen sie aus der Schweiz geholt wurden, leider nie erfüllen. Auch Adrian Knup, Philipp Degen oder Sebastien Fournier trugen nicht lange den roten Brustring. Der letzte Schweizer vor Zuber war der junge Anto Grgic, der 2017 zum FC Sion zurück in sein Heimatland wechselte.

Steven Zuber jedenfalls ist glücklich, dass er in Stuttgart so schnell seine Top-Form gefunden hat, dass nach dem erlösenden 5:1 gegen Hannover in der Stadt Stuttgart und vor allem bei den VfB-Fans das "Feeling back" ist, "das hat es einfach gebraucht". Das Gefühl, wie es ist, gewinnen und jubeln zu können, ganz einfach erfolgreich zu sein, freut Zuber: "Die Abläufe stimmen bei uns immer mehr, alles stabilisiert sich, das war unser Ziel von Tag eins an".

Zuber kehrt nach Hoffenheim zurück

Der VfB Stuttgart lebt noch. Und Steven Zuber ist einer der Spieler, die dem Club mit seiner Körpersprache, mit seinen Leistungen und natürlich auch mit seinen vier Toren frische Luft eingehaucht hat. Da passt es für ihn umso besser, dass er sich mit seinen aufsehenerregenden Leistungen in diesem halben Jahr beim VfB gerade auch für den neuen Trainer in Hoffenheim empfehlen kann, der nach Saisonende für Julian Nagelsmann in den Kraichgau kommt. Denn klar ist: Zuber ist nur bis Saisonende in Cannstatt "geparkt", ohne Kaufoption. In der nächsten Runde wird der schweizer WM-Spieler aller Voraussicht nach wieder das Trikot von 1899 Hoffenheim tragen.

Es sei denn, "Mister X" plant nächste Saison in Hoffenheim ohne einen Steven Zuber. In diesem Fall käme sicherlich sehr gerne wieder der VfB Stuttgart als Abnehmer ins Spiel.

Fußball | Bundesliga Die Schweizer Garde des VfB Stuttgart

René Deck (VfB Stuttgart) (Foto: Imago, imago)
René Deck: Der erste Schweizer in den Reihen des VfB Stuttgart war ein Torwart. Deck spielte in der Saison 1975/76 für die Stuttgarter. Die Schwaben spielten damals in der 2. Liga Süd, die Gegner hießen unter anderem FK Pirmasens, Bad Kreuznach und SV Röchling Völklingen. Deck war die Nummer 2 hinter Helmut Roleder und machte insgesamt sechs Spiele für den VfB. Danach kehrte der heute 73-Jährige in die Schweiz zurück. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Adrian Knup: Der Mittelstürmer spielte zwei Jahre lang beim VfB Stuttgart (1992 bis 1994). In 59 Spielen traf Adrian Knup 20 Mal, dazu lieferte er sieben Torvorlagen. Anschließend wechselte er zum Rivalen Karlsruher SC. Aktuell ist der 50-Jährige als Funktionär für den Schweizer Fußball tätig. Imago imago/Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Sébastien Fournier: Der Schweizer aus dem Wallis war genau eine Saison beim VfB (1996/97). Insgesamt machte er 15 Spiele für die Stuttgarter und kam dabei meistens im linken Mittelfeld zum Einsatz. 1997 wurde er mit dem VfB Pokalsieger. Mittlerweile arbeitet Sébastien Fournier als Technischer Direktor beim FC Sion. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Murat Yakin: Der türkischstämmige Schweizer spielte in der Saison 1997/98 beim VfB, zusammen mit Fredi Bobic und Krassimir Balakow. Der Trainer damals: Joachim Löw. Yakin gehörte als vielseitiger Defensivspieler zum Stammpersonal und stand mit dem VfB im Finale des Europapokals der Pokalsieger (0:1-Niederlage gegen Chelsea). Mittlerweile arbeitet der 44-Jährige als Trainer, zurzeit beim Schweizer Erstligisten FC Sion. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Diego Benaglio: Der Torwart ist neben Steven Zuber und Anto Grgic der dritte noch aktive Schweizer, der schon einmal das Trikot des VfB Stuttgart getragen hat. Als Jungspund lief Benaglio 54 Mal für die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart auf (2002 bis 2005). Für die VfB-Profis machte er genau ein Spiel. Am 3.10.2002 im UEFA-Cup gegen den lettischen Erstligisten FK Ventspils. Später schaffte er beim VfL Wolfsburg seinen Durchbruch. Aktuell spielt der 35-Jährige für die AS Monaco. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Hakan Yakin: Der jüngere Bruder von Murat Yakin machte nur elf Pflichtspiele für den VfB (2004-2005). Sein Engagement bei den Schwaben geriet zum Flop. Der Spielgestalter mit Starallüren kam unter Trainer Matthias Sammer kaum zum Zug. Nach nur einem Jahr verließ Hakan Yakin den VfB in Richtung Türkei. Aktuell ist der 42-Jährige als Fußballexperte für ein Schweizer Medienportal tätig und organisiert Fußballcamps für Kinder. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Marco Streller: Der kantige Mittelstürmer wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Dabei kam er nur selten über die Joker-Rolle hinaus. Die beiden etatmäßigen Stürmer damals: Cacau und Mario Gomez (links im Bild). Anschließend etablierte sich Streller beim FC Basel als Leistungsträger, spielte regelmäßig in der Champions League. Inzwischen ist der 37-Jährige Sportdirektor beim FC Basel. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Ludovic Magnin: Der Abwehrrecke ist der Schweizer mit der längsten Dienstzeit beim VfB. Magnin spielte viereinhalb Jahre in Stuttgart und machte insgesamt 135 Spiele für die Schwaben (2005 bis 2009). In der Meistersaison gehörte Magnin zum Stammpersonal und war einer der emotionalen Leader im Team. Inzwischen arbeitet der 39-Jährige als Trainer beim Schweizer Erstligisten FC Zürich. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Philipp Degen: Der Abwehrspieler kam im Sommer 2010 als Leihgabe vom FC Liverpool für eine Saison zum VfB Stuttgart. Ein unglückliches Intermezzo. Degen litt an Pfeifferschem Drüsenfieber und plagte sich mit Leistenproblemen herum. Nur neun Pflichtspiele für den VfB standen am Ende zu Buche. Mittlerweile arbeitet der 36-Jährige als Spielerberater. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
Anto Grgic: Der Schweizer mit kroatischen Wurzeln steht seit Sommer 2016 beim VfB Stuttgart unter Vertrag. So richtig in Schwung gekommen ist Grgic dabei nicht. Der 22-jährige Mittelfeldmann machte bisher 16 Partien für den VfB. Zurzeit ist Grgic an den Schweizer Erstligisten FC Sion ausgeliehen. Julia Rahn Bild in Detailansicht öffnen
Steven Zuber: Der 27-jährige Mittelfeldspieler ist der elfte Schweizer in den Reihen des VfB Stuttgart. Zuber kam Anfang des Jahres als Leihgabe von der TSG Hoffenheim zum VfB. In sieben Spielen hat er bereits vier Mal für die Stuttgarter getroffen. Imago imago Bild in Detailansicht öffnen
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