Steven Zuber jubelt. (Foto: Imago, imago)

Bundesliga | VfB Stuttgart Steven Zuber: Das Schweizer Uhrwerk beim VfB Stuttgart

In der Winterpause verpflichtete der VfB Stuttgart Steven Zuber von der TSG Hoffenheim auf Leihbasis für die Rückrunde. Jetzt zahlt er das Vertrauen mit Toren zurück.

Freundlich, unaufgeregt, zurückhaltend: Steven Zuber ist genauso wie man sich gemeinhin einen Menschen aus der Schweiz vorstellt. Wehe aber, wenn dieser junge Mann aus Winterthur losgelassen wird. Wehe, wenn er Tore schießt. Dann wird Steven Zuber zum extrovertierten Energiebündel.

So geschehen am Freitagabend beim Spiel in Bremen, als der schweizer Nationalspieler nach nur 61 Sekunden den VfB Stuttgart in Führung geschossen hatte. Eine schnelle Umschaltbewegung der Schwaben über Beck und Gomez zu Zuber, der sich am Sechzehner gekonnt gegen zwei Werderaner durchsetzte, den Ball cool und gekonnt ins Netz schob. Und dann ging`s ab: Zuber raste wie entfesselt Richtung Eckfahne, die Arme zu Flügeln ausgebreitet, ein kurzes Stepp-Tänzchen, bevor er in der Jubeltraube seiner Mitspieler verschwand.

"Wenn man die Chance sieht, dann muss man sie einfach nutzen", sagte Steven Zuber nach seinem so wichtigen Führungstreffer, "bei so einer Gelegenheit, da muss man einfach an sich glauben, dann muss man aber auch den Willen haben, sich durchzusetzen", so der 27-jährige. Steven Zuber hat sie gelernt, diese Art der hartnäckigen Durchsetzungsfähigkeit: "Man muss immer an sich glauben, man muss immer den Willen zeigen". Gezeigt hat er diesen Durchsetzungswillen erst in der Schweiz bei den Grasshoppers in Zürich, dann im rauhen Moskau bei ZSKA, wo er russischer Meister wurde, zuletzt im Hoffenheimer Hochgeschwindigkeitsfußball unter Julian Nagelsmann.

Eine Win-Win-Situation für den VfB Stuttgart und die TSG Hoffenheim

Weil dort im Kraichgau aber nach dem Aus in der Champions League das Angebot an hochqualifizierten Kräften viel zu groß war, hat die TSG dem Angebot des VfB stattgegeben, den Schweizer für die Rückrunde zu sich zu holen. Allerdings nur auf Leihbasis, ohne Kaufoption. Eine Win-Win-Situation für alle Seiten: Steven Zuber erhält optimale Spielpraxis und kann sich damit auch für den künftigen Trainer in Hoffenheim empfehlen, die TSG spart das Gehalt und erhält eine Leihgebühr, der VfB Stuttgart schließlich freut sich im Abstiegskampf auf einen bestens ausgebildeten und vielseitigen Profi, der die Schwaben zweifelsfrei verstärkt.

Auf seinen ersten Sieg im VfB-Dress musste Steven Zuber aber auch an der Weser noch warten. "Schade, dass wir kein zweites Tor nachgelegt haben", hadert Steven Zuber im Nachhinein mit den Riesen-Chancen des Kollegen Mario Gomez, "dann wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen". So kassierte der VfB kurz vor der Pause den 1:1-Ausgleich und musste in der Schlussphase noch um den verdienten Punkt zittern: "Am Ende war der Bremer Druck groß", bestätigt Zuber, "wobei ich mich nicht an größere Möglichkeiten erinnern kann".

Zuber trifft auch gegen RB Leipzig

Schon im vorletzten Bundesligaspiel, beim 1:3 gegen Leipzig, hatte Steven Zuber ins Tor getroffen. Per Elfmeter. Seine Hauptaufgabe ist das Toreschießen aber nicht, der Kaffeehaus-Liebhaber ist vielmehr quirliger Dauerläufer und Vorbereiter aus dem Mittelfeld heraus. Dazu vielseitig wie kaum ein Zweiter: In Hoffenheim spielte Zuber als Rechtsverteidiger, als Linksverteidiger, Außenbahn offensiv rechts und links, als Sechser und als Achter.

Was die nähere Zukunft des VfB angeht, zeigt sich Steven Zuber durchaus optimistisch: "Wir sind zuletzt defensiv stabiler geworden, die Abstimmung auf dem Platz ist besser geworden, wir sind eingespielter geworden, wir rennen mehr füreinander", zählt der Modefreak die zarten Entwicklungssprünge des abstiegsbedrohten Stuttgarter Teams der letzten beiden Spiele auf.

Das macht auch ihm Hoffnung für das "Kellerduell" am kommenden Sonntag daheim gegen Hannover 96. Da ist auch für ihn, den erfahrenen WM-Teilnehmer, ein Dreier Pflicht: "Natürlich wollen wir dieses Spiel gewinnen", sagt Steven Zuber, "das sind wir den Fans und Verantwortlichen schuldig. Das Vertrauen, das wir hier jede Woche bekommen, das wollen und das werden wir zurückzahlen". Und außerdem, Abstiegskampf ist für ihn keine Belastung: "Jede Situation ist reizvoll im Leben, es kommt immer darauf an, wie man sie angeht".

Steven Zuber geht sie an wie immer: Freundlich, unaufgeregt, zurückhaltend. Wie ein Schweizer eben.

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