Markus Weinzierl, Trainer des VfB Stuttgart (Foto: Imago, Sportfoto Rudel)

VfB Stuttgart | Meinung Markus Weinzierl bleibt VfB-Trainer - die richtige Entscheidung?

Trotz des desaströsen Auftritts des VfB Stuttgart beim 0:3 in Düsseldorf halten die krisengeplagten Schwaben vorerst an Trainer Markus Weinzierl fest. Die richtige Entscheidung? Ja, sagt SWR-Sportredakteur Harry Kiner. Nein, findet sein Kollege Kersten Eichhorn.

Der VfB Stuttgart handelt richtig

Endlich bewahrt der VfB Stuttgart mal einen ruhigen Kopf, wenn es brenzlig wird. Der branchenübliche Mechanismus, den Trainer im Abstiegskampf zu feuern und durch einen neuen Coach zu ersetzen, bringt langfristig gesehen nichts. Seit 2007, seit der letzten Meisterschaft, hat der VfB 16 Trainer engagiert und entlassen. Kein Wunder, dass da nichts langfristiges wachsen kann und keine dauerhaften Strukturen entstehen. Jeder neue Trainer bringt seinen eigenen Trainerstab mit. Jeder neue Trainer hat seine eigenen Vorstellungen, was Spielsystem und Spielertypen angeht. Deswegen kann von Kontinuität beim VfB seit fast zwölf Jahren nicht die Rede sein.

Dauer

Der SC Freiburg als positives Beispiel

Warum nimmt man sich nicht - wenn auch nur ansatzweise – ein Beispiel am SC Freiburg. Da darf seit über sieben Jahren Christian Streich sein Team zusammenstellen, ihm seine Spielphilosophie einimpfen. Auch mit dem Risiko abzusteigen. Streich holt sich Spieler, die sozialkompetent zum  SC passen, die sich mit dem Verein und seinen Fans identifizieren und sich auch entsprechend für den SC auf dem Platz- zerreißen. Beim VfB ist von all diesen Dingen wenig zu sehen.

Ich bin der Meinung, man sollte Markus Weinzierl die Zeit geben, um die Mannschaft des VfB zu formen, das Team weiterzuentwickeln. Auch mit dem Wissen, dass nach den Abgängen von Hannes Wolf und Tayfun Korkut nichts besser geworden ist. Wolf und Korkut hätten bestimmt die Kurve gekriegt, wenn man sie nur länger im Amt gelassen hätte.

Von Harry Kiner

So wird der VfB Stuttgart absteigen

Eins vorweg: Ich bin eigentlich kein Freund vorschneller Trainerwechsel. Nach dem desolaten Auftritt von Düsseldorf aber war ich überrascht, dass die sonstigen Mechanismen des Sports in Cannstatt nicht in Kraft getreten sind, dass dem Trainer weiter das Vertrauen ausgesprochen wurde. Zumal es Markus Weinzierl in inzwischen immerhin vier Monaten Trainerarbeit mitsamt Wintervorbereitung beim VfB Stuttgart nicht geschafft hat, eine funktionierende Mannschaft auf den Platz zu stellen. Nur drei Siege in 14 Spielen, die wenigsten Tore, die meisten Gegentore. Kein spielerisches Format, kein klares Spielsystem. Bei allem Respekt vor Markus Weinzierl, dafür trägt ein Cheftrainer die Verantwortung.

Es ist längst fünf nach zwölf.

Noch viel schlimmer aber: Am Sonntagabend wurden die Schwaben sogar von einem finanziell und personell limitierten Aufsteiger wie der Fortuna  aus Düsseldorf in allen Bereichen regelrecht vorgeführt, gerade auch in Sachen Mentalität. Wenn ein VfB-Spieler wie Daniel Didavi in die Kameras und Mikrofone sagt, die Mannschaft wirke wie ein emotionsloser Haufen und er würde für diesen Auftritt den mitgereisten Fans am liebsten das Geld zurückzahlen, dann ist es längst fünf nach zwölf.

Dauer

Der fußballerische und emotionale Tiefpunkt ist erreicht. Was momentan einzig Hoffnung machen kann, ist die Tabellensituation. Noch steht der VfB, trotz der dürftigen Ausbeute von 15 Pünktchen, auf Relegationsplatz 16 und hat den Klassenerhalt selbst in der Hand. Noch gibt es, zum Glück für den VfB, mit Hannover und Nürnberg zwei Teams, die schlechter stehen und auch nicht gerade den Eindruck machen, als könnten sie Stuttgart einfach mal schnell links und rechts überholen. Noch sind 13 Spiele zu absolvieren und 39 Punkte zu vergeben. Vielleicht scheuen die VfB-Bosse deshalb einen erneuten Trainerwechsel.

Ein Trainer auf Abruf

Und trotzdem: Mit einer Bestätigung der Nicht-Leistung von Düsseldorf wird der VfB Stuttgart absteigen. Markus Weinzierl wirkt spätestens seit Düsseldorf schwer angeschlagen, wird jetzt von Woche zu Woche mehr oder weniger zum Trainer auf Abruf. Trotz des vorläufigen Vertrauensbeweises durch den Sportvorstand Michael Reschke.

Dauer

Momentan kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie und mit welchen Mitteln Weinzierl sein Team aus diesem tiefen Tal herausführen kann. Zumal es die nächsten beiden Spiele in sich haben, daheim gegen Leipzig und danach in Bremen.

Von Kersten Eichhorn

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