Spieler des VfB Stuttgat sind enttäuscht. (Foto: Imago, imago)

Bundesliga | Relegation Millionen-Spiel: Was der Abstieg für den VfB Stuttgart bedeutet

Der VfB Stuttgart ist am Montagabend zum dritten Mal nach 1975 und 2016 aus der Bundesliga abgestiegen. Dies hat gravierende Konsequenzen.

Die finanziellen Einbußen sind in der 2. Bundesliga erheblich. Der Umsatz des VfB Stuttgart wird um bis zu 40 Millionen Euro von 140 auf etwa 100 Millionen Euro schrumpfen. Allerdings betonen die Klub-Verantwortlichen, dass man eine Zweitliga-Saison wirtschaftlich verkraften könne. Hier die möglichen Auswirkungen in den verschiedenen Bereichen.

Fußball | Bundesliga Die Saison des VfB: Trainerwechsel, Präsidentenkritik und der Abstieg

Tayfun Korkut als VfB-Trainer an der Seitenlinie (Foto: Imago, imago/ Eibner)
Tayfun Korkut trainiert den VfB Stuttgart zu Saisonbeginn, doch der Start misslingt. Erst am sechsten Spieltag gelingt der erste Saisonsieg. Nach dem 2:1 gegen Werder Bremen liegt der VfB auf Tabellenplatz 16. Imago imago/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Die 1:3-Niederlage am siebten Spieltag in Hannover wird die letzte Partie von VfB-Coach Tayfun Korkut. Die Vereinsführung zieht die Konsequenz aus Platz 18 und entlässt den türkischen Trainer am 7. Oktober 2018. Andreas Hinkel übernimmt für wenige Tage als Interimstrainer. Imago imago/ Nordphoto Bild in Detailansicht öffnen
Am 9. Oktober wird Markus Weinzierl als neuer Mann an der Seitenlinie vorgestellt. Aber auch der Bayer kann nicht für neuen Aufschwung sorgen. Sein erstes Spiel als VfB-Trainer geht mit 0:4 gegen Bor. Dortmund verloren. Imago imago/ Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Es folgen Niederlagen gegen Hoffenheim (0:4) und Frankfurt (0:3). In Stuttgart merken viele: In dieser Saison wird es gegen den Abstieg gehen. Nach den ersten zehn Spielen hat der VfB gerade einmal fünf Punkte. Imago imago/ Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Der VfB Stuttgart überwintert auf dem Relegationsplatz. Die Vereinsführung steht in der Kritik, zieht aber noch keine Konsequenzen aus der katastrophalen Hinrunde. Nach der Winterpause folgen vier Niederlagen in fünf Spielen, darunter ein 1:4 beim FC Bayern. Imago imago/ Ulmer Pressebildagentur Bild in Detailansicht öffnen
Am 12. Februar 2019 trennt sich der Verein vom umstrittenen Sportvorstand Michael Reschke. "Leider hat seine Arbeit bislang nicht den gewünschten sportlichen Erfolg gebracht", verabschiedet ihn Präsident Wolfgang Dietrich. Ab Juli darf sich Reschke als Technischer Direktor bei Schalke 04 wieder versuchen. Imago imago/ Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Kurz danach wird Ex-VfB-Profi Thomas Hitzlsperger als neuer Sportvorstand vorgestellt. Der Meisterspieler von 2007 deutet an, dass er die Saison mit Markus Weinzierl als Trainer beenden will - trotz schlechter Ergebnisse. Imago imago/ Michael Weber Bild in Detailansicht öffnen
Nicht nur die Mannschaft steht schlecht dar, auch Präsident Wolfgang Dietrich hat sich bei vielen Fans unbeliebt gemacht. Gründe: Wirtschaftliche Verflechtungen mit einem Investor und fragwürdige Personel-Entscheidungen. Im April sagte Dietrich dem SWR, dass er auch im Abstiegsfall Präsident bleiben werde. Imago imago images/ MIS Bild in Detailansicht öffnen
Einer der wenigen Lichtblicke der Saison: Der 5:1-Heimsieg gegen Hannover 96 am 24. Spieltag. Es bleibt einer von nur sieben Siegen in dieser Spielzeit. Kabak und Zuber treffen doppelt und bringen die Hoffnung auf den Klassenerhalt zurück. Imago imago images/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
In den nächsten sechs Spielen gelingt kein Sieg mehr. Der Tiefpunkt der Saison ist nach dem 0:6 in Augsburg erreicht. Es ist die höchste Bundesliga-Niederlage der Schwaben. Aber: Der VfB profitiert von der schwachen Konkurrenz aus Hannover und Nürnberg und kann Platz 16 halten. Imago imago/ Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Debakel in Augsburg muss mit Markus Weinzierl auch der zweite VfB-Trainer dieser Saison seine Sachen packen. Der Verein begibt sich auf die Suche nach einem "Feuerwehrmann". Alle Zeichen stehen auf Relegation. Imago imago images/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Als "Retter" übernimmt Nico Willig für die letzten vier Spiele. Der 38-Jährige hatte zuvor die U-19 des Vereins trainiert und soll nach Saisonende wieder dorthin zurückkehren. Kurzzeitig scheint der Trainerwechsel Wirkung zu zeigen. Der VfB gewinnt seine nächste Partie gegen Mönchengladbach mit 1:0. imago images/ Kirchner Media Bild in Detailansicht öffnen
Schon vor dem letzten Spieltag steht fest: Der VfB Stuttgart muss in die Relegation. Für eine Aufholjagd hat es auch unter Nico Willig nicht gereicht. Gegner in der Relegation: Zweitligist Union Berlin. Imago imago images/ Kirchner Media Bild in Detailansicht öffnen
Lange wurde spekuliert, offiziell wurde es dann noch vor dem Relegations-Hinspiel: Neuer Trainer in Stuttgart ab der kommenden Saison wird Tim Walter. Der 43-Jährige Badener trainierte zuletzt den Zweitligisten Holstein Kiel. Imago imago images/ Kirchner Media Bild in Detailansicht öffnen
Im Hinspiel der Relegation liegt der VfB (Tore: Gentner und Gomez) zweimal in Führung, spielt aber am Ende im eigenen Stadion nur 2:2. Eine schwierige Ausgangslage für die Stuttgarter im Rückspiel. Es droht der dritte Bundesliga-Abstieg nach 1975 und 2016. Imago Imago images/ Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Ein schmerzhafter Tag: Am 27. Mai 2019 steigt der VfB Stuttgart zum dritten Mal nach 1975 und 2016 in die 2. Bundesliga ab. Ozan Kabak, Holger Badstuber und Nicolas Gonzalez (v.l.) stehen stellvertretend für den Knockout von Berlin. Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen

Etat und Kader

In der aktuellen Bundesligasaison belief sich der Lizenzspieler-Etat der Schwaben auf 55 bis 60 Millionen Euro. Genaue Angaben macht der Klub hierzu nicht. Nun sinkt dieser Posten auf etwas über 40 Millionen Euro. Ein Auseinanderfallen der Mannschaft ist nicht zu befürchten, da die Verträge der meisten Kicker auch für Liga zwei Gültigkeit besitzen - bei geringeren Bezügen. Einzig Abwehrtalent Ozan Kabak (19) könnte den VfB verlassen. Der Vertrag des türkischen Nationalspielers enthält eine 15-Millionen-Ausstiegsklausel für den Abstiegsfall.

Spieler wie Daniel Didavi, Emiliano Insua oder Dennis Aogo haben bereits erklärt, auch im Abstiegsfall bleiben zu wollen. Allerdings läuft Aogos Vertrag ohnehin aus und noch ist nicht geklärt, ob der VfB verlängern möchte. Ebenso verhält es sich bei Kapitän Christian Gentner und Andreas Beck, deren Kontrakte im Sommer enden. Beschlossene Sache ist der Abgang von Weltmeister Benjamin Pavard zum FC Bayern, der 35 Millionen Euro in die Kassen spült. Diese Einnahme war bereits fester Bestandteil der Kalkulation des Klubs im Lizenzierungsverfahren. Auf der anderen Seite stehen mit dem Argentinier Mateo Klimowicz (Instituto AC Cordoba) und Atakan Karazor (Holstein Kiel) bereits zwei Neuzugänge fest.

Fernsehgelder

Die geringeren TV-Einnahmen reißen das größte Loch in die Haushaltskasse. Als Bundesligist bekäme der VfB Stuttgart 48 Millionen Euro aus nationaler und internationaler TV-Vermarktung der DFL - ganz ähnlich wie in der aktuellen Saison. In der 2. Bundesliga sind es über 20 Millionen Euro weniger.

Dauer

Fans / Umfeld

Der Abstieg vor drei Jahren war bitter für die VfB-Fans; dennoch löste er eine regelrechte Euphorie und Solidaritätswelle rund um den Klub aus. Die 17 Heimspiele in der Zweitliga-Saison 2016/2017 verfolgten im Schnitt über 50.000 Zuschauer - ein Rekordwert für ein Zweitliga-Team. Ob das nach dem neuerlichen wieder so laufen wird, ist fraglich. Zu groß ist bei vielen Anhängern derzeit die Ernüchterung. Tickets und Business Seats müssten in der 2. Bundesliga günstiger angeboten werden als in der Bundesliga. Also ist zwangsläufig mit Einbußen zu rechnen - unabhängig vom Zuschauerzuspruch. In der Zweitligasaison 2016/2017 fielen die Kartenpreise im Vergleich zur vorherigen Bundesliga-Spielzeit um 30 Prozent.

Sponsoren

Eine gute Nachricht gibt es trotz eines Abstiegs: Kürzlich konnte der VfB Stuttgart den Vertrag mit Sponsor Daimler verlängern. Die Mercedes-Benz Bank wird für weitere vier Jahre die Brust der rot-weißen Trikots zieren. Rund sieben Millionen Euro soll das Engagement des Autobauers jährlich einbringen - nun werden es allerdings etwa 30 Prozent weniger sein. Bis Ende Juni will Präsident Wolfgang Dietrich einen weiteren Investor präsentieren.

VfB-Mitarbeiter

Der VfB Stuttgart beschäftigt aktuell knapp 200 Mitarbeiter. Bei Heimspielen sind weit über 2.000 Menschen rund ums Stadion im Einsatz. Zwar muss der VfB auch in diesem Bereich den Gürtel enger schnallen, aber Entlassungen auf der Geschäftsstelle sind wohl nicht geplant. Wahrscheinlicher sind Gehaltskürzungen.

Weiche Faktoren

Gemeint sind Effekte und Auswirkungen wie Image und Stimmungen, die mit Zahlen nur schwer messbar sind. Ein erfolgreicher Bundesligaverein trägt zum guten Image und zur Identifikation einer Region bei. Auch Stuttgarts Tourismusbranche hat großes Interesse an einem erstklassigen VfB. Die Zahl der Übernachtungs- und Tagesgäste in der Landeshauptstadt steigt bei Heimspielen deutlich an. Durch den Abstieg muss auch hier mit deutlichen Einbußen gerechnet werden.

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