VfB-Stuttgart-Sportvorstand Michael Reschke hat nach Niederlagen seines Klubs schlechte Laune (Foto: SWR, TEAM2)

Bundesliga | VfB Stuttgart Der Druck auf Michael Reschke wächst

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Der VfB Stuttgart hängt seit Wochen im Abstiegskampf fest. Darum muss Sportvorstand Michael Reschke neue Spieler finden, die den Schwaben sofort helfen können.

Michael Reschke läuft am vergangenen Samstag über das Spielfeld, spricht mit Christian Gentner, schüttelt den Kopf, verabschiedet sich zum nächsten Spieler, gibt ihm die Hand. Es ist 19.53 Uhr. Der VfB Stuttgart hat zum neunten Mal verloren, hat wieder kein Tor geschossen. Das 0:3 bei Borussia Mönchengladbach lässt die Schwaben auf Platz 16 zurück. Der Blick von Michael Reschke ist grimmig, man will ihn jetzt nicht unbedingt ansprechen.

"Er kann nicht verlieren, egal ob er privat Karten spielt oder ob es darum geht  einen Spieler unter Vertrag zu nehmen. Ganz schlimm wird es, wenn seine Mannschaft verliert. Dann wird er bösartig. Dann ist er sehr, sehr kritisch gegenüber seinen Mitarbeitern, gegenüber seinem Team. Ich muss fairerweise sagen, auch gegenüber sich selbst", sagt Reiner Calmund. Der muss es wissen, denn er hat 25 Jahre bei Bayer Leverkusen mit ihm zusammengearbeitet.

Rückschritte beim VfB Stuttgart

Er hat Michael Reschke damals zum Werksverein geholt und attestiert ihm hervorragende Arbeit und ein großes nationales und internationales Netzwerk gepaart mit dem Blick für Talente. Auch später bei Bayern München, als der Rheinländer von Karl-Heinz Rummenigge zum Kaderplaner gemacht wurde, hätte er das bewiesen.

Der Weg vom FC Bayern zum VfB Stuttgart ist aus Calmunds Sicht ein Rückschritt: "Du hattest in letzter Zeit so viele Anfragen von renommierten Bundesliga-Klubs, internationalen Clubs. Warum gehst du zu einem Bundeliga-Aufsteiger, der von vornherein in Abstiegsgefahr steckt. Bist du ein bisschen Ballaballa? Das habe ich ihm auch persönlich, telefonisch, deutlich mitgeteilt", erinnert sich Calli an seine Reaktion, als er erfuhr, dass sein ehemaliger Weggefährte von München nach Stuttgart zieht.

Calmund hat Mitleid mit Michael Reschke

Der große Fußball-Zampano hat auch wenig Mitleid, wenn er an die jetzige Situation des 61-Jährigen denkt. "Das ist hart, aber völlig normal. Wenn du als Verantwortlicher, in diesem Fall als Sportdirektor oder Manager, nicht den Erfolg hast oder den Erfolg, den man von dir erwartet hat, dann gibt’s was auf die Nuss [...] da muss man mit leben." Aber der ehemalige Leverkusener Manager ist trotzdem überzeugt von der Arbeit seines rheinischen Landsmanns, wenn er sagt: "Ich glaube auch, dass einige der Stuttgarter Nachwuchsspieler, die im Sommer geholt worden sind noch einiges zeigen werden."

Allerdings muss Michael Reschke jetzt liefern. Er hat selbst zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass sich der VfB, vor allem in der Offensive verstärken muss und wird. Da wird die Gangart im Verein hinter den Kulissen jetzt auch ruppiger, denn, so Reiner Calmund, was Reschke überhaupt nicht vertagen könne sei Blabla. "Wenn ihm irgendeiner im Verein […] nichts Fundiertes, wo keine Fakten dahinterstehen, erzählt, wird er schon ein bisschen ekelig."

Hertha ist die Nagelprobe für den VfB Stuttgart

Sollte der VfB am Samstag gegen Hertha zuhause nicht gewinnen wird der Sportvorstand also extrem böse werden und auf der anderen Seite gerät er immer mehr ins Schussfeld der immer größer werdenden Schar von Kritikern. "Ich habe ihn bestimmt drei bis vier Mal entlassen, aber auch 24 Stunden später auch immer wieder eingestellt", sagt Reiner Calmund dazu. Ob das beim VfB auch so sein wird?

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