Gegen den SC Freiburg stehen Markus Weinzierl und der VfB Stuttgart mächtig  unter Druck (Foto: SWR, photoarena / Thomas Eisenhuth)

Bundesliga | Meinung VfB Stuttgart gegen SC Freiburg – oder: der Stress vor dem Derby

Vor dem Baden-Württemberg-Duell VfB Stuttgart gegen den SC Freiburg stehen beide Klubs unter Druck. SWR-Sportredakteur Thomas Wehrle hat da seine eigene Sicht der Dinge.

Eines vorweg: Ich habe keinen Stress vor dem Derby. Ich habe ein Ticket und freue mich auf Derby-Atmosphäre und ein spannendes Spiel zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg. Und ich bin mir sicher, es wird ein aufregendes Spiel werden, denn es steht viel auf dem Spiel. Für die Freiburger geht es darum, das Polster zu den Abstiegsrängen möglichst auszubauen und nicht mit drei Niederlagen in Serie in die zweite Saisonhälfte zu starten.

Für den VfB Stuttgart geht es um viel, viel mehr: Wenn ich so meinen Kolleginnen und Kollegen zuhöre und die Zeitungen lese, dann geht es am Sonntag um alles! Wenn der VfB verliert, so höre ich, ist er abgestiegen. Dann muss der Trainer gehen, der Sportdirektor, der Präsident, dann reißen die Fans das Stadion ab und am Neckar geht die Welt unter. Mindestens!

Gemach, gemach - es sind dann immer noch 42 Punkte zu vergeben, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich der VfB nicht selbst auflöst und sich auch in Cannstatt die Welt weiter drehen wird.

Ich bin froh, kein VfB-Verantwortlicher zu sein

Vor allem aber bin ich heilfroh, dass ich kein Verantwortlicher beim VfB bin – und erst recht kein Spieler. So viel Druck musst du erst einmal aushalten als VfBler. Wenn dem Spiel so unfassbar viel Bedeutung beigemessen wird, dann kann das Beine und Kopf schon mal lähmen. Dann wird das Leichte schwer und das gegnerische Tor immer kleiner.

Und woher kommt eigentlich die Erwartungshaltung, der VfB müsse die Freiburger weghauen? Der Sport-Club steht besser in der Tabelle, hat eine funktionierende Mannschaft und einen klaren Plan. Dazu einen leidenschaftlichen Trainer, ein ruhiges, funktionierendes Umfeld und Fans, die weniger Politik machen, sondern wie eine Mauer hinter ihrem Team stehen. Damit steht es vor dem Spiel eigentlich 6:0 für die Breisgauer.

Überzogene Erwartungen vieler VfB-Fans

Aber rund um den Wasen erwarten trotzdem alle, dass der VfB gewinnt. Doch dazu müsste die Abwehr plötzlich ihren Namen verdienen, das Offensivspiel sich durch Witz, Plan und Leidenschaft auszeichnen, die Stürmer das Tor treffen und die Fans bedingungslos hinter Spielern und Verein stehen. Von all dem sind sie am Neckar derzeit weit entfernt.

Der Trainerwechsel hat den gewünschten Effekt bislang nicht gebracht, der Sportdirektor steht gemeinsam mit dem Präsidenten in der Kritik, Spieler Pablo Maffeo wird mal öffentlich ans Kreuz genagelt und darf dann doch bleiben. Abstiegspräsident Wahler kritisiert öffentlich seine Nachfolger und Carlos Mané spielt plötzlich bei Union Berlin….

Wie gesagt: Ich bin froh, dass ich beim VfB nicht in der Verantwortung stehe – und freue mich trotzdem auf ein echtes Derby!

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