Symbolisch für die VfB-Vorrunde: Santiago Ascacibar (l.) und Mario Gomez im Regen. (Foto: Imago, imago/Jan Huebner)

Bundesliga | VfB Stuttgart Der VfB Stuttgart als Großbaustelle

Der VfB Stuttgart steckt - wie quasi jeden Winter - in der Krise. Warum fehlen trotz hochpreisiger Neuzugänge und neuem Trainer weiter die Ergebnisse? Ein Überblick der vielen VfB-Baustellen.

Vergleicht man die bisherige Saison des VfB Stuttgart mit dem Bahnprojekt "Stuttgart 21", offenbaren sich zwangsläufig einige Gemeinsamkeiten: ein Neu(auf)bau, der nach und nach ins Stocken geriet, teure Investitionen mit wenig Ertrag und nur wenig Licht am Ende des Tunnels. Kurzum: ein ambitioniertes Vorhaben, das mittlerweile als Fehlkonstruktion daherkommt. Doch wo liegen die Gründe?

Historische Sturm-Flaute - wenig Torschüsse

Dauer

12 Tore in 17 Hinrundenspielen - so wenig Tore hat der VfB in seiner Bundesliga-Historie noch nie geschossen. Unterstrichen werden diese mauen Zahlen durch die Statistik von nur 187 Torschüssen - Platz 17 im Bundesliga-Ranking. Hinter dem Klub aus Cannstatt rangiert lediglich der Tabellenletzte aus Nürnberg, ganz vorne liegt in dieser Statistik die TSG Hoffenheim mit 307 Schüssen aufs Tor.

Um im Kontext zu bleiben: Dem VfB fehlt ein Tunnelbohrer in der Offensive. Mario Gomez erzielte in der Hinrunde zwar fünf Tore, allerdings traf er auch nur in drei Spielen. Zudem scheint der Abgang von Daniel Ginczek zum VfL Wolfsburg die Schwaben doch mehr zu schmerzen, als erwartet. Auch Ginczek traf für die Wölfe übrigens fünf mal in der Vorrunde.

Sein Nachfolger, der Argentinier Nicolas Gonzalez, der für rund 8,5 Millionen als großer Hoffnungsträger geholt wurde, fiel weniger durch Effizienz, sondern dadurch auf, Riesenchancen zu verballern. Den "Fehlschuss des Jahres" setzte er am letzten Hinrundenspieltag gegen Schalke, als er den Ball aus 17 Metern freistehend vor dem Tor an den Pfosten schoss und so den Ausgleich für sein Team vergab.

Nicolas Gonzalez und sein unglaublicher Fehlschuss gegen Schalke im Dezember. (Foto: Imago, imago/Sportfoto Rudel)
Nicolas Gonzalez und sein unglaublicher Fehlschuss gegen Schalke im Dezember. Imago imago/Sportfoto Rudel

Stuttgart bringt wenig Kilometer auf die Strecke

Wer sich als VfB-Fan Fußball in Hochgeschwindigkeit erwartet hatte, wurde bitter enttäuscht. Trotz vermeintlicher Hochgeschwindigskeitszüge lief der VfB eher hinterher, statt das Tempo vorzugeben. 3.475 Sprints (Platz 14), 10.666 intensive Läufe (Platz 15) sowie eine Laufleistung von 1.941 Kilometer (Platz 17) zeigen, dass dem VfB vor allem der Speed abgeht - insbesondere im Spiel nach vorne. Teams wie Eintracht Frankfurt (Sprints), der VfL Wolfsburg (intensive Läufe) und 1899 Hoffenheim (Laufleistung) sind hier die Taktgeber der Liga.

Apropos Taktgeber: Dass es überhaupt zur Tempoverschärfung kommen kann, braucht es neben schnellem Umschalten für gewöhnlich einen Dirigenten mit Geistesblitzen. Der heißt beim VfB Daniel Didavi, doch der 28-jährige Kreativspieler stand wegen anhaltender Probleme mit der Achillesehne nur 332 von 1.530 Minuten auf dem Platz. Verletzungspech, beispielsweise auch von Anastasios Donis, waren ein weiterer Faktor für die verkorkste Hinrunde.

Enttäuschende Neuzugänge - Hoffnung "Z-Faktor"

Neuzugänge wie Borna Sosa (oft verletzt), Pablo Maffeo (neun Millionen Euro teuer) und Gonzalo Castro (oft behäbig) konnten nicht überzeugen. Einzig Marc Oliver Kempf trat zum Ende der Hinrunde positv in Erscheinung. Die vor der Saison investierten 35 Millionen Euro sind bislang ein teures Versprechen, das bisher nicht eingelöst wurde.

Hoffnung macht neben Stürmer Alexander Esswein (leihweise aus Berlin) vor allem der aus Hoffenheim bis zum Saisonende geliehene Steven Zuber. Der schweizer Offensivallrounder bringt Robustheit, Lauffreude und vor allem das so oft vermisste Tempo mit. Der "Z-Faktor" könnte das Offensivspiel der Schwaben beleben, was sich natürlich auch Markus Weinzierl erhofft.

Dauer

Kein Aufschwung unter Weinzierl - Reschke in der Kritik

0:4, 0:4 und 0:3 lauteten die ersten Ergebnisse des Ex-Schalke- und Ex-Augsburg-Trainers. Ein Trainereffekt war nicht zu erkennen. Die Bilanz unter der Regie von Weinzierl liest sich eine Woche vor dem Rückrunden-Auftakt bescheiden: drei Siege aus zehn Spielen, neun von 30 möglichen Punkten.

Zudem verspielte sich Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke bei den Fans Kredit, als er Tayfun Korkut nach der Niederlage in Hannover erst den Rücken stärkte, um ihn dann am nächsten Morgen vor die Tür zu setzen. Bei der Weinzierl-Vorstellung verteidigte er sein Handeln mit den Worten: "Wenn dann mal ein oder zwei Fälle passiert sind, wo eine massive Wahrheitsbeugung vorgelegen hat, dann ist es einfach so. Ich kann gut damit leben. Ich glaube, dass ich sehr glaubwürdig bin im Vorgehen und in vielen Aussagen, die ich treffe."

Stresstest auch für Baumeister Reschke

Der VfB Stuttgart muss sich auch in der Rückrunde mal wieder einem Stresstest unterziehen - genauso wie Baumeister Reschke. Auch seine Lösungen müssen nun zünden. Am besten tiefergelegt und mit Tempo, um das Projekt "VfB Stuttgart" wieder ordentlich aufs Gleis zu setzen. Gelingt das nicht, steht möglicherweise auch Reschke vor dem Aus. Ohne Licht am Ende des Tunnels.

AUTOR/IN
STAND