VfB in der Vesperkirche (Foto: Imago, imago/Pressefoto Baumann)

Bundesliga | VfB Stuttgart #WirsindStuttgart: Der VfB Stuttgart lebt sein neues Motto

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Gestern Vesperkirche, heute Fanfest bei Breuninger. Und ein entscheidendes Spiel am Sonntag vor der Brust. Für jeden Bruddler ein gefundenes Fressen. Aber warum eigentlich?

#WirsindStuttgart: Dieses neue VfB-Motto soll die Verbundenheit zwischen Stadt, Region und Verein ausdrücken. Zusammenstehen in schwierigen Zeiten. Nicht jeder findet die Umsetzung passend. Nur wenn der VfB am Sonntag gegen Hannover gewinnt, werden die, die jetzt nörgeln, ruhig sein. Aber jeder, der genau hinschaut, sieht, dass Spieler und Trainer Tage wie diese schätzen.

"Man merkt, dass der VfB bewegt!"

Es war nicht nur ein Termin zwischen zwei Trainingseinheiten. Der Besuch in der Vesperkirche wird vom VfB als Teil des sozialen Auftrags des Vereins angesehen. Und gelebt. Egal, was gerade die Tabelle sagt. Egal, ob wie vor zwei Jahren gerade ein Kevin Großkreutz mit seinen Eskapaden dem Verein Negativschlagzeilen im Zweitliga-Aufstiegskampf beschert hat. Dieser Termin zeigt Jahr für Jahr, dass Spieler, Trainer und Betreuer diese Aufgabe ernst nehmen und mit Leben füllen. Nicht husch-husch zwischendurch.

"Man merkt, dass der VfB bewegt", sagt Trainer Markus Weinzierl, der in diesem Jahr zum ersten Mal dabei war und an der Salattheke eingeteilt war. "Der Austausch mit den Fans ist gut! Wir stellen uns dem. Das gehört dazu", ergänzt Mario Gomez, der wie schon im Vorjahr den Kaffee ausgeschenkt, und sich dabei "90% Zuspruch und 10% Granteln" angehört hat. Sympathisch, geduldig und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Aber müsste nicht gerade dieser Gomez besser auf dem Trainingsplatz stehen, um Torabschlüsse zu üben? "Wir arbeiten gezielt auf Sonntag hin und wir können das gut in unseren Ablauf integrieren", sagt Markus Weinzierl.

Wer will, der findet das Haar in der Suppe...

Jeder, der im Job schon mal vor Problemen stand, weiß, wie sehr ein bisschen Ablenkung gut tut. Der VfB sucht seine Ablenkung in der Fannähe. In dieser Woche eben in der Vesperkirche und bei Breuninger. Raus aus der Bundesliga-Blase. Rein in die Realität. "Beide Seiten profitieren voneinander", sagt VfB-Kapitän Christian Gentner. "Es ist für uns auch immer wieder eine Erinnerung, welch privilegiertes Leben wir führen können", bringt Gentner die besonderen Begegnungen mit Obdachlosen und Bedürftigen in der Vesperkirche auf den Punkt.

Aber ob Vesperkirche oder Breuninger: Die sportliche Realität wird eben nicht ausgespart. "Wir wissen, dass die Situation nur mit Punkten besser wird", sagt Weinzierl mit Blick auf das Heimspiel gegen Hannover. Aber die Herangehensweise hat sich geändert: "Ich sehe das nicht als riesen Drucksituation, sondern als Chance. Wir können drei Punkte holen zu Hause".

"Ich sehe das nicht als riesen Drucksituation, sondern als Chance. Wir können drei Punkte holen zu Hause".

VfB-Trainer Markus Weinzierl zum Spiel gegen Hannover

Dieser andere, dieser positivere Blick mag an den Auftritten gegen Leipzig und in Bremen liegen. Aber vielleicht eben auch an den Begegnungen mit den Menschen bei diesen Terminen neben dem Platz. Und möglicherweise lenkt das gar nicht so vom Wesentlichen ab, wie so manch ein Bruddler denkt....

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