Baustelle (Foto: SWR)

Bundesliga | VfB Stuttgart Hitzlsperger und die Großbaustelle VfB Stuttgart

Die Liste der Problemzonen ist lang: Fehlgeschlagene Transfers, mangelndes Selbstbewusstsein, eine Mannschaft, die nicht als Mannschaft auftritt, ein Trainer der wackelt und das Abstiegsgespenst im Nacken.

Thomas Hitzlsperger ist ein Mann mit klarem Verstand. Gott sei Dank, denn seine Hauptaufgabe wirkt verworren: Hitzlsperger muss die vielen einzelnen Baustellen auf der Großbaustelle VfB Stuttgart definieren, sortieren und schliessen. Und das alles ohne das große Hau-Ruck...

Fenster auf - Durchlüften!

Wer im Dunst hockt, kann schwer frei atmen. Also hat Thomas Hitzlsperger eine knallharte Analyse angekündigt. Dabei wird er zwar auf "Hau-Ruck-Aktionen" verzichten, aber notwendige Entscheidungen muss und wird er treffen. Das hat er schon bei seiner Vorstellung unterstrichen, als er Trainer Weinzierl keine Jobgarantie gab. Das ist gut so, weil realistisch und ehrlich. Hitzlsperger wird kein Alleinunterhalter sein. Der Posten des Sportchefs ist weiterhin vakant. Zu sehr ließ man Reschke als Sonnenkönig agieren. Das wird bei Hitzlsperger nicht passieren, die Suche nach einem kompetenten Team läuft. Aufräumarbeiten als Mannschaftsleistung mit Perspektive.

Ruhe muss wieder rein...

Es klingt so einfach, aber es könnte DER Schlüssel sein. Denn Ruhe war zuletzt ein Fremdwort beim VfB Stuttgart. Angefangen von frustrierten Fans, ging das weiter mit einer verunsicherten Mannschaft und hin bis zur angeschlagenen sportlichen Führung. Und die Basis ist schon mal gut! Hitzlsperger ist bei den Fans beliebt und anerkannt, er könnte eine Brücke zwischen der Kurve und der Vereinsführung (Präsident Wolfgang Dietrich) bauen.

Er kommt gut mit Trainer Markus Weinzierl aus, kann konstruktiv mit ihm arbeiten. Und nicht zuletzt ist der 36-jährige als Ex-Spieler immer noch "nah dran". Wenn Hitzlsperger zum Beispiel vor Heimspielen in den Katakomben steht, ist der Austausch, das Abklatschen mit den Spielern stets sichtbar herzlich. Das Verhältnis stimmt!

Dauer

Qualität muss zurück auf den Platz...

Natürlich kann auch Thomas Hitzlsperger den Kader jetzt nicht komplett umkrempeln. Alle Transferfenster sind geschlossen, das Personal steht. Die Saison muss so überstanden werden. Zumal die Aufstellung die Arbeit des Trainers sein sollte. Zuletzt sickerte immer wieder durch, dass Michael Reschke sich immer wieder eingemischt hatte, das Verhältnis zwischen Trainer und Sportvorstand große Risse hatte und das von Reschke zur Mannschaft so gut wie nicht existent war. Das Aufbrechen dieser Problemzonen kann befreiend wirken. Hitzlsperger muss mit Vertrauen und seiner positiven Autorität die Köpfe der Mannschaft erreichen. Im Nachwuchsleistungszentrum wird er für seine Arbeit geschätzt, als "Einer, der mit Menschen kann...". Wenn er damit seinen Teil dazu beiträgt, die bislang eher enttäuschenden Neuen in die Spur zu bringen und die "Alten" um Mario Gomez wieder zu den Stützen auf dem Platz pusht, die sie sein sollen, wäre ein erster Schritt getan.

Vertrauen muss zurück erkämpft werden...

Schon mit der Ernennung von Thomas Hitzlsperger zum Sportvorstand zeigten sich die Fans durchweg begeistert. Der Ex-VfB Profi startet mit großem Kredit.

Aber Hitzlsperger weiß auch, dass diese positive Stimmung schnell kippen kann. Bei aller Ruhe muss auch er liefern. Er wird (s)ein Ultimatum im Kopf haben. Vielleicht intern für die nächsten drei Spiele als Minimalziel drei Punkte ausrufen. Gegen Leipzig und in Bremen erwarten die wenigsten etwas, gegen Hannover muss zu Hause geliefert werden. Spätestens dann sollte Weinzierls Zukunft entschieden sein. Spätestens dann muss Hitzlsperger auch richtungsweisend handeln. Für den Verein, aber eben auch dafür, das Vertrauen in seine Arbeit aufrecht zu erhalten.

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