Thomas Berthold  (Foto: SWR)

Fußball | Bundesliga Thomas Berthold: "Der VfB Stuttgart hat ein Mentalitätsproblem"

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1997 hat Thomas Berthold mit dem VfB Stuttgart den DFB-Pokal geholt. Von solchen Erfolgen ist der Tabellen-16. der Bundesliga derzeit meilenweit entfernt. Gegenüber SWRsport äußert sich der Weltmeister von 1990 zur aktuellen Situation seines Ex-Klubs.

...zu einem möglichen Weggang von Benjamin Pavard schon in der Winterpause:

"Wenn man die Liga halten will, dann darf man Pavard wegen ein paar Millionen Euro nicht schon früher abgeben. Denn wenn er stabil ist, könnte er ein wichtiger Faktor werden."

...zum verpatzten Neustart 2019:

"Der VfB hat die Problematiken aus der Hinrunde mitgenommen. Es fehlt nach wie vor an Durchschlagskraft, an Tempo, an taktischer Disziplin und an Mentalität. Die Grundtugenden des Fußball müssen von der ersten Minute wieder zu sehen sein, nicht nur in den letzten 10 Minuten."

...zu den VfB-Problemzonen:

"Fußball ist Eins gegen Eins. Man muss sich im Zweikampf durchsetzen, vorne und hinten, da tut sich der VfB sehr schwer. Da fehlt es an Qualität."

...zum mangelnden Selbstbewusstsein:

"Selbstbewusstsein steigt natürlich mit Erfolgen. Aber in den schwierigen Phasen braucht man Spieler, die den Karren aus dem Dreck ziehen. Da hat der VfB ein Mentalitätsproblem. Da müssen sich alle zusammenraufen."

...zum Spiel am Sonntag beim FC Bayern:

"Das ist ein einfaches Spiel für den VfB, weil man nichts zu verlieren hat. Da muss man gucken, dass man sich einigermassen vernünftig verkauft, bissig in den Zweikämpfen ist. Und theoretisch ist ja alles möglich. Aber die wichtigen Spiele für den VfB sind andere: Die Heimspiele und Duelle gegen direkte Konkurrenten."

Fußball | Bundesliga Diese VfB-Stars wechselten zum FC Bayern

Dieter Hoeneß in Diensten des VfB Stuttgart (Foto: Imago, imago/Pressefoto Baumann)
1977 schaffte der VfB Stuttgart den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. Maßgeblich daran beteiligt: Mittelstürmer Dieter Hoeneß. Nur zwei Jahre später zog es den gebürtigen Ulmer für kleines Geld zum FC Bayern München, wo sein Bruder Uli im Mai 1979 das Management übernommen hatte. Imago imago/Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
1982 tat es ihm Bernd Martin gleich. Der Rechtsverteidiger, der aus der Jugend des VfB gekommen war und in Stuttgart zum Nationalspieler wurde, wechselte zum FC Bayern. In München blieb Martin der große Durchbruch allerdings verwehrt. Imago imago/Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem DFB-Pokal-Gewinn in der Saison 1996/1997 entschied sich auch VfB-Star Giovane Elber für einen Tapetenwechsel. Beim FC Bayern München erlebte der Brasilianer seine erfolgreichste Zeit, feierte unter anderem vier Meistertitel und den Gewinn der Champions League. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
2001 zog es Pablo Thiam von Stuttgart nach München. Das Schlimmste für die VfB-Fans am Transfer des Mittelfeldspielers: Für den Mann aus Guinea zahlte der FC Bayern nicht einen Cent. Beim VfL Wolfsburg wurde Thiam später zur Legende. Imago imago/Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Der wohl schmerzhafteste Abgang für die VfB-Fans: Im Sommer 2009 schloss sich Eigengewächs Mario Gómez dem FC Bayern für kolportierte 30 Millionen Euro an. Mit dem VfB feierte Gomez zwei Jahre zuvor die deutsche Meisterschaft und wurde in der Saison 2007/2008 Bundesliga-Torschützenkönig. Mittlerweile ist der ehemalige deutsche Nationalspieler zu seinem Ausbildungsverein zurückgekehrt. Imago imago sportfotodienst Bild in Detailansicht öffnen
Der Wechsel von Sven Ulreich zum deutschen Rekordmeister am 1. Juli 2015 stieß bei vielen VfB-Anhängern auf Unverständnis. Denn Ulreich ging als klare Nummer zwei - hinter Nationaltorhüter Manuel Neuer - nach München, nachdem er beim VfB Stammkraft und Identifikationsfigur war. Imago imago/Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Nur einen Tag später wechselte ein weiterer VfB-Star zum FC Bayern. Obwohl Joshua Kimmich vor seinem Transfer für RB Leipzig aufgelaufen war, floss die Ablöse für den ehemaligen Stuttgarter Nachwuchskicker an den VfB. Stuttgart hatte vor Kimmichs Wechsel nach München dessen Transferrechte per Vertragsklausel zurückerworben und ihn für kolportierte 8,5 Millionen Euro direkt an den FCB weiterverkauft. imago/Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Am 9. Januar 2019 bestätigte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic den Transfer von Bejamin Pavard zum deutschen Rekordmeister offiziell. Die Münchner aktivieren damit die 35 Millionen Euro teure Ausstiegsklausel im Vertrag des französischen Weltmeisters. In München erhält Pavard im Sommer einen Fünfjahresvertrag. Imago imago/Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen

...zu den Aussichten des VfB für die Restsaison:

"Es wird auf jeden Fall eine schwere Rückrunde. Der VfB hat das Glück, dass es noch schwächere Mannschaften gibt. Da muss man schon schauen, dass man noch ein bis zwei Mannschaften hinter sich lässt, damit man nicht noch in die Relegation rein schlittert."

...zu Anspruch und Realität beim VfB:

"Man muss im Fußball Ziele definieren. Aber wenn der Präsident (Wolfgang Dietrich, d.R.) davon spricht, irgendwann mal wieder international zu spielen, dann klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit eine Lücke."

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