Leon Dajaku (li.) und Antonios Aidonis  (Foto: Imago, Sportfoto Rudel)

Bundesliga | VfB Stuttgart Der VfB Stuttgart macht aus der Not eine Jugend

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Der VfB Stuttgart stand einst für das Erfolgsmodell "jung und wild". Das ist lange her. Doch im Abstiegskampf der Bundesliga rücken derzeit wieder zwei 17-Jährige in den Vordergrund.

Jung und wild - das war das Erfolgsmodell des VfB Stuttgart, als man zuletzt im Jahr 2007 Deutscher Meister wurde. Oder unter Trainer Felix Magath Manchester United 2003 in einem legendären Spiel geschlagen nach Hause schickte.

Auf Timo Werners Spuren

Und auch jetzt setzt der VfB Stuttgart wieder einmal auf junge Wilde, weil die Personaldecke immer dünner wird. Mit Leon Dajaku und Antonios Aidonis hat Trainer Markus Weinzierl zuletzt Timo Werners Nachfolger auf den Platz geschickt. Antonios Aidonis ist mit exakt 17 Jahren, fünf Monaten und 19 Tagen der zweitjüngste Bundesliga-Debütant des VfB. Nur Werner war 2013 jünger - genau um acht Tage. Aidonis wurde beim 2:0-Sieg in Nürnberg eingewechselt.

Auf Position drei in diesem Ranking steht Leon Dajaku. Auch er ein 17-jähriger Debütant, der bei seinem ersten Erstliga-Auftritt in Mönchengladbach (0:3) 16 Tage älter war als Timo Werner. Leon Dajakus Berater ist Stuttgarts Ex-Stürmer Kevin Kuranyi, selbst erst 21, als er gegen Manchester den 2:1-Siegtreffer schoss. Er ist sich sicher, dass sich sein junger Schützling durchsetzen wird.

"Es ist immer schwierig, öffentlich Erwartungen an einen Spieler zu haben. Das erhöht den Druck und ist manchmal eine zu hohe Last. Aber Leon kann das einordnen. Ich traue ihm vieles zu, wenn er so weitermacht, wie bisher. Er hat auf jeden Fall die Anlagen, um ein Top-Torjäger in der Bundesliga zu werden. Und er hat auch das Talent zum Nationalspieler. Jetzt gilt es, das behutsam und akribisch umzusetzen."

Kevin Kuranyi

Kevin Kuranyi war einst selbst ein junger Wilder, einer, der sich durchgebissen hat, der seine Chance genutzt hat. Genau das traut er auch Dajaku zu. Und er hat auch früh gespürt, dass der 17-Jährige den Fleiß, den Charakter und den Willen mitbringt, um sich von anderen Talenten abzusetzen und am Ende den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Da gibt es durchaus Parallelen zwischen Berater und Schützling.

"Ich bin zuversichtlich, dass er diese Ziele erreichen kann, weil er einen guten Charakter und Biss hat. Er läuft, er kämpft, er arbeitet. Er verlässt sich nicht auf sein Talent, er schuftet zusätzlich. Er bewegt sich gut, ist eiskalt vor dem Tor und hat eine große Sicherheit für einen 17-Jährigen. Er ist ein anderer Spielertyp als ich es war, aber ein paar Dinge erinnern mich schon an mich. Zum Beispiel dieser unbedingte Wille, sich durchzusetzen."

Kevin Kuranyi

Khedira und Lahm reiften beim VfB

Es könnte also sein, dass der VfB Stuttgart zum wiederholten Mal aus der Not heraus seine beste Tugend entdeckt: die Jugend. Junge Wilde auszubilden und ins kalte Wasser zu werfen– damit hatten schon die Trainer Felix Magath und Armin Veh Erfolg. Damals hießen die Jungen Philipp Lahm oder Sami Khedira – und dass beide später Weltmeister wurden, spricht ja durchaus für die Sinnhaftigkeit dieses Modells.

Der Start von Leon Dajaku fand allerdings unter erschwerten Bedingungen statt. Es war kalt, regnerisch und der 17-Jährige wurde auf den Platz geschickt, als gerade das 0:1 in Gladbach gefallen war und seine Mitspieler die Köpfe hängen ließen. Am Ende verlor der VfB mit 0:3. Dennoch: der junge Stürmer hat nichts zu verlieren und bietet sich an. Trainer Markus Weinzierl weiß das zu schätzen.

Dauer

Und weil VfB-Coach Weinzierl jemanden braucht, der Tore schießt, sein Stamm-Stürmer Mario Gomez aber gerade Ladehemmung hat, baut er auf den Nachwuchsmann. Genauso wie in der ersatzgeschwächten Abwehr mit Antonis Aidonis der zweite 17-Jährige eine Rolle spielen könnte. Jung und wild sind beide schon – jetzt müssen sie nur noch erfolgreich werden.

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