Holger Badstuber und Ozan Kabak. (Foto: Imago, imago)

VfB Stuttgart | Reaktionen Der VfB-Knockout nach der "Horror-Saison"

Der VfB Stuttgart ist aus der Bundesliga abgestiegen. Zum dritten Mal nach 1975 und 2016. Nach dem 2:2 im Heimspiel kamen die Schwaben bei Union Berlin nicht über ein 0:0 hinaus. Danach gab es bei den Schwaben nur noch bittere Enttäuschung.

Es war kurz vor halb elf am Montagabend, als die "Alte Försterei" in Berlin in einem rot-weißen Freudenmeer versank. Nicht die VfB-Fans feierten, sondern die gleichfarbenen Berliner Anhänger. Schiedsrichter Dingert hatte Sekunden zuvor die zweite Relegationspartie abgepfiffen, tausende Union-Fans schwärmten über den Rasen, zelebrierten überschwänglich ihre erste Bundesliga-Aufstiegsparty. Dazwischen, kaum mehr zu erkennen, die Stuttgarter Spieler in ihren schwarzen Trikots. Die Farbe, passend zu diesem tragischen Fußballabend. Schwäbische Fußball-Trauer überall.

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Thomas Hitzlsperger verzweifelt: "Das ist brutal enttäuschend"

Spätestens in diesem Moment war klar und unumstößlich: Der VfB Stuttgart ist abgestiegen, nur noch zweitklassig. Draußen an der VfB-Bank der Sportvorstand Thomas Hitzlsperger, die Hände verzweifelt vors Gesicht geschlagen. Als er wieder zu Worten fähig war, gratulierte er erstmal den Berlinern "für einen verdienten Aufstieg", um danach aus seinem Seelenleben kein Geheimnis zu machen: "Das ist brutal enttäuschend, bei uns ist viel schiefgelaufen". Eine Saison "in der wir nie zueinander gefunden haben", so Hitzlsperger gegenüber Eurosport "mit drei Trainern, wir haben viel durchgewechselt. Aber es hat einfach nicht gereicht".

Fußball | Bundesliga Die Saison des VfB: Trainerwechsel, Präsidentenkritik und der Abstieg

Tayfun Korkut als VfB-Trainer an der Seitenlinie (Foto: Imago, imago/ Eibner)
Tayfun Korkut trainiert den VfB Stuttgart zu Saisonbeginn, doch der Start misslingt. Erst am sechsten Spieltag gelingt der erste Saisonsieg. Nach dem 2:1 gegen Werder Bremen liegt der VfB auf Tabellenplatz 16. Imago imago/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Die 1:3-Niederlage am siebten Spieltag in Hannover wird die letzte Partie von VfB-Coach Tayfun Korkut. Die Vereinsführung zieht die Konsequenz aus Platz 18 und entlässt den türkischen Trainer am 7. Oktober 2018. Andreas Hinkel übernimmt für wenige Tage als Interimstrainer. Imago imago/ Nordphoto Bild in Detailansicht öffnen
Am 9. Oktober wird Markus Weinzierl als neuer Mann an der Seitenlinie vorgestellt. Aber auch der Bayer kann nicht für neuen Aufschwung sorgen. Sein erstes Spiel als VfB-Trainer geht mit 0:4 gegen Bor. Dortmund verloren. Imago imago/ Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Es folgen Niederlagen gegen Hoffenheim (0:4) und Frankfurt (0:3). In Stuttgart merken viele: In dieser Saison wird es gegen den Abstieg gehen. Nach den ersten zehn Spielen hat der VfB gerade einmal fünf Punkte. Imago imago/ Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Der VfB Stuttgart überwintert auf dem Relegationsplatz. Die Vereinsführung steht in der Kritik, zieht aber noch keine Konsequenzen aus der katastrophalen Hinrunde. Nach der Winterpause folgen vier Niederlagen in fünf Spielen, darunter ein 1:4 beim FC Bayern. Imago imago/ Ulmer Pressebildagentur Bild in Detailansicht öffnen
Am 12. Februar 2019 trennt sich der Verein vom umstrittenen Sportvorstand Michael Reschke. "Leider hat seine Arbeit bislang nicht den gewünschten sportlichen Erfolg gebracht", verabschiedet ihn Präsident Wolfgang Dietrich. Ab Juli darf sich Reschke als Technischer Direktor bei Schalke 04 wieder versuchen. Imago imago/ Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Kurz danach wird Ex-VfB-Profi Thomas Hitzlsperger als neuer Sportvorstand vorgestellt. Der Meisterspieler von 2007 deutet an, dass er die Saison mit Markus Weinzierl als Trainer beenden will - trotz schlechter Ergebnisse. Imago imago/ Michael Weber Bild in Detailansicht öffnen
Nicht nur die Mannschaft steht schlecht dar, auch Präsident Wolfgang Dietrich hat sich bei vielen Fans unbeliebt gemacht. Gründe: Wirtschaftliche Verflechtungen mit einem Investor und fragwürdige Personel-Entscheidungen. Im April sagte Dietrich dem SWR, dass er auch im Abstiegsfall Präsident bleiben werde. Imago imago images/ MIS Bild in Detailansicht öffnen
Einer der wenigen Lichtblicke der Saison: Der 5:1-Heimsieg gegen Hannover 96 am 24. Spieltag. Es bleibt einer von nur sieben Siegen in dieser Spielzeit. Kabak und Zuber treffen doppelt und bringen die Hoffnung auf den Klassenerhalt zurück. Imago imago images/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
In den nächsten sechs Spielen gelingt kein Sieg mehr. Der Tiefpunkt der Saison ist nach dem 0:6 in Augsburg erreicht. Es ist die höchste Bundesliga-Niederlage der Schwaben. Aber: Der VfB profitiert von der schwachen Konkurrenz aus Hannover und Nürnberg und kann Platz 16 halten. Imago imago/ Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
Nach dem Debakel in Augsburg muss mit Markus Weinzierl auch der zweite VfB-Trainer dieser Saison seine Sachen packen. Der Verein begibt sich auf die Suche nach einem "Feuerwehrmann". Alle Zeichen stehen auf Relegation. Imago imago images/ Eibner Bild in Detailansicht öffnen
Als "Retter" übernimmt Nico Willig für die letzten vier Spiele. Der 38-Jährige hatte zuvor die U-19 des Vereins trainiert und soll nach Saisonende wieder dorthin zurückkehren. Kurzzeitig scheint der Trainerwechsel Wirkung zu zeigen. Der VfB gewinnt seine nächste Partie gegen Mönchengladbach mit 1:0. imago images/ Kirchner Media Bild in Detailansicht öffnen
Schon vor dem letzten Spieltag steht fest: Der VfB Stuttgart muss in die Relegation. Für eine Aufholjagd hat es auch unter Nico Willig nicht gereicht. Gegner in der Relegation: Zweitligist Union Berlin. Imago imago images/ Kirchner Media Bild in Detailansicht öffnen
Lange wurde spekuliert, offiziell wurde es dann noch vor dem Relegations-Hinspiel: Neuer Trainer in Stuttgart ab der kommenden Saison wird Tim Walter. Der 43-Jährige Badener trainierte zuletzt den Zweitligisten Holstein Kiel. Imago imago images/ Kirchner Media Bild in Detailansicht öffnen
Im Hinspiel der Relegation liegt der VfB (Tore: Gentner und Gomez) zweimal in Führung, spielt aber am Ende im eigenen Stadion nur 2:2. Eine schwierige Ausgangslage für die Stuttgarter im Rückspiel. Es droht der dritte Bundesliga-Abstieg nach 1975 und 2016. Imago Imago images/ Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
Ein schmerzhafter Tag: Am 27. Mai 2019 steigt der VfB Stuttgart zum dritten Mal nach 1975 und 2016 in die 2. Bundesliga ab. Ozan Kabak, Holger Badstuber und Nicolas Gonzalez (v.l.) stehen stellvertretend für den Knockout von Berlin. Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen

Für Nico Willig war es "eine Horror-Saison"

Auch Interimstrainer Nico Willig war die bittere Enttäuschung ins Gesicht gezeichnet: "Das ist der Tiefpunkt", so Willig gegenüber SWR Sport, "mein Auftrag war, dass diese Mannschaft drinbleibt, das habe ich nicht geschafft. Ich bin sehr enttäuscht". Letztlich, so Willig ehrlich, "war es eine Horror-Saison". In den vier Bundesligaspielen nach der Ablösung von Markus Weinzierl hatte der VfB unter Willig in vier Spielen immerhin sieben Punkte geholt und den direkten Abstieg vermieden. In der Relegation aber gingen auch dem sonstigen U-19-Coach die Mittel aus: "Das tut mir wahnsinnig leid für die Fans".

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Der dritte Abstieg - was nun, VfB Stuttgart?

Der ruhmreiche VfB Stuttgart erlebt also den dritten Abstieg aus der Bundesliga nach 1975 und 2016. "Wir müssen das jetzt erst verarbeiten, weil wir viel falsch gemacht haben", legte Sportvorstand Hitzlsperger die Stirn in tiefe Falten, "sowas zu erleben ist total bitter, aber wir müssen jetzt die Leute aufrichten, wieder aufstehen und nach vorne schauen".

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Mit dem neuen sportlichen Führungsduo Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat ist der VfB Stuttgart jung und zukunftsfähig aufgestellt, mit Tim Walter kommt von Holstein Kiel ein interessanter Trainer, der sich dem Offensivfußball verschrieben hat. Sonstige Veränderungen? Wie wird, wie kann die künftige Zweitligamannschaft aussehen? "Niemand kann im Moment in der Lage sein, Veränderungen zu benennen".

Frust und Fassungslosigkeit gab es nach Spielende natürlich auch bei den 2200 VfB-Fans, die die weite Reise nach Berlin angetreten hatten, um das Team lautstark in der "Alten Försterei" zu unterstützen. Mehr als 15.000 hatten daheim in der Stuttgarter Arena beim Public Viewing in der Cannstatter Kurve mitgezittert und mitgelitten. Alles vergeblich.

Nico Willig: "Uns ging der Saft aus"

Spätestens nach der Pause war es für den VfB ein gnadenloses Spiel gegen die Zeit, in dem das Team immer mehr den Faden verlor. Die robusten Berliner dagegen erkämpften sich allein mit den beiden Pfostenschüssen von Suleiman Abdullahi (64. und 66. Minute) den Aufstieg. So sah es auch VfB-Interimscoach Nico Willig: "Uns ging der Saft aus, der Aufstieg für Union ist aufgrund der zweiten Halbzeit verdient". Um dann noch hinzuzufügen: "ich wünsche mir, dass der VfB wiederkommt. Das ist seit drei Jahren mein Verein. Das ist ein Rückschlag, aber man muss auch wieder aufstehen können. Und ich wünsche mir, dass das schon nächste Jahr gelingt".

Wolfgang Dietrich: "Der VfB steigt wieder auf"

Inzwischen hat sich auch VfB-Präsident Wolfgang Dietrich zu Wort gemeldet. "Wir sind mit dem Ziel in die Saison gestartet, uns sportlich weiter zu stabilisieren und jetzt entsprechend schwer geschockt über den nunmehr feststehenden Abstieg. Alle VfBler werden eine gewisse Zeit benötigen, um diesen Schock zu verarbeiten. Aber wir werden definitiv wieder aufstehen und alles daransetzen, den VfB wieder zurück in die Bundesliga zu führen! Die wirtschaftlichen sowie strukturellen Voraussetzungen dafür sind gegeben, die Aufarbeitung dieser Spielzeit läuft bereits und die sportlichen Weichen für die Zukunft werden ebenfalls schon gestellt. Der VfB steigt wieder auf", wird Dietrich auf der Homepage des Vereins zitiert.

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