Collage Odysseas Vlachodimos (Foto: SWR)

Fußball | Europa League Odysseas Vlachodimos: Von der VfB-Bank in die Europa League

Ein Stuttgarter im Benfica-Tor. Odysseas Vlachodimos hatte beim VfB Stuttgart keinen Platz mehr und steht heute im Viertelfinale der Europa League zwischen den Pfosten. Eine außergewöhnliche Reise.

Seine Karriere als eine Odyssee zu bezeichnen, wäre wohl zu naheliegend. Trotzdem verlief der Weg von Odysseas Vlachodimos nicht immer geradlinig. Er begann in seiner Heimatstadt Stuttgart, wo der Deutsch-Grieche mit sieben Jahren in die Jugend des VfB Stuttgart wechselte. Dort durchlief der Torwart alle Jugendmannschaften, bis er 2012 in die zweite Mannschaft der Schwaben berufen wurde.

Sein damaliger Trainer und Förderer Jürgen Kramny erinnert sich an einen extrovertierten 18-Jährigen: "Er war ein sehr fanatischer Typ, der immer gewinnen wollte. Er hat sich manchmal ein bisschen zu sehr selbst dargestellt, durch seine ausgefallenen Frisuren zum Beispiel; davon war ich kein großer Freund als Trainer." Trotz des Irokesen-Schnitts war der deutsche Jugendnationalspieler unter Kramny zwei Saisons lang Stammtorhüter in der 3. Liga.

Jürgen Kramny im Gespräch mit Odysseas Vlachodimos (Foto: SWR)
Nicht immer gute Stimmung: Trotz der jahrelangen Zusammenarbeit im zweiten VfB-Team, spielte Vlachodimos unter Kramny in der Bundesliga keine Rolle mehr

Vom Hof gejagt oder einfach nur ungeduldig?

Doch als Kramny im Winter 2015 Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft des VfB wurde, gab es für Vlachodimos keinen Platz im Team: "Wir hatten die Torhüterposition damals doppelt besetzt. Als Junger muss man dann manchmal auch geduldig sein – und diese Geduld hat er dann nicht aufgebracht."

Anfang 2016 brach "Odi", wie er genannt wird, dann aus seiner Heimat auf und ging in das Heimatland seiner Eltern, nach Griechenland. Der Wechsel zu Panathinaikos Athen "kam von ihm aus", sagt Ex-Trainer Kramny. "Ich habe mit dem Odi immer ein sehr gutes Verhältnis gehabt; ich war immer ehrlich zu ihm und er wusste, woran er bei mir ist." Vlachodimos hat die Hintergründe seines Wechsels im SWRSport-Interview anders wahrgenommen: "Ich nehme mich von keiner Kritik aus, jeder macht Fehler. Aber von Ungeduld zu sprechen? Das finde ich nicht richtig. Ich würde es mit fehlendem Vertrauen der Verantwortlichen beschreiben." Auch Andreas Menger, VfB-Torwart-Trainer von 2011 bis 2015, sieht den Transfer eher kritisch: "Als Vlachodimos verkauft wurde, war ich gar nicht mehr da, aber die Kollegen nach mir beim VfB meinten, man müsste all diese Top-Talente verkaufen, verscherbeln oder verschenken."

Trotz des unliebsamen Weggangs aus seiner Heimat, behält Vlachodimos den VfB in guter Erinnerung: "Insgesamt habe ich 14 Jahre in Stuttgart gespielt. Daher ist es völlig klar, dass der VfB immer einen großen Platz in meinem Herzen haben wird."

Nationalkeeper, Champions-League-Teilnehmer und 10-Millionen-Mann

Bei Panathinaikos stand der 1,92-Meter-Mann mehr als 60 Mal zwischen den Pfosten und beendete mehr als die Hälfte aller Spiele ohne Gegentor. Im Sommer 2018 dann der Wechsel zu Benfica Lissabon. Die Portugiesen bezahlten 2,4 Millionen Euro für den 24-Jährigen, der in seiner neuen sportlichen Heimat durchstartete und mittlerweile zehn Millionen Euro wert ist. Beim portugiesischen Rekordmeister wurde der Stuttgarter auf Anhieb zur Stammkraft und durfte sogar erstmals in seiner Karriere in der Champions League ran. In der Gruppenphase belegte Vlachodimos mit Benfica hinter dem FC Bayern München und Ajax Amsterdam Rang drei und rutschte somit in die Europa League.

Beim 4:2 durch Goncalo Paciencia war Odysseas Vlachodimos machtlos (Foto: SWR)
Über den 4:2-Hinspiel-Sieg in Lissabon ist Vlachodimos trotzdem nicht ganz zufrieden

Dort spielt der griechische Nationaltorhüter, der bis zur U21 für die DFB-Jugend gespielt hat, am Donnerstag im Viertelfinal-Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt. Das Hinspiel konnte Benfica mit 4:2 vor heimischer Kulisse für sich entscheiden. Die Lissaboner waren 70 Minuten lang in Überzahl und gingen zwischenzeitlich mit 4:1 in Führung. "Der Spielverlauf hat uns natürlich in die Karten gespielt. Wir haben vier Tore geschossen, dennoch bin ich nicht ganz zufrieden, denn wir haben auch zwei unnötige Treffer kassiert.", teilt der Benfica-Torwart SWRSport nach dem Spiel mit.

Durch das überraschande 4:2 in der 72. Minute haben die Hessen nun doch wieder eine realistische Chance, ins Halbfinale einzuziehen - ein 2:0-Sieg zu Hause würde reichen. Auch Odysseas Vlachodimos sieht im Hinspiel-Sieg noch lang kein Ruhepolster für Benfica: "Es ist ein erster Schritt Richtung Halbfinale, mehr aber auch nicht. Wir haben noch gar nichts erreicht, alles ist noch offen - und es wird ein heißer Tanz in Frankfurt".

Hält Kramny zu seinem Ex-Schützling?

Jürgen Kramny, der eigentlich immer zu den deutschen Mannschaften im internationalen Wettbewerb hält, drückt seinem ehemaligen Schützling dennoch die Daumen: "Ich wünsche Odi, dass er ein gutes Spiel macht und zeigt, was er kann. Am Ende wird sich der Bessere durchsetzen. Und wenn er mit seinen Paraden dazu beitragen kann, würde ich es ihm natürlich genauso gönnen."

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