Wolfgang Dietrich, Präsident des VfB Stuttgart, und Sportvorstand Thomass Hitzlsperger (Foto: picture-alliance / Reportdienste)

VfB Stuttgart | Meinung Die VfB-Krise: Lasst sie jetzt doch erst mal machen!

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Der VfB Stuttgart befindet sich in einer tiefen Krise: Die Mannschaft liegt auf Rang 16, Sportvorstand Michael Reschke musste unter der Woche gehen. Der Klub braucht nun dringend Geschlossenheit statt weiterer Brandherde, findet SWR-Sportredakteur Thomas Wehrle.

Der VfB Stuttgart hat mit dem 1:3 gegen RB Leipzig wieder einmal verloren. Das ist eine von vielen schlechten Nachrichten rund um den Wasen. Es war die elfte Niederlage im 15. Spiel unter Markus Weinzierl. Das hört sich richtig schlimm an. Die Fans forderten im Anschluss an die erneute Niederlage aber nicht den Rausschmiss des Trainers oder beschimpften die Mannschaft. Sie forderten lautstark den Abgang des Präsidenten Wolfgang Dietrich.

Dauer

Gegen RB Leipzig stimmen die Basics

Als könne der Präsident Tore schießen oder Tore verhindern. Mal ganz ehrlich: Wem soll diese Kampagne ausgerechnet jetzt nützen? Aus Fansicht hat sich die Mannschaft gegen Leipzig endlich einmal wieder als Einheit präsentiert. Die VfB-Profis haben gekämpft, dagegen gehalten, einen Rückstand wett gemacht, Torchancen erspielt. Bis zum 1:2-Treffer für Leipzig war es ein offenes Spiel auf Augenhöhe. Das gab es in den letzten Wochen und Monaten nicht so oft.

Der VfB Stuttgart braucht unbedingt ein Erfolgserlebnis

Coach Weinzierl und der neue Sportvorstand Thomas Hitzlsperger haben offensichtlich die Mannschaft erreicht. Zur Trendwende fehlte gegen Leipzig nur das Ergebnis und damit ein Erfolgserlebnis. Dieses braucht der VfB ganz, ganz dringend. Und zwar auf dem Platz.

Weitere Personaldebatten stören da nur. Jürgen Klinsmann, Ralf Rangnick oder Felix Magath werden ja in verschiedenen Medien mit dem VfB in Verbindung gebracht. Doch keiner der drei wird und will unter oder neben einem Sportvorstand Hitzlsperger arbeiten. Sie wollen das Sagen haben und das am liebsten ganz alleine. Und das ging zuletzt mehrfach schief beim VfB - ob unter dem nun entlassenen Michael Reschke oder vor ein paar Jahren unter Robin Dutt. Sportliche Alleingänge führten beim VfB zuletzt nie zum Erfolg.

Die VfB-Verantwortlichen sollten Zeit bekommen

Hitzlsperger hat gerade erst angefangen. Jetzt lasst ihn und den Trainer doch erst mal gemeinsam machen. Der Vorstand Sport sucht sportliche Kompetenz für sein Team - ein bisschen Zeit sollte er dafür schon bekommen.

Und Präsident Dietrich? Der Mann hat sicherlich Fehler gemacht, aber definitiv nur neben dem Platz. Darüber sollten Fans und Mitglieder sprechen, wenn der Klassenerhalt gesichert ist - oder schlimmstenfalls verspielt. Aber doch nicht jetzt! Jetzt geht es ausschließlich um Punkte, die nächsten Partien und die Mannschaft.

Es würde dem VfB am meisten helfen, wenn die Fans in den letzten zwölf Spielen der berühmte zwölfte Mann wären. Und zwar ohne wenn und aber – und über notfalls auch 95 Minuten. Daher meine Empfehlung: Lasst sie doch mal machen beim VfB!

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