Berkay Oczan (Foto: Imago, imago/Sportfoto Rudel)

Bundesliga | VfB Stuttgart Kommentar: Das Risiko des VfB Stuttgart mit dem Özcan-Wechsel

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Der VfB Stuttgart hat Mittelfeldspieler Berkay Özcan zum Hamburger SV ziehen lassen. Die Vereinskasse lacht, viele Fans sind skeptisch. Der Deal könnte sich als Bumerang erweisen, meint SWR-Sportreporter Stefan Kiss.

Eigentlich sollte der Kader des VfB Stuttgart auf jeder Position doppelt besetzt sein. So habe ich Sportvorstand Michael Reschke zu Beginn der Saison verstanden. Also zum Beispiel auf der Spielmacherposition mit Didavi und Özcan. Der eine ist dauerverletzt, der andere weg. Entsprechend einfallslos sieht das Kreativspiel des VfB aus. Warum Reschke jetzt Özcan an den HSV abgibt, ist mir ein Rätsel.

2017 wurde der Vertrag mit Berkay Özcan bis 2021 verlängert. Ohne Ausstiegsklausel, so die offizielle Version des Vereins. Die Wahrheit aber scheint das nicht gewesen zu sein. Es ist wohl vielmehr so, dass der türkische Nationalspieler eine festgeschriebene Ablösesumme von 1,2 Millionen  Euro verankert hatte, wenn er bis zum Sommer 2019 nicht eine bestimmte Einsatzzeit erreichen würde. Die Rede ist von 500 Spielminuten. Nach drei Kurzeinsätzen in dieser Saison ist dies illusorisch.

Der Blick des VfB auf das Bankkonto

Also handelt Reschke. Der Deal mit dem HSV sieht so aus: Der Zweitliga-Spitzenreiter leiht Özcan bis zum Sommer nur aus, verpflichtet ihn dann aber fest für rund zwei Millionen Euro. Der VfB kassiert also mehr, als ihm die Klausel eingebracht hätte. Falls der HSV aufsteigt, womit zu rechnen ist, werden aus den zwei Millionen sogar drei Millionen. Aus finanzieller Sicht hat der VfB womöglich richtig gehandelt. Aber muss ein guter Kaderplaner nicht mehr im Auge behalten als das Bankkonto?

HSV-Trainer Hannes Wolf kennt Özcan gut aus seiner Stuttgarter Zeit. Er wird seine guten Gründe haben, den 21-jährigen Mittelfeldspieler zu sich zu holen. Sollte der VfB am Ende der Saison den Klassenerhalt nicht schaffen, ist der Finanz-Deal in Sachen Berkay Özcan nicht mehr relevant. Denn ein Abstieg käme den Verein um ein Vielfaches teurer, als der Gewinn bei diesem Handel.

Ob dann aber der Sportvorstand beim schwäbischen Traditionsverein noch Michael Reschke heißt, darf bezweifelt werden.

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