Trainer Markus Weinzierl kann sich die krachende Niederlage seines VfB Stutgart bei Fortuna Düsseldorf nicht mehr mit ansehen (Foto: SWR, imago/Team 2)

VfB Stuttgart | Meinung Und jetzt, VfB Stuttgart? Kommt der dritte Trainer der Saison?

Ein klares 0:3 in Düsseldorf bringt den VfB Stuttgart in allergrößte Nöte. Die Frage ist nur, ob es hilft, die übliche Notbremse zu bedienen. Was hilft der nächste Trainerwechsel, wenn der Verein unzureichend geführt wird. Ein Kommentar von SWR-Sportreporter Günther Schroth.

Nach der 0:3-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf werden sie sich wohl das einfallen lassen, was sie sich immer einfallen lassen beim VfB: sie werden den nächsten Trainer entlassen. Das alte Sündenbockprinzip, irgendeiner bekommt die Schuld zugesprochen und wird geopfert. Dass Markus Weinzierl zuletzt nicht den allerstärksten Eindruck gemacht hat: Ja, stimmt. Ist aber nicht das eigentliche Problem.

Das eigentliche Problem ist aus meiner Sicht, dass der Verein sich mental immer noch im vorigen Jahrhundert bewegt. Damit das keiner falsch versteht: Ich meine nicht die Fans. Die bewundere ich für ihre nicht versiegende Loyalität. Was da aus der Cannstatter Kurve an Zuspruch kommt, ist unbezahlbar. Und ich meine auch nicht die Spieler. Die laufen sich die Lunge aus dem Hals und haben dennoch jegliches Selbstvertrauen verloren. Kein Wunder, wenn alles schief geht, was schief gehen kann.

Führungskrise beim VfB Stuttgart

Ich meine eine Führung, die sich allzu schnell zurückgelehnt hat – nach einer von den Zahlen her sehr beruhigenden Rückrunde. Eine Führung, die daran glaubt, dass man einen wie Guido Buchwald mundtot machen müsse. Eine Führung, die glaubt, mit einem Michael Reschke alleine könne man es richten. Eine Führung, die glaubt, die verblassende Strahlkraft eines Mario Gomez reiche aus, um gegnerische Mannschaften in Angst und Schrecken zu versetzen.

Es zeigt sich, dass der grandios anmutende 4:1-Sieg bei Bayern München, im letzten Spiel der vergangenen Saison, alle auf den falschen Dampfer geführt hat. Sie wollten auf große Fahrt Richtung Europapokal – aber sie haben sich im Pier vertan und tuckern jetzt in Richtung Heidenheim und Sandhausen. Wobei das nichts Ehrenrühriges ist. Sandhausen und Heidenheim spielen ehrlichen, authentischen Zweitliga-Fußball.

Der Abstieg des VfB Stuttgart ist jetzt absehbar

Apropos Zweitliga-Fußball: Das war, ich meine den direkten Wieder-Aufstieg im Jahr 2017, zusammen mit der Meisterschaft 2007, die bislang schönste Saison des VfB im neuen Jahrtausend. Die Tore von Simon Terodde und die Hemdsärmeligkeit des jungen Hannes Wolf begeisterten so sehr, dass das Stadion immer voll war. Gewinnen ist schön, auch in der zweiten Liga.

Jetzt wird in Serie verloren beim VfB. Jetzt befürchte ich, nach diesem fußballerischen Offenbarungseid, dass selbst das letzte Mittel nicht mehr hilft: der Trainerwechsel. Dass Markus Weinzierl nach der Niederlage in Düsseldorf noch lange bleibt, darf man als unrealistisch einschätzen. Die Frage lautet: Wer mag sich diesen Verein als Trainer eigentlich noch antun? Es wird sich natürlich trotzdem einer finden - es gib ja genug Schmerzensgeld. Aber: Der abzusehende Abstieg wird diesmal auch richtig weh tun.

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