Marc-Oliver Kempf on fire beim VfB Stuttgart (Foto: Imago, imago/kolbert-press)

Bundesliga | VfB Stuttgart Marc Oliver Kempf: "Bin beim VfB angekommen"

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Erst nicht berücksichtigt, dann lange verletzt und jetzt zum "Zweikampfmonster" mutiert: Die ersten Monate von Marc Oliver Kempf beim VfB Stuttgart waren nicht einfach, aber jetzt scheint er angekommen zu sein.

Der Wechsel von Marc Oliver Kempf vom SC Freiburg zum VfB galt als Glücksgriff. Ein deutscher U-21-Europameister, jung aber schon mit der Erfahrung von 43 Bundesliga-Spielen und obendrein noch ablösefrei. Aber der Start in Stuttgart sollte zum kleinen Albtraum für Kempf werden. Erst wurde er vom damaligen Trainer Tayfun Korkut gar nicht berücksichtigt, dann zog er sich Anfang September auch noch einen Muskelfaserriss zu. Der Fehlstart war perfekt!

"Klar ist es schwer Fuß zu fassen, wenn man nicht auf dem Platz stehen kann", sagt Kempf rückblickend. Ausgerechnet Korkut machte ihm damals Mut: "Marc wird stärker zurückkommen und für den VfB noch sehr wichtig werden!" Wie Recht Korkut haben sollte....

Drei Spiele - 100 Prozent Integration

Nach dem Spiel gegen Augsburg hieß Kempf in den Schlagzeilen plötzlich "Zweikampf-Monster". Weil er mit einer überragenden Zweikampf-Quote von 91 Prozent überzeugte: "Das ist kein ganz so schlechter Spitzname", sagt Kempf grinsend, schwächt aber sofort zurückhaltend ab: "Im Endeffekt kommt es nicht auf Quoten an, sondern darauf, die entscheidenden Zweikämpfe zu gewinnen".

Dauer

Weil ihm aber auch das gelang, diese entscheidende Balleroberung vor dem 1:0 Siegtreffer durch Anastasios Donis, hört sich das mit dem "Fuß fassen" nach nur drei Spielen schon komplett anders an: "Ich merke jetzt einfach vom Umfeld und der Mannschaft an sich, dass ich zu 100 Prozent integriert bin."

Dank auch an Armin Veh

Sein Bundesliga-Debüt verdankt Kempf Armin Veh. Seine erste Delle in der Karriere auch. Aber mal der Reihe nach. Und zurück ins Jahr 2012, Ende November. Der gebürtige Hesse Kempf wurde bei Eintracht Frankfurt ausgebildet. Das Profi-Team von Armin Veh hatte große Verletzungssorgen. Also holte Veh den damals 17-Jährigen von der Schulbank ins Profigeschäft, schrieb ihm persönlich die Entschuldigung für die Fachoberschule und Kempf gab sein Bundesliga-Debüt. Zwei Spiele über 90 Minuten.

Dann fand Veh ihn jedoch nicht mehr so gut. Doch noch zu jung, zu unkörperlich im Spiel, zu unfertig. Kurz: nicht reif genug für die Bundesliga. Bei der Eintracht kam er unter Veh in den nächsten 18 Monaten nur noch zu drei Einsätzen. Der Durchbruch gelang ihm dann in Freiburg. Der Dank gilt trotzdem auch Veh: "Ich bin froh, dass er mich damals hochgezogen hat. Es hat halt damals in der Bundesliga noch nicht so funktioniert."

Ein bescheidener Weihnachstwunsch

Mit seinen gerade mal 23 Jahren hat Kempf also schon Einiges erlebt. Nach der Delle Frankfurt kam Freiburg, dort wurde er als U-21-Nationalspieler Europameister. Reifte zu dem, der einem jetzt begegnet. Freundlich und offen, ein Lächeln auf den Lippen, einer, der sich in seiner Haut wohl fühlt.

Von der "Idylle Freiburg" nach Stuttgart

Das hat ihm auch privat beim Wechsel von der "Idylle Freiburg" nach Stuttgart geholfen: "Das ist halt ein bisschen überlaufener und größer hier, aber damit habe ich kein Problem!"

Deutlich anders war natürlich die Wucht der Medien. Die Aufmersamkeit und Unruhe, für die der VfB im Abstiegskampf in der Öffentlichkeit sorgt, das kennt man in Freiburg so kaum. Aber auch hier wirkt Kempf ruhig und entspannt: "Im Endeffekt ist es das Gleiche wie in Freiburg: Man muss schauen, dass man über dem Strich bleibt!"

Die Freiburger Ruhe und Gelassenheit im Abstiegskampf hat Kempf also mit nach Stuttgart gebracht. Und formuliert sie in seinem ganz persönlichen Weihnachtswunsch: "Schön wären natürlich zwölf Punkte bis Weihnachten. Das wird schwer, aber wir wollen eine gute Ausgangslage schaffen und in der Rückrunde dann den Rest erledigen!" Sagt Kempf, lächelt zuversichtlich und verabschiedet sich im Regen von Stuttgart auf den Trainingsplatz...

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