Andreas Beck, Ozan Kabak und Borna Sosa schlichten nach der 1:3-Niederlage gegen Hertha BSC mit hängenden Köpfen vom Platz (Foto: Imago, imago images / Sportfoto Rudel)

Bundesliga | VfB Stuttgart Braucht der VfB Stuttgart einen Psychologen im Abstiegskampf?

Der VfB Stuttgart steht am Abgrund. Der Abstieg droht. Interimstrainer Nico Willig und seine Jungs stehen mächtig unter Druck. Könnte ein Psychologe helfen?

Hängende Köpfe, hängende Schultern, gedrückte Stimmung. Nach der 1:3-Niederlage bei Hertha BSC bleibt dem VfB Stuttgart wohl nur noch die Relegation. Doch wie soll Interims-Trainer Nico Willig seine geknickten Spieler bis wieder aufrichten? Ein Sportpsychologe könnte womöglich helfen, schließlich hat Weltmeister Thomas Berthold der Mannschaft bei Sport im Dritten bereits ein Mentalitätsproblem attestiert: "In den schwierigen Phasen braucht man Spieler, die den Karren aus dem Dreck ziehen. Da hat der VfB ein Mentalitätsproblem." Doch Sportvorstand Thomas Hitzlsperger hat sich dagegen entschieden, kurzfristig einen Psychologen ins Team zu holen: "Ich glaube, dass es jetzt falsch wäre, noch jemanden hinzuzuholen. Das wird oft als Aktionismus ausgelegt. Ich glaube, die Spieler brauchen das nicht. Wir haben ein gutes Trainer-Team, dem wir vertrauen."

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Psychologen machen nur langfristig Sinn

Werner Mickler, der beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die sportpsychologische Ausbildung der Trainer zuständig ist, gibt Hitzlsperger Recht: "Eine lange Fußball-Saison kann für den Kopf genauso anstrengend sein wie für den Körper. Deswegen macht die Arbeit mit gelernten Psychologen nur langfristig Sinn. Es braucht eine gewisse Zeit, bis mit einem Spieler oder einem Trainer eine Vertrauensbasis aufgebaut werden kann", meint Mickler.

In den zwei wenigen Wochen bis zu den möglichen Relegationsspielen könnte ein externer Mentalcoach nur noch den Krisen-Manager geben. Mickler: "Als Sportpsychologe würde ich beim VfB Stuttgart zuerst alle Konflikte innerhalb der Mannschaft bereinigen, falls noch welche vorhanden sein sollten. Danach ist es wichtig, eine absolute Einheit zu bilden."

Stuttgart seit Sommer ohne eigenen Psychologen

Kurios: Bis zum Sommer 2018 war Philipp Laux als Mannschaftspsychologe beim VfB tätig. Der ehemalige Bundesliga-Torhüter hatte mit den Spielern hauptsächlich den Umgang mit Druck-Situationen geübt. Aber auch den ehemaligen VfB-Trainer Hannes Wolf unterstützte Laux. Er gab ihm zum Beispiel Feedback zu seinen Kabinen-Ansprachen. Im vergangenen Sommer machte sich Laux auf eigenen Wunsch hin selbständig. Seitdem verzichtet der Verein auf psychologische Hilfe - wie die meisten Fußball-Erstligisten. Nur RB Leipzig, Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf beschäftigen offiziell einen Psychologen für ihr Profiteam. Also kümmern sich die VfB-Spieler selbst um mentale Unterstützung. Nach SWR Sport-Informationen arbeiten einige Stuttgarter Profis nach wie vor mit Philipp Laux zusammen.

Bis Sommer 2018 war Philipp Laux Sportpsychologe beim VfB Stuttgart (Foto: Imago, Julia Rahn)
Bis Sommer 2018 war Philipp Laux Sportpsychologe beim VfB Stuttgart Imago Julia Rahn

Viele Spieler scheinen jedoch skeptisch, wenn der Psychologe ein enges Verhältnis zum Trainer hat. Sie befürchten dann, dass Informationen durchdringen könnten. Abwehrspieler Dennis Aogo erzählte 2018 in einem Interview bei "Lanz", dass er aus diesem Grund mit einem vereinsunabhängigen Psychologen arbeite. In den Nachwuchsleistungszentren des DFB ist die psychologische Betreuung hingegen an der Tagesordnung. Dort ist in jedem Stützpunkt ein Psychologe vorgeschrieben.

Mentale Belastung im Abstiegskampf

Für viele junge VfB-Spieler ist der Abstiegskampf eine völlig neue Erfahrung. Erfahrene Spieler wie Christian Gentner, Mario Gomez oder Dennis Aogo kennen den Druck und wissen, wie erschöpfend die Situation sein kann. Kurzzeit-Profitrainer Nico Willig versucht alles, um für seine Spieler die richtigen Worte zu finden. Schließlich weiß er, wie Psychologen ticken. Als er bei seiner Vorstellungs-Pressekonferenz gefragt wurde, ob er spezielle psychologische Kenntnisse mitbringe, antwortete Willig augenzwinkernd: "Die Frage ist, ob das eine Qualifikation oder ein Rucksack ist, aber mein Vater ist Psychologe."

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Offensichtlich scheint Willig in den Tagen nach der herben Niederlage von Berlin schon wieder den richtigen Ton bei der Mannschaft gefunden zu haben. Die Stimmung beim Training schien wenige Tage vor dem wichtigen Spiel gegen Wolfsburg deutlich gelöster.

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