Giovanni Trapattoni hat sich auch mit 80 sein schelmisches Lächeln bewahrt. (Foto: Imago, imago/Action Plus)

Bundesliga | VfB Stuttgart Trapattoni: "Jetzt beginnt das Golden Goal."

Giovanni Trapattoni feiert seinen 80. Geburtstag: Der erfolgreichste Vereinstrainer der Welt holte 1997 mit dem FC Bayern München die Deutsche Meisterschaft und wurde 2005 beim VfB Stuttgart Nachfolger von Matthias Sammer.

17. Juni 2005: Sensation auf dem Cannstatter Wasen. Giovanni Trapattoni übernahm den VfB Stuttgart. Die Pressekonferenz war ein Medienspektakel, wie es der schwäbische Bundesligist selten erlebt hat. Stolz und mit glänzenden Augen verkündete der damalige VfB-Präsident Erwin Staudt: "Habemus Mister." Um Punkt 14.30 Uhr stieg beim VfB weißer Rauch empor. Staudt machte den 66-jährigen Trapattoni gewissermaßen zum Fußball-Papst von Cannstatt. "Wir sind stolz, dass sie zu uns gekommen sind und wir freuen uns über alles was wir gemeinsam erreichen mit Ihnen. Willkommen in Stuttgart.

Dauer

Dem Mister selbst, saß bei der Begrüßung wieder einmal der Schalk im Nacken. "Trap" zeigte sich gut gelaunt und freute sich sichtlich wieder in Deutschland zu sein: "Guten Tag, ich schon wieder da. Letzte Mal ich habe gesagt: ich habe nicht fertig! Ich bin stolz hier zu sein!" Auf dem Wasen begann eine Zeit der lustigen Pressekonferenzen und auf dem Trainingsplatz durften die Profis die Gymnastikmatten auspacken. Nicht selten turnte der Maestro höchstpersönlich vor.

Giovanni Trapattoni 2006 mit dem VfB Stuttgart im Trainingslager in Dubai (Foto: Imago, imago/sportfoto Rudel)
Giovanni Trapattoni 2006 mit dem VfB Stuttgart im Trainingslager in Dubai Imago imago/sportfoto Rudel

Zu Begin des Jahres 20006 mehrten sich die kritischen Stimmen. Der VfB würde zu defensiv, zu unansehnlich spielen.

Giovanni Trapattoni mit Co-Trainer Andreas Brehme beim Bundesligaspiel gegen den MSV Duisburg. (Foto: Imago, imago / Pressefoto Baumann)
Giovanni Trapattoni mit Co-Trainer Andreas Brehme beim Bundesligaspiel gegen den MSV Duisburg. Imago imago / Pressefoto Baumann

Nach knapp acht Monaten war der Ruhm dann aufgebraucht. Trapattoni musste für Armin Veh Platz machen, obwohl der VfB nach dem 20. Spieltag mit Platz sieben, verglichen mit der Aktualität, einigermaßen passabel da stand.

Seinem Glanz seiner Aura hat diese Entlassung nicht geschadet. Giovanni Trapattoni zählt mit insgesamt 23 Titeln zu den erfolgreichsten Trainern der Fußball-Geschichte. Er gewann insgesamt zehn nationale Meistertitel mit Bayern München, Inter Mailand, Juventus Turin, Benfica Lissabon und Red Bull Salzburg, dazu sieben internationale Titel.

Mit Juve triumphierte er als erster Trainer in allen drei europäischen Vereinswettbewerben, mit der Berufung zum Cheftrainer der "Squadra Azzurra" erfüllte sich 2000 für ihn ein großer Wunsch. Einen besonderen Platz hat für Trapattoni aber die Meisterschaft mit den Bayern 1997, sein "erster Erfolg im Ausland gegen alle linguistischen Barrieren, die für mich Höllenqualen bedeuteten".

Der FC Bayern München 2017 bei der Meisterfeier auf dem Münchner Marienplatz. (Foto: Imago, imago/Fred Joch)
Der FC Bayern München 2017 bei der Meisterfeier auf dem Münchner Marienplatz. Imago imago/Fred Joch

Die Sprachschwierigkeiten hinderten den hitzigen Südländer weder am Erfolg, noch am Wohlbefinden im fremden Deutschland. "Das Land nahm mich mit unglaublich viel Wärme und Herzlichkeit auf als meine eigene Heimat mir die kalte Schulter zeigte und mich bereits aufs Abstellgleis geschoben hatte", sagte Trap, der mit den Bayern in seiner zweiten Amtszeit zwischen 1996 bis 1998 (erstmals von 1994 bis 1995) die Meisterschaft und den Pokalsieg feierte.

Trapattoni ist vor allem mit seiner Wutrede bei einer Pressekonferenz 1998 in München in die Geschichte eingegangen. Damals schimpfte er auf Spieler wie Thomas Strunz, Mario Basler oder Mehmet Scholl ("Schwach wie eine Flasche leer", "Was erlauben Strunz?", "ich habe fertig"). Dass er mit der Rede zur Kultfigur würde, hätte er nie gedacht. "Wie kann ich stolz auf einen Wutausbruch sein, in dem ich einen Haufen grammatikalischer Fehler gemacht habe. Ehrlich gesagt hätte ich mir nie vorstellen können, dass so eine Pressekonferenz auch noch nach 20 Jahren so populär ist", so Trapattoni.

Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede am 10.03.1998. (Foto: Imago, imago / Fred Joch)
Giovanni Trapattonis legendäre Wutrede am 10.03.1998. Imago imago / Fred Joch

Mittlerweile lebt Giovanni Trapattoni mit seiner Frau Paola in Cusano Milanino, nahe Mailand. Hier wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf, biss sich beim AC Mailand bis zum Profi durch und startete mit 34 Jahren bei den Rossoneri seine Trainerkarriere. Nun kommt er in der kleinen Stadt zur Ruhe, hat mehr Zeit für klassische Musik und seine Familie: "Ich muss zugeben, dass ich als Trainer kein vorbildlicher Großvater war. Ich war immer unterwegs und auch wenn ich zuhause war, habe ich immer an Fußball gedacht. Jetzt versuche ich dagegen, diese Zeit zurückzugewinnen", erzählt er.

Heute wird er gemanagt - von seinem Enkel Riccardo Felici. Der hat ihm auf Instagram Follower-Zahlen beschert, die sonst nur erfolgreiche Influencer haben. Das Tornetz hat er mit fast 80 gegen das weltweite Netz getauscht. In kurzen Videos schmunzelt einen Trapattoni da an, ergraut, aber verschmitzt erzählt er in knappen Sätzen seine Lebensweisheiten. "Es überrascht mich immer mehr, wie diese Technologie dich sofort mit so vielen anderen Menschen in Kontakt bringt." Weil er und seine Frau mittlerweile nicht mehr viel reisen könnten, folge er Fußballkollegen eben in den sozialen Netzwerken: Lothar Matthäus oder Oliver Kahn zum Beispiel.

Für die Zukunft wünscht sich Trapattoni eines: "Sagen wir es so, ich fühle mich, als hätte ich die 90 Minuten meines Spiels beendet. Von jetzt an beginnt das Golden Goal!"

STAND