Gehirnerschütterung beim Fußball (Foto: Imago, imago/ActionPictures)

Bundesliga | VfB Stuttgart Safety first: Die Kopfverletzung von VfB-Profi Timo Baumgartl

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Laut einer Studie erleiden 60 Prozent aller Fußballer Gehirnerschütterungen in einer Saison. Timo Baumgartl, Profi des VfB Stuttgart, fällt aus diesem Grund jetzt schon länger aus.

Häufige Gehirnerschütterungen können u.a. zu langfristigen Beeinträchtigungen der geistigen Leistungsfähigket führen. Dies ist in jeder Fachliteratur nachzulesen. VfB-Innenverteidiger Timo Baumgartl hat das längst verinnerlicht. "Man kann sich eine neue Hüfte und ein neues Knie reinmachen lassen, aber kein neues Gehirn", sagte der mehrfach von Gehirnerschütterungen geplagte Baumgartl kürzlich. "Der Kopf ist das Wichtigste, was man hat - und man sollte es am besten schützen."

Drei schwere Treffer am Kopf

Zum dritten Mal innerhalb der vergangenen 18 Monate fällt der gebürtige Böblinger mit einer Gehirnerschütterung aus. Im August wurde ihm im Training ein Ball aus kurzer Distanz an den Kopf gedonnert. Die Folge: Er verpasste zum Saisonauftakt ein Spiel. In der Rückrunde der vergangenen Saison traf ihn ein Freistoß des Kölners Jojic mit voller Wucht am Kopf, der 22-Jährige musste daraufhin sechs Spiele aussetzen. Die aktuelle Zwangspause dauert nun schon über drei Wochen. Schuld war ein Ellbogencheck im Training.

Vor knapp zwei Wochen hatte Baumgartl einen Versuch gestartet: Im Training fuhr er in einem Test die körperliche Belastung hoch. Aber das ging schief. "Das Training hat zu Unwohlsein geführt", berichtete anschliesssend Trainer Markus Weinzierl. Mit Kopfdruck und Schwindel wurde Baumgartl sofort wieder aus dem Betrieb herausgenommen. Beim VfB Stuttgart will man bloß kein Risiko eingehen. Zu präsent ist wohl noch die Erinnerung an die Zeit vor gut einem Jahr: In der akuten Phase der damaligen Gehirnerschütterung wurden Baumgartl Fernsehen, Radio und Handy untersagt. Überflüssige Reize sollten vermieden werden.

Experten warnen: Gefahr nicht unterschätzen

Bei etwa 90 Prozent der sportbezogenen Gehirnerschütterungen liegt keine Bewusstlosigkeit vor. Deshalb werde das Risiko oft unterschätzt bzw. die Gehirnerschütterung nicht erkannt, warnen Fachleute. Typische Beschwerden und Symptome wie Kopf-oder Nackenschmerzen, Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen oder Licht- bzw. Geräuschempfindlichkeit sollten als Signale ernst genommen werden. Inzwischen hat auch der Weltfußballverband FIFA über mehrere Jahre hinweg mit Fachleuten Maßnahmen erarbeitet und an die Vereine weiter gegeben. Damit schon am Spielfeldrand, egal ob in der Bundesliga oder bei den Bambinis, erkannt statt unterschätzt wird.

Weinzierl: "Wir warten auf ihn"

Aktuell sind nur kleine Schritte beim 1,90-Meter-Mann Baumgartl drin. An Mannschaftstraining ist nicht zu denken, an einen Einsatz im Kader schon gar nicht. "Wir brauchen das Wohlbefinden von ihm und die hundertprozentige Aussage, dass er sich fit fühlt", sagte Trainer Markus Weinzierl am Donnerstag und unterstrich damit sein Wissen um die Ernsthaftigkeit des Themas.

Also bekommt Baumgartl die Zeit, die er braucht, um wieder ganz gesund zu werden. Kein Hetze, sondern Bedacht. Aber Weinzierl weiss auch, dass dies nur ein Teil dessen ist, was für den 22-jährigen jetzt wichtig ist. Das andere ist die mentale Unterstützung von Team und Verein. "Er weiß, dass wir ihn brauchen und auf ihn warten". Worte, die für Timo Baumgartl momentan genauso wichtig und wertvoll sind wie Ruhe.

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