Wolfgang Dietrich, Präsident des VfB Stuttgart (Foto: Imago, DeFodi)

Fußball | Bundesliga VfB-Präsident Wolfgang Dietrich und das "Gschmäckle"

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Nach dem 2:2 im Relegations-Hinspiel gegen Union Berlin droht dem VfB Stuttgart im Rückspiel (Montag, 20:30 Uhr) der Absturz in die Zweitklassigkeit. Trotzdem könnte sich ein Stuttgarter freuen: Christoph Dietrich, der Sohn des VfB-Präsidenten.

Beim Relegations-Rückspiel (Montag, 20:30 Uhr) zwischen Union Berlin und dem VfB Stuttgart wird wieder die Stimme von Nina Hagen durchs Stadion An der Alten Försterei schallen. Die Vereinshymne ist ein festes Ritual bei jedem Heimspiel des Berliner Zweitligisten. Schrill und laut röhrt es dann aus den Lautsprechern. "Wer lässt Ball und Gegner laufen? Und aus zigtausend Kehlen tönt es dann: "Eisern Union, Eisern Union." Am lautesten wird es meist bei: "Wer lässt sich nicht vom Westen kaufen? Eisern Union, Eisern Union."

Finanzspritze aus Stuttgart

Trotzdem haben die Berliner viel Geld aus dem Westen genommen. Und zwar ausgerechnet aus Stuttgart, der Heimat des Relegationsgegners VfB. Vom Stuttgarter Investor Quattrex sollen die Köpenicker in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 6,3 Millionen Euro erhalten haben. Bis 2026 soll das Geld zurückgezahlt werden. Nach SWR-Informationen liegt die Verzinsung der Quattrex-Finanzspritzen in der Regel bei fünf Prozent über dem Basiszinssatz.

Quattrex und die TV-Gelder

Quattrex versorgt über den Fonds "Quattrex German Opportunities" Fußballklubs mit frischem Kapital und erhofft sich davon satte Renditen. Neben den Zinszahlungen wird Quattrex an den Einnahmen aus Vermarktung und Fernsehgeldern beteiligt. Sollte Union sich in der Relegation gegen den VfB Stuttgart durchsetzen und den Aufstieg in die Bundesliga schaffen, schnellen die TV-Einnahmen nach oben. Aktuell erhält Zweitligist Union Berlin aus dem TV-Topf der Deutschen Fußball Liga (DFL) ca. 15,7 Mio. Euro (Quelle: fernsehgelder.de). Bei einem Aufstieg bekommen die Hauptstädter mindestens zehn Millionen Euro mehr.

Die Rolle der Dietrichs

Entsprechend lukrativ wäre ein Erfolg der Berliner also für die Gesellschafter des Investors Quattrex Sports AG. Und hier kommen Wolfgang Dietrich, Präsident des VfB Stuttgart, und dessen Sohn Christoph Dietrich ins Spiel. Der aktuelle VfB-Boss stand dem Investor einst vor und war dessen Alleinaktionär. Eigenen Angaben zufolge will Dietrich längst seine Anteile verkauft und sich aus allen Tochter- und Beratergesellschaften zurückgezogen haben. Trotzdem haben viele VfB-Fans wegen Dietrichs mutmaßlichen wirtschaftlichen Verflechtungen ihr Vertrauen in den Präsidenten verloren:

Wolfgang Dietrich selbst kann die Aufregung nicht verstehen. "Ich werde in keiner Weise finanziell davon profitieren, wenn irgendein deutscher Fußballverein ein Spiel gewinnt oder verliert", versicherte er kürzlich in der SWR-Sendung "Sport im Dritten".

Löschung kurz vor den Relegationsspielen

Was Dietrich nicht sagt: Bis zum 14. Mai 2019 war der VfB-Präsident als Gesellschafter der VMM Consulting GmbH zu 50 Prozent an der Quattrex Finance GmbH beteiligt. Gerade noch rechtzeitig vor den Relegationsspielen gegen Union Berlin wurde seine Beteiligung also im Handelsregister gelöscht (siehe Screenshot). Die VMM-Anteile übernahmen Dietrichs Sohn Christoph (CAW Dietrich GmbH) und die SCM Schlauch Corporate Management GmbH. Die Quattrex Finance GmbH ist eine Beraterfirma, die Provisionen erhält, wenn Fußballklubs Verträge mit Quattrex eingehen.

Denkbares Szenario

Formaljuristisch mag es also spätestens seit der Änderung im Handelsregister vom 14. Mai stimmen, dass Wolfgang Dietrich nicht mehr vom Sieg oder einer Niederlage eines Fußballvereins profitiert. Denkbar ist am Montag trotzdem folgendes Szenario im Hause Dietrich: Union Berlin hat den VfB Stuttgart in der Relegation besiegt, den Bundesliga-Aufstieg geschafft und die Schwaben in die Zweite Bundesliga geschossen. Der Vater, VfB-Präsident Wolfgang Dietrich, ist wohl untröstlich. Trotz Personalinvestitionen in Millionenhöhe muss sein Klub nach 2016 erneut den Gang in die Zweite Liga antreten. Sohn Christoph dagegen wird finanziell profitieren. Denn durch den Aufstieg von Union Berlin steigen mit dem Deal die Einnahmen für Quattrex. Und Christoph Dietrich ist mit 50 Prozent an der Quattrex Finance GmbH beteiligt.

Dieses Relegationsspiel hat einen faden Beigeschmack. Auf Schwäbisch: ein Gschmäckle.

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