Atakan Karazor sieht in Stuttgart in einem Lernprozess (Foto: Imago, imago images/ActionPictures)

Fußball | 2. Bundesliga VfB Stuttgart: Atakan Karazor hat Bock auf seinen Ex-Verein Kiel

AUTOR/IN

Zwei Jahre lang spielte Atakan Karazor bei Holstein Kiel, ehe er im Sommer zum VfB kam. Für den jungen Mittelfeldspieler ist das Spiel gegen seine Ex-Kollegen daher etwas ganz besonderes.

Irgendwie hat es gepasst, dass das vergangene Wochenende spielfrei war. Da hatte Atakan Karazor nämlich Geburtstag. Der gebürtige Essener ist am Sonntag 23 Jahre alt geworden. Viele ehemalige Mannschaftskameraden waren bereits am Samstag gekommen, und es wurde in den Freudentag in Stuttgart hineingefeiert. Von den alten Kieler Kollegen war jedoch keiner dabei, erzählt Karazor. Dafür war die Anreise wohl zu weit. Es gab aber viele Kieler Glückwünsche in den sozialen Netzwerken - und natürlich ein paar Sticheleien.

Dauer

Kiel als Sprungbrett

Zwei Jahre lang spielte "Ata", wie Karazor gerufen wird, in Kiel, war zuvor aus Dortmund gekommen. Erst in der zweiten Saison unter Tim Walter eroberte sich der 1,90-Meter-Mann einen Stammplatz. "Ich hatte eine gute Zeit in Kiel und habe dort viele Freunde gefunden," erzählt der defensive Mittelfeldspieler. Seine glänzenden Augen machen klar, dass das nicht nur leere Worte sind. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Partie gegen seinen alten Club (Sonntag, 13.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) "etwas Besonderes ist". Nicht nur weil es gegen alte Freude geht, sondern weil es auch für den VfB Stuttgart nach der ersten Saison-Niederlage gegen Wehen Wiesbaden um Wiedergutmachung geht.

Dauer

"Vielleicht lag's auch an meiner Erwartungshaltung"

Atakan Karazor geht kritisch mit seinen bisherigen Leistungen um. "Ich bin noch in einem Lernprozess", gibt der gelernte Zehner gerne zu. "Mir wird oft vorgeworfen, dass ich zu wenig Körperspannung habe." Und genau die will er im anstehenden Heimspiel auf den Platz bringen. Dass Karazor auf seiner neuen Position vor der Abwehr noch nicht konstant genug auftritt, um das Prädikat 'Führungsspieler' verliehen zu bekommen, weiß er selbst. Möglicherweise mache er sich auch zu viele Gedanken und die eigene "Erwartungshaltung" sei zu groß gewesen, sinniert der kopfballstarke Abräumer vor sich hin. "Ich hatte mal ein kurzes Gespräch mit Mario (Gomez), das war nach dem zweiten Spieltag. Da habe ich auch gesagt: Mario, ich brauche ein bisschen Hilfe, ich mach' mir da zu viel Kopf", berichtet Karazor. "Dann kommt ein Mario und sagt: Du gehörst hier hin."

Wer brachte wen von Kiel nach Stuttgart?

Oft hatte es in der Vergangenheit geheißen, der ehemalige Kieler Trainer Tim Walter, habe Atakan Karazor mit nach Stuttgart gebracht. Tatsächlich war es aber so, dass der VfB den talentierten Mittelfeldspieler zu seinen Kieler Zeiten mehrfach beobachtet hatte. Dabei fiel dann auf, dass der Nordclub einen interessanten Fußball, mit einem noch interessanteren System spielte. Und so war prompt das Interesse an Tim Walter geweckt. Gut möglich also, dass ohne Karazor der heutige VfB Trainer einen anderen Namen hätte.

Dauer

Nicht "müssen" sondern "wollen"

Atakan Karazor ist klar, dass die Stuttgarter Fans nach der Enttäuschung gegen Wehen nun gegen Kiel einen Sieg erwarten. Doch "Kiel ist eine richtig gute Mannschaft, auch wenn die Tabelle im Moment etwas anderes sagt". Karazor will den eigenen Druck nicht zu groß werden lassen und plädiert dafür, 'gewinnen müssen' durch 'gewinnen wollen' zu ersetzen. Fest steht: Stuttgart muss Wollen, sonst bleibt das nachträgliche Drei-Punkte Geburtstagsschenk für Atakan Karazor uns seine Kollegen aus.

AUTOR/IN
STAND