Jubel bei Philipp Förster (VfB Stuttgart). Er hat in der 60. Minute das 1:0 im Heimspiel gegen den Karlsruher SC erzielt. (Foto: Imago, imago)

Fußball | 2. Bundesliga Philipp Förster will mit dem VfB Stuttgart in die Bundesliga

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Philipp Förster ist beim VfB Stuttgart derzeit eine feste Größe. Seit seinem Wechsel vom SV Sandhausen stand er immer in der Startformation. Am Sonntag geht's zurück an die alte Wirkungsstätte.

"Wir haben einfach zu viel Qualität im Kader. Wir haben auch einen Trainer, der das super macht."

Philipp Förster auf die Frage: Warum der VfB Stuttgart am Ende der Saison aufsteigt."

Der 15. Spieltag der Zweiten Fußball Bundesliga steht vor der Tür und Philipp Förster stand an jedem Spieltag in der Startelf. Fünfmal für den SV Sandhausen und, nach seinem Wechsel Anfang September, neunmal für den VfB Stuttgart. Es läuft beim VfB für den 24-Jährigen: "Natürlich habe ich nicht gedacht, dass es von Anfang an so gut läuft. Umso glücklicher war ich dann."

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Philipp Förster und der VfB Stuttgart: Das war Liebe auf den zweiten Blick. Schon vor rund neun Jahren hatte der VfB den Linksfuß in der Jugend des Karlsruher SC entdeckt. Nach der U19 hat man ihm in Stuttgart aber nicht den Sprung in den Bundesliga-Kader zugetraut. Also ließ man ihn zu Waldhof Mannheim ziehen. Es folgten Stationen beim 1. FC Nürnberg und dem SV Sandhausen. Wie es der Fußball aber manchmal so will, holte ihn der VfB am 2. September - dem letzten Tag der Transferperiode - für drei Millionen Euro wieder zurück.

Unverhofft kommt oft

Es war eine Investition, die überraschte. Denn zum einen war der Kader des Zweitligisten zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon üppig besetzt. Zum anderen hatte sich der 24-Jährige in Fußball-Deutschland bisher nicht gerade in den Fokus gekickt. Er spielte in der Regionalliga für den SV Waldhof Mannheim und kam anschließend beim 1. FC Nürnberg nur für die 2. Mannschaft zum Einsatz. Erst beim beschaulichen SV Sandhausen zeigte Förster seine Klasse, die ihn auch für den VfB wieder interessant machte. Und eben mit "seinem" VfB will er unbedingt zurück in die Bundesliga: "Wir haben einfach zuviel Qualität im Kader. Wir haben auch einen Trainer, der das super macht. Wir sind nicht die Mannschaft, die hundert Mal grätscht im Spiel. Wir kommen über das Fußballerische."

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Kenan Kocak: Philipp Förster kann Bundesliga

"Spielintelligenz, Technik, Laufbereitschaft und Physis. Er bringt gute Voraussetzungen mit. Aktuell spielt er in der 2. Liga, aber er kann auch noch eine Liga höher spielen", sagt Ex-Trainer Kenan Kocak. Der 38-jährige Trainer von Hannover 96 hat ihn schon früh entdeckt. Der fleißige Förster war ihm bei Jugendspielen des VfB aufgefallen, weshalb Kocak ihn 2014 nach Mannheim lotste. Auch als Sandhausen-Coach erinnerte sich Kocak später wieder an Förster, holte ihn 2017 an den Hardtwald und formte aus ihm einen Zweitliga-Profi.

Seit seinem Wechsel schwächelt der SVS. Als Förster in den ersten fünf Spielen für Sandhausen auflief, waren drei Siege und ein unerwartet erfolgreicher Saison-Auftakt das Ergebnis. Seitdem kam nur ein Erfolg dazu. Vor dem Duell dümpelt der Außenseiter auf dem neunten Platz herum. Ein auffälliger Zusammenhang? "Ich glaube, das wäre zu einfach", wehrt Förster ab. Doch die passende Lösung, den Qualitätsverlust durch den Abschied des robusten, dynamischen und torgefährlichen Mittelfeldspielers aufzufangen, hat der SVS nicht gefunden. Trainer Uwe Koschinat hatte eingeräumt: "Wir haben es nicht geschafft, die Position eins zu eins zu ersetzen."

Am Sonntag wird er zum ersten Mal im Trikot mit dem Brustring im Stadion am Hardtwald auflaufen: "Das wird ein sehr schweres Spiel für uns. Sandhausen hat in den letzten Wochen gezeigt, zu was sie in der Lage sind."

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Der Umzug nach Stuttgart bedeutete für den Kumpel von Nationalspieler Joshua Kimmich den nächsten Karriereschritt. Hier spielt er vor mehr als 50.000 Zuschauern - statt vor wenigen Tausend. Hier wird er auf der Straße erkannt und begegnet einem erheblich größeren Druck. Mit dem VfB soll der Aufstieg ins Fußball-Oberhaus gelingen. "Es ist schon was Anderes, weil hier alles viel größer ist", sagte Förster. Dass er sich bei Trainer Tim Walter auf Anhieb einen Stammplatz erkämpfte, hatte er selbst nicht erwartet.

Sven Mislintat: Philipp muss "eiskalter" werden

Als "sehr ehrgeizig" beschreibt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat den Mittelfeld-Akteur. Mislintat kritisierte aber auch, er müsse "eiskalter" im Torabschluss werden. Seinen Ehrgeiz und seine Qualitäten will Förster auch am Sonntag zeigen, auch wenn er auf so manchen Kumpel treffen wird. Es ist damit für ihn schon die zweite Reise in die eigene Vergangenheit innerhalb von nur einer Woche. Im Derby gegen den Karlsruher SC, wo der im benachbarten Bretten aufgewachsene Förster einst in der Jugend kickte, gelang ihm beim 3:0 die erlösende Führung. Seine Mutter scherzte anschließend, sie könne nach dem Tor jetzt ihre Gärtnerei zumachen.

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