Nicólas González freut sich über seinen 2:1-Siegtreffer im Heimspiel gegen den FC St. Pauli. (Foto: Imago, Imago)

Fußball | 2. Bundesliga Nicolás González weiß jetzt, wo das Tor steht

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Vom Chancentod zum Goalgetter!? Im Heimspiel des VfB Stuttgart gegen den FC St. Pauli besorgte Nicolas Gonzalez den 2:1 Siegtreffer. Vielleicht der Auftakt zu einer erfolgreichen Saison?

Nicolas Gonzalez und der VfB Stuttgart - das war bislang eine eher schwierige Geschichte. Der junge Argentinier ist beliebt. Doch er vergab auch immer wieder klarste Torchancen und brachte sich und die Mannschaft um den verdienten Lohn. Doch an ein Happy End wie vergangenen Samstag könnten sich alle gewöhnen.

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Darum konnte Nicolas Gonzalez am Tag nach seinem Siegtreffer gegen den FC St. Pauli auch ganz entspannt der neuen Sturm-Konkurrenz zuschauen - vom Rande des Trainingsplatzes mit einem Mate-Tee in der Hand. Zwar erzielte acht-Millionen-Euro-Zugang Silas Wamangituka im Spiel mit den anderen Reservisten des VfB Stuttgart das eine oder andere Tor. Fürchten muss Gonzalez den Kongolesen nach seinem gelungenen Comeback im VfB-Trikot aber erst mal nicht. So konnte er nach dem lockeren Radeln gemeinsam mit Landsmann Santiago Ascacíbar das argentinische Nationalgetränk aus einem traditionellen Calabaza-Becher trinken.

Tim Walter baut auf Gonzalez

Trainer Tim Walter hält große Stücke auf den 21 Jahre alten Angreifer, der einen der wuchtigen Stoßstürmer Hamadi Al Ghaddioui oder Mario Gomez bereits gegen Erzgebirge Aue verdrängen könnte. "Ich finde, dass das genau seine große Stärke ist, dass er so impulsiv ist, so aufgedreht. Das macht sein Spiel aus; und darin darf man ihn wenig beschränken."

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Erfolgserlebnis mit der argentinischen U23

Schon in der Vorbereitung bekam González viel Aufmerksamkeit vom neuen Coach. "Weil er Qualität hat. Ihn kann ich immer bringen." Er suche "immer die Tiefe. Er kann auch aus dem Stand eins gegen eins gehen. Obwohl er etwas geradliniger ist, kann er Mannschaften aufreißen." Dabei hat die Nummer 22 eine lange Reise und ein ganzes Turnier in den Knochen. Erst am Mittwoch war der Argentinier als Sieger der Panamerika-Spiele wieder ins Training eingestiegen.

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Allem Anschein nach hat ihn der Erfolg mit der argentinischen U23-Auswahl beflügelt. Denn am Samstag sorgte er nach seiner Einwechslung für deutlich mehr Tempo als Startelf-Spieler Gomez und erzielte in der 90. Minute das umjubelte 2:1 für den Bundesliga-Absteiger. Dass Gonzalez am Tag nach einem Pflichtspiel viele Autogramme geben musste und von allen Seiten gelobt wird, war eine eher ungewohnte Erfahrung.

Vom Chancentod zum Goalgetter!?

Vergangene Saison war Gonzalez Sinnbild für die schwache Offensive der Schwaben. Tiefpunkt: Im Relegationsrückspiel gegen Union Berlin im Mai zählte der direkt verwandelte - und möglicherweise rettende - Freistoßtreffer von Dennis Aogo nicht, weil Gonzalez sich ins Abseits zwischen Tor und Mauer gestellt hatte. Auch am Samstag gab es wieder eine Szene, bei der viele Zuschauer die Hände über dem Kopf zusammenschlugen: Nach einem langen Sprint wurschtelte González da wenige Meter vor dem Tor mit dem Ball, hatte ihn scheinbar perfekt liegen - und schlug ein Luftloch. "Da ist er noch nicht so ruhig wie ein 27-Jähriger vor der Hütte. Aber das muss er auch noch nicht sein, er ist eben noch nicht 27", beruhigte Sportdirektor Sven Mislintat. Auch Walter sagte: "Von mir aus kann er noch mehr verpulvern. Wenn er dann in der 90. da steht und den macht - ja und? Ich bin sehr zufrieden mit ihm."

"Wir sehen ja, was für ein Potential er hat. Wir vertrauen ihm."

Daniel Didavi über Nicolas Gonzalez

Schon unmittelbar nach dem zweiten Abstieg aus der Bundesliga binnen drei Jahren hatten Mitspieler und Verantwortliche des VfB ihren Stürmer in Schutz genommen. Denn beliebt ist Gonzalez in der Mannschaft trotzdem. Auch von seinen Qualitäten überzeugt sind die meisten überzeugt.

Das verdeutlichte auch Marc Oliver Kempf: "Nico ist ein aufgeweckter Typ. Er zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht. Solche Typen brauchst du einfach in der Mannschaft", meint der Kapitän. "Es ist schön, dass er wieder da ist. Er belebt die Mannschaft mit seiner Qualität. Er hat uns die ersten drei Spiele gefehlt. Jetzt ist er wieder da, und wir hoffen, dass er noch viele Tore schießt." Am meisten hofft das Nicolas Gonzalez selbst.

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