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Tom Bartels, SWR-Sportreporter und ARD-Bundesliga-Experte, glaubt an die Solidarität unter den Bundesliga-Klubs in Zeiten der Corona-Pandemie. Und nennt Faktoren, die für eine mögliche Weiterführung der Saison zu beachten sind.

SWR Sport: Inwiefern war die Entscheidung der UEFA, die EM um ein Jahr zu verschieben, gerade auch für die Bundesliga in der Corona-Krise eine Art Rettungsanker?

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Tom Bartels: "Die EM zu verschieben war die einzige Chance für die Klubs in Deutschland. Wie auch in allen anderen großen Verbänden. Es besteht die große Hoffnung, dass nach einer langen Pause vielleicht von Ende April bis Ende Juni gespielt werden kann. Das ist das einzige, was ich im Moment für realistisch halte. Wenn die Saison zu Ende gespielt werden könnte, würde das nochmal sehr viel Geld für die Klubs bringen, das sie brauchen, um ihre Existenz zu sichern. Denn es geht um Summen von im Durchschnitt bis zu 25 Millionen Euro bei einem Bundesligisten, oder sogar noch mehr. Da geht es nicht nur um die Jobs der Profis, sondern um über 50.000 Arbeitsplätze im Fußball. Das ist die Dimension. Und es geht für viele Klubs wirklich schlicht darum, zu überleben."

SWR Sport: Angenommen, die aktuelle Saison kann doch noch zu Ende gespielt werden: Wie steht es dann um den Beginn der kommenden Saison und auch den Transfermarkt dazwischen?

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Tom Bartels: "Weil niemand weiß, ob die aktuelle Saison zu Ende gespielt werden kann, kann auch niemand sagen, wann die nächste Saison beginnt. Wenn es idealerweise gelingt, die Spielzeit von Mai bis Juni wirklich abzuschließen, könnte man natürlich nach einer kurzen Sommerpause und einer kurzen Sommervorbereitung, Mitte oder Ende August wieder anfangen. Was aber passiert mit dem Transfermarkt? Gibt es überhaupt ein Transferfenster, so wie heute? Wird es verlängert? Gibt es überhaupt einen Markt für Transfers? Haben Klubs vielleicht eine finanzielle Schieflage und können sich überhaupt keine Spieler leisten? Müssen die Gehälter runter gehen? Alles offene Fragen. Was ich aber glaube, ist, dass es eine große Solidarität zwischen den Vereinen gibt. Auch zwischen denen, die etwas mehr Geld als Polster haben und kleinen Vereinen. Denn sobald Vereinen finanzielle Nöte drohen, glaube ich, dass die Solidarität der Vereine – egal, was jetzt gesprochen wird – greifen wird."

SWR Sport: Aktuell befinden sich alle Bundesliga-Profis isoliert in einer Art Home-Office-Training. Wie kann es gelingen, dass die Spieler unter diesen ungünstigen Voraussetzungen einigermaßen ihre Form behalten?

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Tom Bartels: "Da es kein Mannschaftstraining mehr gibt, wird die ganze Palette der Digitalisierung ausgenutzt. Die Fitnesstrainer haben die Trainingsprogramme geschrieben, die haben alle bekommen. Die Daten laufen dann wieder bei den Vereinen ein, weil alle entsprechende Pulsuhren haben. So kann auch kontrolliert werden, ob alle zu Hause ihre Übungen machen. Das ist das eine Thema. Fit halten sich alle, zumindest geht es um den Fitnesserhalt, denn mannschaftstaktisch lässt sich im Moment nichts machen. Es ist wahrscheinlich allen egal, ob man sich am Ende für einen Tag trifft und dann wieder spielen darf. Es geht darum, dass wir irgendwann wieder in den Spielbetrieb kommen können. Da stellt sich aber die entscheidende Frage: Was passiert mit Teams, in denen ein Spieler mit Corona infiziert ist? Muss dann die ganze Mannschaft in Quarantäne? Oder kann man etwa durch Schnelltests dafür sorgen, dass man herausfindet, ob alle negativ sind? Ob sie also spielen dürfen als Mannschaft, oder ob ein einzelner Spieler unter Quarantäne gestellt werden muss? Das entscheidet aber eine andere Ebene. Das entscheiden die Gesundheitsämter und letztlich die Bundesregierung, welche Vorschriften es da geben wird. Aber davon wird letztlich abhängen, ob ein geregelter Spielbetrieb zwischen den Klubs wieder ins Laufen kommt."

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