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Mario Götze dominiert die Schlagzeilen über den niederländische Fußball. Doch der derzeit erfolgreichste deutsche Fußball-Import ist Thomas Letsch aus Esslingen. Das ist vielen entgangen, auch Jürgen Klopp.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp hatte unlängst bei einer Pressekonferenz, angesprochen auf die deutschen Trainer in den Niederlanden, nur Roger Schmidt und Frank Wormuth ewähnt, Thomas Letsch kannte er nicht. Der 52-jährige Coach ist mit Vitesse Arnheim im Moment völlig überraschend auf Platz zwei der Tabelle der Eredivisie. "Das ist eine schöne Momentaufnahme, aber unsere Ziele sind ganz anders," sagt Letsch im exklusiven Gespräch mit Steil!, dem SWR Fußball-Podcast.

Seit Sommer ist Letsch Coach in der 160.000 Einwohner Stadt Arnheim. Die Rolle als Jäger von Tabellenführer Ajax Amsterdam ist ungewohnt für den niederländischen Traditionsverein. In seiner 128-jährigen Geschichte war Vitesse Arnheim am Saisonende nie besser als auf Rang 3. Durch den Einstieg wechselnder Investoren sind die Ansprüche in den letzten Jahren gestiegen. "Das Ziel ist europäisch zu spielen, also unter den Top 6, Top 7 zu sein,“ sagt Letsch, der nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in Arnheim eine neue Chance bekam.

Letsch hat den Großteil seiner Trainerlaufbahn in Österreich verbracht, war Coach bei Austria Wien, beim FC Liefering und bei RB Salzburg. Ralf Rangnick hatte Letsch 2013 nach Salzburg geholt. Letsch betreute dort mehrere Jugendteams, war Co- und auch Interimstrainer bei den Profis im Club von Dietrich Mateschitz. 2017 hatte Letsch auf den Cheftrainerposten in Salzburg gehofft. RB entschied sich aber für Marco Rose. Letsch wechselte in die 2. Bundesliga und erlebte dort ein Desaster. Bei Erzgebirge Aue wurde er nach nur 3 Pflichtspielen wieder entlassen. "Es gibt Dinge im Leben und im Fußball die passen zusammen und manche passen nicht zusammen," sagt Letsch heute. "Aue war der falsche Verein für mich und ich der falsche Trainer für Aue". Viel habe er daraus gelernt, die Karriere aber kam ins Stocken.

Letsch ist auf der Sonnenseite des Berufs

Jetzt ist Letsch wieder auf der Sonnenseite des Berufs und hat das auch an seinem Handy gemerkt: "Wenn du irgendwo einen Vertrag unterschreibst, hast du ganz viele Freunde, dann kommen sehr viele Nachrichten, die sich komischerweise nicht mehr melden, wenn du entlassen wirst," so Letsch über vermeintliche Freundschaften im Fußball. Der Job in den Niederlanden ist für Letsch eine Horizonterweiterung: "Ich glaub, vor fünf oder 10 Jahren war es noch nicht möglich, als deutscher Trainer in Holland zu arbeiten," sagt Letsch. "Die Holländer haben ganz klare Vorstellungen, alles geht auf Johan Cruyff und die Ajax-Schule zurück. Das ist ein total offensiver Fußball." In den letzten Jahren habe aber ein leichtes Umdenken stattgefunden, auch die Defensive werde jetzt mehr in den Fokus gerückt.

Defensiv geht Letsch auch mit seinen Zukunftsplänen aus. "Ich bin jetzt auch keine 35 mehr und sage, ich muss jetzt einen bestimmten Weg gehen. Klar könnte ich mir vorstellen, nochmal in einer größeren Liga zu trainieren, aber im Moment bin ich glücklich," sagt Letsch. Wenn er die Erfolgsgeschichte mit Vitesse Arnheim fortsetzten kann, wird Thomas Letsch sicher weiter auf sich aufmerksam machen, und sicher wird ihn dann auch Jürgen Klopp kennen.

Fußball | Podcast Steil! Der SWR Sport Fußball-Podcast mit Thomas Letsch (Trainer Vitesse Arnheim)

Der Pass in die Tiefe für Fußball-Liebhaber im Südwesten. Ein Gast - ein Thema - jede Woche neue, hintergründige Einblicke. Fußball ganz nah, ganz persönlich, ganz überraschend mit Philipp Sohmer und Jens Wolters.  mehr...

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