Die Mannschaft des VfR Mannheim, die am 1949 vor 92.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft gegen Borussia Dortmund mit 3:2 nach Verlängerung gewann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Fußball | Historie Vor 70 Jahren: Als der VfR Mannheim Deutscher Meister wurde

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An diesem Mittwoch jährt sich die deutsche Fußballmeisterschaft des VfR Mannheim zum 70. Mal. Am 10. Juli 1949 schlugen die "Rasenspieler" im Finale Borussia Dortmund.

Im Tor hielt Hermann Jöckel den Laden dicht, im Mittelfeld zog Ernst Langlotz die Fäden und vorne wirbelte Rudolf de la Vigne. Nur drei Namen einer Mannschaft, die vor genau 70 Jahre für den VfR Mannheim Fußballgeschichte schrieb. Es war in der sogenannten "Hitzeschlacht von Stuttgart", als sich der VfR im Neckarstadion verewigte.

Zum ersten und einzigen Mal Deutscher Meister

"Wir elf waren so begeistert, die Hitze hat uns überhaupt nichts ausgemacht", erinnerte sich später der inzwischen verstorbene de la Vigne gegenüber dem damaligen Süddeutschen Rundfunk. Mit 3:2 nach Verlängerung gewannen die sogenannten "Rasenspieler" aus der Rhein-Neckar-Metropole gegen Borussia Dortmund und wurden zum ersten und einzigen Mal Deutscher Meister. "Es kommt einem immer wieder so vor, als wäre es erst gestern gewesen", sagte Jahre später der Meistertorhüter Jöckel über jenen 10. Juli 1949 und hatte noch alle Details zum Spiel parat.

Die Mannschaft des VfR Mannheim, die am 1949 vor 92.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft gegen Borussia Dortmund mit 3:2 nach Verlängerung gewann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Mannschaft des VfR Mannheim, die am 1949 vor 92.000 Zuschauern im Stuttgarter Neckarstadion das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft gegen Borussia Dortmund mit 3:2 nach Verlängerung gewann Picture Alliance

92.000 Zuschauer in Stuttgart

Unglaubliche 92.000 Zuschauer verfolgten damals bei hochsommerlichen Temperaturen das dramatisch spannende Endspiel. Die Tore für das von "Bumbes" Schmidt trainierte Team schossen zweimal Ernst Löttke und Ernst Langlotz. Mittelfeldmann Langlotz hatte mit seinem 2:2-Ausgleich die Verlängerung erwungen, Mittelstürmer Löttke traf in dieser Verlängerung zum 3:2 und machte Mannheim zum Meister. Nach der Partie erhielten die Badener zum ersten Mal die neue Meisterschale des DFB überreicht. "Die Kameradschaft war unser großes Plus", sagte später der Siegtorschütze Löttke zu den Gründen für den großen Coup der Mannheimer.

300.000 beim Siegeszug um den Wasserturm

Frenetische Jubelszenen spielten sich ab, als die siegreiche Mannschaft des VfR nach dem Titelgewinn nach Mannheim zurückkehrte. Vier Jahre nach dem zweiten Weltkrieg lag die Arbeiterstadt noch in Trümmern, trotzdem säumten geschätzte 300.000 Menschen den Triumphzug am Wasserturm vorbei und durch die Planken.

Die Realität heißt Verbandsliga

Vom Glanz des großen Titels von vor 70 Jahren ist aber wenig geblieben. Knackpunkt des Abwärtstrends war sicherlich auch die verpasste Qualifikation für die neugeschaffene Bundesliga 1963. Der VfR konnte sich danach nie wieder entscheidend positionieren. Gab der ruhmreiche Verein Anfang der 70er Jahre immerhin noch eine kurze Stippvisite in der neugeschaffenen 2. Bundesliga, so spielt der VfR inzwischen in den Niederungen der Verbandsliga Nordbaden. Gespielt wird in der 8.000 Zuschauer fassenden Rhein-Neckar-Arena im Schatten des großen Carl-Benz-Stadions.

Und auch sportlich stehen die "Rasenspieler" hinter dem Lokalrivalen SV Waldhof, der in diesem Sommer immerhin mit dem Aufstieg in die 3. Liga den Sprung zurück in den Profifußball schaffte, in der Arbeiterstadt seit vielen Jahren in der zweiten Reihe. Versuche, den VfR Mannheim wieder nach oben zu hieven, scheiterten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder.

"Tradition, Stolz, Zukunft, der älteste Fußballverein in Mannheim trägt die Farben der Stadt", steht auf der Homepage des VfR zu lesen. Die Blau-Weiß-Roten sind auch 70 Jahre danach zurecht stolz auf den deutschen Meistertitel. Bleibt zu hoffen, dass es für die Erben der Jöckel, Langlotz und de la Vigne zukünftig wieder aufwärts geht. So oder so aber bleiben der 10. Juli 1949 und die "Hitzeschlacht von Stuttgart" in Fußball-Mannheim unvergessen.

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