Für den SV Waldhof zählt nur der Klassenerhalt (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Fußball | 3. Liga Für den SV Waldhof zählt nur der Klassenerhalt

Der Waldhof ist wieder da. Nach 16 Jahren sind die Mannheimer in den Profifußball zurückgekehrt, haben im vierten Anlauf den Aufstieg in die 3. Liga geschafft. Nun wollen sich die Mannheimer erstmal etablieren. Der Traditionsklub im Teamcheck von SWR Sport.

So lief die vorige Saison:

Besser kann eine Saison nicht laufen. Der SV Waldhof erkämpfte und erspielte sich die Meisterschaft in der Regionalliga Südwest und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga in souveräner Manier. Gerade einmal zwei Spiele verloren die Mannheimer im Saisonverlauf, in der Rückrunde blieb das Team sogar ungeschlagen. Am Ende hatte Waldhof mit 88 Punkten satte 21 Zähler Vorsprung vor dem Vizemeister 1.FC Saarbrücken.

Dauer

Nach dem dreimaligen Scheitern in der Relegation und dem Skandalspiel gegen Uerdingen im Mai 2018, sorgten die Waldhöfer für neue Fußball-Euphorie in Mannheim. Bis in den frühen Morgen des Ostersonntags feierten die treuen Fans der Blau-Schwarzen den Aufstieg, den sie tags zuvor mit einem 1:0 gegen Wormatia Worms vor mehr als 14.000 Zuschauern (neuer Regionalliga-Rekord!) perfekt gemacht hatten. In der Innenstadt sangen Tausende von Fans "Nie mehr vierte Liga".

Die Mannschaft um Trainer Bernhard Trares hatte sich immer weiter stabilisiert und überzeugte vor allem mit erfrischendem Offensivspiel und 88 Saisontoren. Dabei überragten vor allem zwei Neuzugänge: Spielmacher Timo Kern (17 Saisontore, aus Walldorf) und Stürmer Valmir Sulejmani (18 Treffer, kam aus Hannover) waren von der Konkurrenz kaum zu stoppen. Aber auch die Zweitliga-erfahrenen Korte-Zwillinge Raffael und Gianluca sorgten mit ihren Dribblings für spielerischen Glanz.

Wer kommt, wer geht?

Auf dem Transfermarkt haben sich die Waldhöfer bislang eher zurückgehalten. Der bekannteste Neuzugang ist der Ex-Bundesligaspieler des Hamburger SV, Mohamed Gouaida (26). Der Tunesier wurde vom Zweitliga-Nachbarn SV Sandhausen verpflichtet und soll im MIttelfeld für Impulse sorgen. Verteidiger Jan-Hendrik Marx kam vom Regionalligisten Kickers Offenbach, Torjäger Kevin Koffi wurde vom SV Elversberg geholt. Der Ivorer ist zwar schon 33 Jahre alt, wurde aber mit 19 Treffer in der letzten Saison Torschützenkönig der Regionalliga - vor den beiden Mannheimern Kern und Sulejmani. Koffi könnte eine wichtige Alternativen in der Offensive werden und als zentrale Spitze zum Einsatz kommen.

Zuletzt verpflichtete der SV Waldhof mit Arianit Ferati (21) vom Hamburger SV einen weiteren Offensivspieler, der seit Jahren als großes Talent im deutschen Fußball gilt. Der gebürtige Stuttgarter und ehemalige U-Nationalspieler schaffte aber weder beim VfB (drei Spiele) noch beim HSV den Durchbruch in der Bundesliga. Ferati besitzt auch Zweitliga-Erfahrung aus Düsseldorf und Aue. Jetzt in Mannheim erhofft sich Arianit Ferati "viel Spielzeit und gemeinsamen Erfolg".

Die Verpflichtung von Ferati war die Antwort auf den bitteren Weggang von Leistungsträger Kern. Der 29-Jährige, der erst letzten Sommer aus Walldorf gekommen war, entwickelte sich beim SV Waldhof zur zentralen Figur. Kern war Spielgestalter und Toremacher in Personalunion, er wird auf Anhieb kaum zu ersetzen sein. Kern war zunächst vom Zweitligisten Jahn Regensburg umworben, wechselte dann aber zur zweiten Mannschaft des FC Bayern München.

Neben Kern verließ von den Stammspielern nur Rechtsverteidiger Marco Meyerhöfer (zum Zweitligisten Fürth) den Verein.

Trainer:

Seit Januar 2018 steht mit Bernhard Trares (53) ein ganz erfahrener Mann auf der fußballerischen Kommandobrücke der Waldhöfer. Der gebürtige Hesse aus Bensheim war als Spieler 19 Jahre lang Profi, unter anderem bei Darmstadt 98, bei 1860 München und bei Werder Bremen. Seit 15 Jahren arbeitet Trares als Trainer, er war dabei überwiegend im Nachwuchsbereich oder als Assistenztrainer tätig. Mit dem Aufstieg des SV Waldhof, für den er übrigens 2001 eine Saison auch als Spieler im Einsatz war, hat der Trainer Trares sein bisheriges "Meisterstück" abgeliefert.

Die im positiven Sinne kernige und hemdsärmelige Art von Trares passt bestens zum Traditionsverein aus der Arbeiterstadt Mannheim: "Der Trainer hat eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und ab und zu auch mal einem Witz", beschreibt Abwehrspieler Marcel Seegert den Trainertypus-Trares. Er selbst fühlt sich am Alsenweg pudelwohl: "Die Grundstimmung in den eineinhalb Jahren, seit ich hier bin, ist hervorragend. Wir haben ein tolles Arbeitsklima und trotzdem einen guten Konkurrenzkampf". Das, so Trares gegenüber SWR Sport, "sind die wichtigsten Kriterien, um die Stimmung in der Mannschaft auch übers Jahr zu halten". Jetzt gilt es auch für Trares, wie für den Verein und die Mannschaft, mit dem Klassenerhalt in der 3. Liga den nächsten sportlichen Schritt zu machen.

Erwartungen an die Spielzeit:

Für den SV Waldhof kann als Aufsteiger nur der Klassenerhalt das Ziel sein. "Wir werden künftig auch mal wieder Spiele verlieren", hatte Trainer Trares gleich nach dem Aufstieg und einer begeisternden Meister-Saison mit Augenzwinkern den Blick in die realistische Richtung gelenkt. Die in der Regionalliga überragende und zum großen Teil zusammengebliebene Mannschaft sollte auch in der 3. Liga konkurrenzfähig sein, auch wenn der Verlust von Kern schwer wiegt.

Ein echtes Pfund im Kampf um den Klassenerhalt werden in jedem Fall die bekannt leidenschaftlichen Waldhof-Fans sein. Die Mannheimer können nicht nur zuhause, sondern auch auswärts auf die lautstarke Unterstützung ihrer Anhänger bauen. Schon in der letzten Regionalliga-Saison kamen im Schnitt 6.500 Fans ins frisch renovierte und mit neuem Rasen ausgestattete Carl-Benz-Stadion. Gegen Worms drängten sogar 14.413 Zuschauer in die schmucke Arena, das war neuer deutscher Regionalliga-Rekord!

Die Saisonvorbereitung lief zunächst gut, wurde allerdings von zahlreichen Verletzungen getrübt. Mit Seegert, Hofrath, Raffael Korte und Neuzugang Gouaida beispielsweise fehlten und fehlen wichtige Spieler über Wochen. Trotzdem eilten die Waldhöfer in den Testspielen zunächst von Kantersieg zu Kantersieg (u.a. 4:0 gegen Esch aus Luxemburg), zuletzt aber folgten zwei bittere Pleiten gegen den Verbandsligisten VfB Gartenstadt (0:2) und den Regionalligisten SSV Ulm (1:2).

Hält man sich allerdings an den alten Theater-Spruch, dass auf eine verpatzte Generalprobe eine gelungene Premiere folgt, dann sollte einem Sieg zum Saisonauftakt beim Chemnitzer FC (Sonntag, 13 Uhr) nichts im Wege stehen.

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