Die Korte-Zwillinge haben auch abseits des Fußballplatzes gemeinsam viel Spaß.  (Foto: SWR)

Fußball | 3. Liga Gianluca und Raffael Korte: Bruderliebe auf "Mannemerisch"

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Bei Waldhof Mannheim bilden sie die Flügelzange: Raffael und Gianluca Korte. Nicht nur auf dem Fußballplatz verbringen sie gemeinsam viel Zeit - der grüne Rasen wird von den Korte-Zwillinge auch gerne fürs Golfspielen genutzt.

Weiße Sneakers, Poloshirt, smartes Lächeln und gerader Stand: Auf dem Golfplatz machen Gianluca und Raffael Korte keine schlechte Figur. Das gemeinsame Hobby haben die Zwillinge von Waldhof Mannheim bereits seit der neunten Klasse, vor zwei Jahren machten sie dann die Platzreife. Natürlich gemeinsam. Geteilt wird fast alles, auch die Klamotten: "Früher haben wir Taschengeld bekommen und ich habe zu Raffi gesagt, er soll sich ein bestimmtes Shirt kaufen, damit wir es zusammen anziehen können. Und er hat's dann auch gemacht. Er war ein sehr liebes Kind." Und das ist "Raffi" bis heute, wenn Gianluca lachend an sich herunter schaut. "Ich hab gerade ein Poloshirt von ihm an."

Geschwisterneid gibt es nicht

Der gleiche Verein, der gleiche Beruf, der gleiche Freundeskreis, die gleichen Interessen. Nur die Wohnung teilen sie nicht - nicht mehr, verrät Gianluca: "Zusammen wohnen haben wir mal versucht, das ist aber gescheitert. Wobei es mittlerweile wahrscheinlich auch funktionieren würde."

Dauer

Neid oder Missgunst war unter den Zwillingen nie ein Thema, auch als es sportlich für Raffael eine Zeit lang besser lief als für seinen Zwilling Gianluca. "Er hat es zwei Jahre länger weiter oben geschafft als ich, aber wir sind beide einfach nur froh, dass wir Fußball spielen können. Wenn Raffael etwas ganz anderes machen würde und dabei großen Erfolg hätte, würde es mich allerdings auch nicht stören", so Gianluca. Raffael nickt zustimmend. "Was hat er, was ich nicht habe", gab es noch nie, erzählt er. Wenn der eine zum Golfschlag ansetzt, schaut der andere aufmerksam zu und gibt Tipps - man unterstützt sich gegenseitig. Wobei das mit der Unterstützung auf dem Golfplatz eher die Aufgabe von Raffael ist: "Er ist ganz klar der bessere Golfer", gibt Gianluca lachend zu.

In Mannheim wieder vereint

Geboren in Speyer gingen die Brüder auch ihre ersten Karriereschritte gemeinsam: Von Phönix Schifferstadt wechselten sie in die fünfte Liga nach Mechtersheim. 2011 folgte der erste große Verein, weit weg von Zuhause: Eintracht Braunschweig. Zwei Jahre spielten sie dort gemeinsam in der 2. Bundesliga und feierten sogar zusammen den Bundesliga-Aufstieg mit den Braunschweigern.

Als Raffael den Verein dann 2013 für eine Leihe nach Saarbrücken verließ, war die gemeinsame Fußballkarriere erst einmal vorbei. Bis Waldhof Mannheim die Brüder wieder vereinte: Gianluca war vereinslos und schloss sich im Winter 2016 den Mannheimern an, Raffael folgte anderthalb Jahre später. Sein Bruder freute sich riesig, als der Wechsel feststand: "Für mich war das natürlich mega schön. Ich war zwar oft in Berlin und habe ihn besucht, aber zusammen zu spielen und jeden Tag zusammen in der Kabine zu sein, das macht einfach Spaß."

Privileg Familie, Privileg Heimat

Seit 2017 stehen Raffael und Gianluca gemeinsam für den Waldhof auf dem Platz. In diesem Jahr feierten sie ihren zweiten gemeinsamen Aufstieg: Im entscheidenden Spiel zusammen auf dem Feld gelang ihnen mit dem Waldhof die Rückkehr in den Profifußball. Vor den Augen von Freunden und Familie, die keine weite Anreise hatten. Mit dem Bruder, der gleichzeitig der beste Freund ist, Fußball spielen zu können, ist ein Privileg. Die Nähe zur Heimat zu haben, ein weiteres: "Uns ist Familie sehr wichtig. Das merkt man erst, wenn man eine längere Zeit nicht mehr zu Hause war", blickt Raffael zurück.

Ihre Mutter wohnt ebenfalls in Mannheim, der Vater nur wenige Kilometer entfernt in Schifferstadt. Die Korte-Brüder genießen also nach längerer Zeit den im Profifußball raren Luxus, an Familienfeiern in der Heimat teilnehmen zu können. "So blöd das klingt, aber bei Geburtstagen oder einfach einem gemeinsamen Grillen Sonntagabends dabei sein zu können, war nie möglich. Deswegen ist das jetzt ein sehr schönes Gefühl", weiß Raffael die aktuelle Situation zu schätzen.

Wo sich die Wege trennen

Am 29. August werden die Zwillinge 29 Jahre alt. Gianluca spielt bald vier Jahre für den Waldhof, hat "mit dem Verein so viel erlebt". "Er ist mir einfach ans Herz gewachsen. In diesem Jahr wollen wir so schnell wie möglich viele Punkte holen, das hat bisher auch gut geklappt." Dennoch, sollte einer von ihnen irgendwann den Verein wechseln und der Bruder in Mannheim bleiben, wäre das auch kein Problem. "Wir sind jetzt in einem Alter, in dem man normalerweise auch nicht mehr alles zusammen machen kann."

Und auch für das Berufsleben nach der aktiven Karriere ist gesorgt. Raffael studiert im fünften Semester Logistik an der FH Ludwigshafen, Gianluca macht seinen Bachelor in Sportbusiness Management. Fast schon überraschend, dass sie bei all den gemeinsamen Interessen nicht den gleichen Studiengang gewählt haben.

Von den Stärken des anderen profitieren

Doch dass die Stärken abseits des Platzes eher auf unterschiedliche Bereiche verteilt sind, stellten die Zwillinge schon in der Schulzeit fest. Gianluca war beispielsweise deutlich besser in Physik. "Ich habe mal zwei Wochen Raffaels Platz im Physikunterricht übernommen, der Lehrerin ist es nicht aufgefallen. Dann wurde seine mündliche Note ein bisschen besser und bei mir zum Glück nicht viel schlechter", erzählt er. Wie bereits erwähnt: Die Korte-Zwillinge unterstützen sich eben gern gegenseitig.

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