Schafft der SV Sandhausen den Klassenerhalt? (Foto: IMAGO, Imago / Oliver Ruhnke)

Fußball | 2. Bundesliga

Teamcheck: Können sich die "Nichtabsteigbaren" aus Sandhausen wieder retten?

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Kersten Eichhorn

Der SV Sandhausen ist Tabellenletzter und kämpft wieder einmal um den Klassenerhalt. Der Weg zu den Nichtabstiegsplätzen ist aber nicht weit für die Kurpfälzer, die seit 2012 ununterbrochen in der 2. Bundesliga spielen.

So lief es vor der Winterpause

Der erste Blick auf die Tabelle ist zunächst einmal enttäuschend und ernüchternd. Der SV Sandhausen steht mit gerade mal 16 Punkten auf dem letzten Platz und wäre - Stand jetzt - abgestiegen. Auf den zweiten Blick aber zeigt sich ein berechtigtes Stück Hoffnung, denn der Abstand zum retten Ufer ist nicht weit: Der Tabellen-16. Arminia Bielefeld auf dem Relegationsplatz und der Fünfzehnte St.Pauli auf dem ersten Nichtabstiegsplatz haben nur einen Zähler mehr auf dem Konto.

Sportlich ist also alles noch drin für die Kurpfälzer, die zunächst einen klasse Start hingelegt hatten. Nach zwei Heimsiegen gegen Bielefeld und Düsseldorf in den ersten drei Ligaspielen grüßten die Sandhäuser freudig aus dem oberen Tabellendrittel.

"Einige dachten wohl, das geht gerade so weiter", wirft Trainer Alois Schwartz einen verärgerten Blick zurück, "in diese Falle sind wir reingetappt". Denn es folgte der schmerzhafte Absturz und bis zur WM-Pause kamen lediglich noch zwei Siege gegen Magdeburg und in Rostock dazu. Der SVS wurde bis ans Tabellenende durchgereicht. Vermeidbar und frustrierend waren dabei vor allem die späten Niederlagen im Derby beim Karlsruher SC und daheim gegen Nürnberg.

Erwähnt werden muss dabei allerdings, dass Sandhausen seine Spiele in der Regel nur knapp und mit einem Tor Unterschied verlor. Lediglich beim 0:3 in Paderborn war das Team chancenlos. Der SVS spielte ordentlich mit, scheiterte aber zu oft an seiner anfälligen Defensive und der fehlenden Torgefahr. Der Weggang des wuchtigen Strafraumstürmers Pascal Testroet nach Ingolstadt konnte von den Neuzugängen Matej Pulkrab und Kemal Ademi bis jetzt nicht kompensiert werden.

Darüber hinaus waren die Kurpfälzer in der Vergangenheit auch ein deutlich unangenehmerer Gegner: "Es muss sich gar nicht so viel ändern, weil wir die kleinen Sachen falsch gemacht haben", so Trainer Schwartz in seiner Analyse, "wir müssen aber mehr arbeiten, fleißiger und tüchtiger sein. Letzte Saison waren wir galliger".

Wer kommt, wer geht?

Der SVS wurde noch einmal auf dem Winter-Transfermarkt aktiv und geht mit drei Neuzugängen in die Restsaison. Vom FC Augsburg kam auf Leihbasis der bundesligaerfahrene Rechtsverteidiger Raphael Framberger (27). Ausgeliehen wurde auch Linksverteidiger Kerim Calhanoglu vom FC Schalke 04, von Hannover 96 holte Sandhausen den flinken Angreifer Franck Evina (22), der in der Jugend des FC Bayern ausgebildet worden war.

Der Sportliche Leiter Mikayil Kabaca beobachtet aber weiter genau den Markt, ob sich noch die Möglichkeit für die Verpflichtung eines weiteren Stürmers mit Torinstinkt bietet. "Ich hoffe, dass wir da noch etwas hinbekommen", sagt auch Coach Schwartz.

Aufgelöst wurden in der Winterpause die Verträge von Mittelfeldspieler Tom Trybull (nach Blackpool/England) und Angreifer Cebio Soukou (zu Bandirmaspor/Türkei). Auch Arne Sicker und Marcel Ritzmaier haben in der Kurpfalz keine Zukunft mehr, beide dürfen sich einen neuen Verein suchen.

Positiv und ein wichtiges Zeichen nach außen sind die vorzeitigen Vertragsverlängerungen der Leistungsträger Patrick Drewes im Tor sowie den Mittelfeldspielern Janik Bachmann und Christian Kinsombi. "Das ist ein Fingerzeig, wie sie sich wohlfühlen bei uns", freute sich auch Trainer Schwartz über die Kontinuität trotz der Abstiegsgefahr in Sachen Personal.

Trainer Alois Schwartz: "Wir bleiben der Liga-Zwerg"

Bei ihm weiß man was man hat: Alois Schwartz trainiert nach 2013 bis 2016 seit eineinhalb Jahren erneut den SV Sandhausen. Der Underdog aus der Kurpfalz und der hemdsärmelige Schwabe, das passt einfach prima zusammen. Letzte Saison war dem 55-Jährigen mit Sandhausen in beeindruckender Art und Weise als eines der besten Rückrundenteams doch noch der Klassenerhalt gelungen.

In dieser Saison wird das ähnlich schwierig werden. Trotzdem der heiklen Situation ist beim SVS mit Coach Alois Schwartz Kontinuität angesagt, Hektik und Aktionismus sind fehl am Platz. Man weiß im Verbund mit dem ligaerfahrenen und Abstiegskampf-gestählten Trainer sehr wohl um die begrenzten Strukturen und finanziellen Möglichkeiten des kleinen Vereins aus der 15.000-Einwohner-Gemeinde in der 2. Liga: "Wir bleiben der Liga-Zwerg", sagt der Trainer schmunzelnd. Trotzdem stehen Schwartz mit der Achse um Drewes, Zhirov, Bachmann und den Kinsombi-Brüdern einige Zweitliga-Top-Spieler zur Verfügung.

Erwartung an die Restsaison

Man hatte sich vor der Saison von der gewachsenen Mannschaft mit den teils namhaften Neuzugängen um den Ex-Hamburger David Kinsombi eigentlich mehr erhofft, strebte einen sicheren Mittelfeldplatz an. Daraus wurde nichts. Jetzt zählt für den SV Sandhausen wie so oft in der 2.Liga-Vergangenheit einzig und allein der Klassenerhalt. Mit dem Trainingslager auf Malta fühlt man sich bestens vorbereitet für den Start am 29. Januar beim Kellernachbarn in Bielefeld. Eine richtungsweisende Partie.

Nur wenn die Winter-Einkäufe einschlagen, vielleicht noch ein torgefährlicher Stürmer dazukommt und die SVS-Mentalität wieder zu 100 Prozent stimmt, wird Sandhausen eine Chance auf den Nichtabstieg haben. Optimistisch stimmt, dass die lange verletzten Kapitän Dennis Diekmeier und Standard-Spezialist Chima Okoroji wieder mit dabei sind und auf den Außenbahnen willkommene Alternativen bieten.

Hängeköpfe gibt`s sowieso nicht bei den "Unabsteigbaren" aus Sandhausen, die nächste Saison auch im zwölften Jahr in Folge in der 2. Liga dabeisein wollen. Am Hardtwald kennt man sich im Abstiegskampf bestens aus. Und Trainer Alois Schwartz nimmt sich für die Restrunde die WM in Katar als Vorbild: "Man kann daraus viel lernen, weil auch kleinere Nationen mit Biss und Einstellung erfolgreich waren, wenn man kompakt steht und damit das Spiel nach vorne öffnen kann". Schwartz baut im neuen Jahr auf die altbekannten Tugenden wie Einstellung, Kampf und Teamgeist: "Wir müssen wieder die DNA des SV Sandhausen auf den Platz bringen."

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Kersten Eichhorn

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