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In der 2. Bundesliga reitet der SV Sandhausen auf einer Erfolgswelle. Unter Interimstrainer Gerhard Kleppinger gab es zuletzt drei Siege in Serie und den Sprung auf einen Nicht-Abstiegsplatz.

Der Mann kommt völlig entspannt daher. Meist in Turnschuhen und schwarzem Trainingsanzug, ein freundliches Lächeln unterm Basecap. Der leichte Dialekt verrät die südhessische Herkunft. Gerhard Kleppinger, 63, ist ein sympathischer Zeitgenosse. Und er ist Frontmann und Hoffnungsträger des SV Sandhausen.

Nach dem Scheitern der beiden Cheftrainer Uwe Koschinat und Michael Schiele (der Ex-Würzburger war nur 82 Tage im Amt) versucht "Kleppo" seit Mitte Februar als Interimscoach mit all seiner Routine, den Dorfverein doch noch vor dem drohenden Abstieg zu retten.

Corona-Quarantäne im April

Die "Mission Unabsteigbar" könnte sogar gelingen - es wäre eine kleine Sensation. Vor einigen Wochen noch dümpelte Sandhausen im Tabellenkeller der 2. Liga auf einem direkten Abstiegsplatz. Dazu kam im April zu allem sportlichen Unglück eine 14-tägige Corona-Quarantäne, weil sich mehrere Teammitglieder infiziert hatten.

"Eine katastrophale Situation", wie sich Vereinspräsident Jürgen Machmeier gegenüber SWR Sport drastisch ausdrückte. Der langjährige Vereinsboss machte in diesem Zusammenhang sogar den Vorschlag, wegen des straffen Nachholprogramms und des Zeitdrucks vor der EM in dieser Saison auf die Relegationsspiele zu verzichten.

Die Hoffnung war fast auf den Nullpunkt gesunken. Doch inzwischen ist die Verzweiflung neuer Begeisterung gewichen. Nach dem Sieg zuletzt gegen Hannover spielten sich unglaublich emotionale Szenen in der kleinen Arena im Hardtwald ab. Ein völlig ausgelassen jubelnder Gerhard Kleppinger, im Kreis hüpfende und tanzende Spieler, ein überglücklicher Präsident Machmeier.

Endlich mit dem richtigen Teamgeist unterwegs

Sandhausen lebt wieder, der SVS ist wieder da. Erst der dritte Coach in dieser kuriosen Saison, eben Kleppinger, hat es gemeinsam mit seinem Assistenten, dem Ex-Kapitän Stefan Kulovits geschafft, das lange Zeit völlig inhomogene Team an die Kandare zu nehmen und ihm kurz vor Toresschluss doch noch den nötigen Teamgeist eingehaucht: "Wir müssen rausgehen, als Mannschaft auftreten und die letzten Körner geben", so die einfache Marschroute von Kleppinger und Kulovits vor den letzten Spielen. Und plötzlich ist Sandhausen wieder Sandhausen: Es wird wieder Fußball gearbeitet.

Mit drei Siegen in Serie auf Platz 15

Zuletzt gab es sogar drei Siege in Serie, darunter direkt nach der quälenden Quarantäne die beiden beeindruckenden Erfolge gegen die Schwergewichte Hamburger SV (2:1) und am Sonntag gegen Hannover 96 (4:2). Sandhausen steht seit dem Wochenende mit 31 Punkten endlich auf einem Nicht-Abstiegsplatz, hat den Klassenerhalt wieder selbst in der Hand: "Die Spieler sind über die Schmerzgrenze gegangen", so Kleppinger, "jetzt haben wir wieder etwas Luft".

Und am Mittwoch (18:30 Uhr) wollen die Sandhäuser im Nachholspiel in Fürth gleich die nächsten Punkte einfahren. Auf der Pressekonferenz vor dem Nachholspiel sagte Kleppinger: "Die Stimmung ist gut bei uns nach den sechs Punkten. Ich glaube, die wenigsten haben gedacht, dass wir da sechs holen."

Kleppinger und der riesige Erfahrungsschatz

Immerhin 287 Bundesliga- und 254 Zweitligaspiele stehen in der Vita des ehemaligen Spielers Gerhard Kleppinger. Der in Ober-Ramstadt geborene Hesse galt als harter und knorriger Abwehrspielers, verteidigte in den 1980er Jahren zwei Saisons für den Karlsruher SC, stand auch auf Schalke und in Dortmund unter Vertrag.

Rund 20 Jahre als Profi mit mehr als 500 Spielen, ein unfassbarer Erfahrungsschatz für den inzwischen 63-jährigen Fußballlehrer. 1988 in Seoul stand Kleppinger sogar in der Olympia-Auswahl und holte an der Seite von Jürgen Klinsmann Bronze für Deutschland.

Verteidiger Gerhard Kleppinger 1982 beim Karlsruher SC (Foto: Imago, Imago)
Verteidiger Gerhard Kleppinger 1982 beim Karlsruher SC Imago Imago

Lange ein Mann für die zweite Reihe als treuer Assistent

Vor 26 Jahren ist Gerhard Kleppinger in den Trainer-Job gewechselt. Aber nie war er ein Mann für die vorderen Plätze auf den Trainerbänken. "Kleppo" machte sich vielmehr in unteren Ligen einen Namen, als loyaler Zuarbeiter aus der zweiten Reihe.

2012 kam er zum SV Sandhausen und war danach Assistent von fünf verschiedenen Cheftrainern. Nach seiner kurzzeitigen Versetzung ins Nachwuchsleistungszentrum des SVS wurde Kleppinger am 15. Februar, nach der Trennung von Michael Schiele, zum Frontmann der Kurpfälzer. Bis auf Weiteres.

Kleppinger bei Klassenerhalt neuer Cheftrainer?

Sollte "Kleppo" allerdings mit Sandhausen doch noch den wundersamen Klassenerhalt schaffen, dann dürfte der treue Assistent wohl in der nächsten Saison weiter in der ersten Reihe stehen.

Als Cheftrainer und nicht mehr als Interimscoach des SVS. Auch dann würde ein Gerhard Kleppinger sicherlich weiterhin wie gewohnt auftreten: Passend zu Sandhausen freundlich und völlig uneitel, mit Basecap, Turnschuhen und Trainingsanzug.

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