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Seit Mittwoch befindet sich die gesamte Mannschaft des SV Sandhausen für 14 Tage in Quarantäne. Vier Team-Mitglieder wurden positiv auf das Corona-Virus getestet. Ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen den Abstieg in der 2. Liga. SWR Sport hat mit SVS-Präsident Jürgen Machmeier über die schwierige Situation des Vereins gesprochen.

Es sind bedrückende Tage für Jürgen Machmeier und den gesamten Verein. Die Gesamtsituation beschreibt der Unternehmer mit einem kurzen Satz: "Es ist katastrophal". Seit 21 Jahren ist der waschechte Sandhäuser Präsident des SVS. Jürgen Machmeier hat mit seinen Mitstreitern den kleinen Verein vor den Toren Heidelbergs mit unglaublichem Engagement von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga geführt.

Jürgen Machmeier: "Es zerrt an den Nerven"

Und jetzt das: Vorletzter Tabellenplatz, der drohende Abstieg, dazu gleich vier Corona-Fälle, verbunden mit der Isolation und Quarantäne der gesamten Mannschaft für zwei Wochen. Mitten in der entscheidenden Phase der Saison.

"Man muss es annehmen, es betrifft ja die gesamte Bevölkerung", so Präsident Machmeier im Interview mit SWR Sport. "Es ist schade für die Mannschaft, die in einem guten Rhythmus und in einem guten Fitness-Zustand war. Wir kennen Abstiegskampf, aber diese Quarantäne ist etwas Neues für uns", gibt der 60-jährige Machmeier einen Blick in sein Seelenleben preis, "das zerrt an den Nerven".

Dabei waren die Sandhäuser zuletzt nach dem hart erkämpften 1:0 im Kellerduell gegen Würzburg auf gutem Weg. "Wir haben die harte mentale Probe gegen Würzburg bestanden, wir waren guter Dinge", sagt Machmeier. Doch die aktuellen Coronafälle haben in Sandhausen alles durcheinander gewirbelt. Die Aufbruchstimmung ist erstmal kaputt. "Mehr Rückschläge wie wir es in dieser Saison erlebt haben mit Verletzungen, mit Corona, mit Trainerwechseln, mehr kann man nicht mehr einsammeln," schüttelt Machmeier den Kopf.

Erwischt es die Sandhäuser Überlebenskünstler zum ersten Mal?

Diesen rührigen SV Sandhausen hat aber schon immer ausgezeichnet, dass er nach dem Hinfallen immer wieder prompt aufgestanden ist. Seit neun Jahren gilt der Verein aus der 15.000-Einwohner-Gemeinde als DER Überlebenskünstler der 2. Bundesliga. Jahr für Jahr wurden die Sandhäuser als Absteiger Nummer eins in die Saison geschickt. Aber immer wieder formten die Kurpfälzer aus bescheidenen Mitteln Großes, drehten den Vorhersagen eine lange Nase und schafften den Klassenerhalt. Damals im April 2012 war Sandhausen aufgestiegen, jetzt im April 2021 droht mehr denn je die bittere Rückkehr in die Drittklassigkeit.

Ein Abstieg wäre "ein Unfall, aber kein Totalschaden"

Und wenn es soweit kommt? "Auch einen Abstieg müssen wir annehmen", hat sich Präsident Machmeier längst mit dem Negativ-Szenario beschäftigt. "Uns war klar, wenn wir mal eine Saison mit einer unglücklichen Kaderplanung erwischen, dass es uns dann treffen kann. Wir haben uns in den vergangenen Wochen auch mit der 3. Liga beschäftigt."

Sandhausens Macher Machmeier zeichnet dazu ein treffendes Bild: "Das wäre für uns zwar ein Unfall, aber kein Totalschaden." Der SVS wirtschaftete gut in den vergangenen Jahren, und so gäbe es für seinen Verein in diesem Fall nur ein Ziel: "Sofort wieder aufsteigen, entsprechend würden wir uns auch aufstellen."

Fitnessgeräte für die Spieler in der Quarantäne

Noch aber ist der Abstieg längst nicht besiegelt. Sandhausen kämpft auch in der Quarantäne verbissen um den Anschluss: "Jetzt müssen wir schauen, dass die Jungs, die es können, zuhause fit bleiben", so Machmeier. Den SVS-Profis wurden verschiedene Fitnessgeräte geliefert. Aber, und das weiß natürlich auch der Präsident: "Das ersetzt natürlich kein Mannschaftstraining."

Und deshalb findet Machmeier die bevorstehende Konstellation unmöglich, nach Beendigung der Quarantäne "am 19. April von der Couch ins Mannschaftstraining zu gehen und nur einen Tag später zum Auswärtsspiel nach Kiel zu fahren. "Das birgt enorme Verletzungsgefahr", warnt Machmeier, "das ist aber auch eine Art von Wettkampfverzerrung nicht nur für uns im Abstiegskampf, da werden auch die Aufstiegsanwärter nicht glücklich sein, wenn Holstein Kiel gegen eine Mannschaft antritt, die vorher nur einmal trainieren konnte".

Dresdens Absturz als warnendes Beispiel

Inzwischen ist der SV Sandhausen wegen einer möglichen Verschiebung der für den 21. April angesetzten Partie in Kiel im Gespräch mit der DFL. Zur Erinnerung: Für Dynamo Dresden endete die vergangene Zweitliga-Saison nach coronabedingter Quarantäne im Endspurt mit einer Reihe Englischer Wochen und dem Absturz in die 3. Liga. Ein warnendes Beispiel für den SV Sandhausen und seinen Präsidenten Jürgen Machmeier, der die Lage klar umschreibt: "Es ist katastrophal."

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