Uwe Koschinat will den SV Sandhausen weiterentwickeln (Foto: Imago, imago images/Beautiful Sports)

Fußball | 2. Bundesliga SV Sandhausen: Warum es Uwe Koschinat nicht stromlinienförmig mag

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Mit ihm kehrte ab Oktober 2018 der Erfolg zum SV Sandhausen zurück. Mit einem starken Finish verhinderte Uwe Koschinat als Trainer den Abstieg. Jetzt ist der nächste Entwicklungsschritt eingeläutet.

Uwe Koschinat wirkt vor der Trainingseinheit entspannt. Zum einen ist Länderspielpause, zum anderen liegt der SVS nach fünf Spieltagen auf dem 3. Tabellenplatz und: Jetzt kommt das Wichtigste, seine Mannschaft hat die letzten drei Partien gegen Nürnberg, Heidenheim und Darmstadt allesamt gewonnen. Nach dem Überlebenskampf der letzten Saison, als Sandhausen aus zehn Spielen 21 Punkte holte und so die Klasse sicherte, ist der Glaube an die eigene Stärke geblieben. Und noch mehr: "Viele Spieler haben gespürt, dass sie eine persönliche Entwicklung mitmachen, dass es hier auch Spieler gibt, an denen sie sich orientieren und auf die sie sich verlassen können," so der Trainer.

Das sollen alles so Diekmeiers light sein

Uwe Koschinat

15 Spieler haben den Verein nach der vergangenen Spielzeit verlassen, 13 Neue kamen dazu. Darunter viel Offensivpower mit Aziz Bouhaddouz, Philip Türpitz oder auch Julius Biada. Letzter Zugang ist Besar Halimi, der den nach Stuttgart abgewanderten Philipp Förster im offensiven Mittelfeld ersetzten soll. "Ich umgebe mich nicht so gerne mit Menschen, die stromlinienförmig sind. Ich mag es sehr, wenn Spieler ihre Meinung sagen, wenn sie ihre Ecken und Kanten haben." Uwe Koschinat schätzt solche Typen mit "Entscheidungskompetenz", die "ihre Brust auf dem Platz herausstrecken." Am liebsten sind dem 48-Jährigen Spieler wie Kapitän Dennis Diekmeier, der innerhalb kürzester Zeit zum Leader in Sandhausen wurde. "Das sollen alles so Diekmeiers-light sein, die für etwas stehen, die eine wahnsinnig gute Körpersprache auf dem Platz haben und sich nichts gefallen lassen."

Hier schreit nur einer - Uwe und sonst keiner

Fans von Fortuna Köln

Der Trainer ist beliebt

Uwe Koschinat ist ein schnörkelloser Trainer. Er eiert nicht rum, sagt seinen Spielern direkt und frei heraus, was ihm nicht passt. "Er sagt auch was ihm passt, von daher weißt du wo du dran bist und kannst das dann auch besser machen," sagt der lange verletzte Abwehrrecke Tim Kister. Verbale Umwege kennt Koschinat nicht. Das war schon bei seinem Stammverein Fortuna Köln so. Dort war er sieben Jahre lang der Chefcoach. Auch aufgrund seiner lauten Stimme und den direkten Anweisungen schallte es oft nach den Partien durch das Stadionrund:" Hier schreit nur einer - Uwe und sonst keiner." Die Fortunen-Fans haben ihren Uwe geliebt - tun das immer noch. Und die Anhänger in Sandhausen sind auf dem besten Weg dahin. "Ich habe gemerkt, dass man mich hier schätzt, so wie ich die Menschen in Sandhausen schätze. Das führt dazu, dass sich schnell viel Emotionales bei einem selbst entwickelt," gesteht ein gerührter Koschinat.

Kein leichter Schritt

Koschinats Familie lebt weiterhin in Köln. Seine beiden Kinder und seine Frau, die als Lehrerin arbeitet, besucht der ehemalige Abwehrspieler des VfL Wolfsburg und der TuS Koblenz zweimal in der Woche. Köln ist seine Heimat geblieben, und als Rheinländer findet Koschinat "hat man den Vorteil, dass man sich auf andere Menschen gut einstellen kann." Der Rhein-Neckar-Kreis sei eine stolze, wohl situierte Region, wo den Menschen nichts in den Schoß gefallen sei. "Ich glaube, dass das sich erarbeiten eine ganz wichtige Rolle im Leben spielt. Und das ist auch der Punkt für den ich stehe, für den die Mannschaft des SV Sandhausen in ganz hohen Maße steht." Und so wie Uwe Koschinat das sagt, gibt es keinen Zweifel, dass er jedes Wort auch genauso meint.

"Verlässlichkeit steht ganz oben"

Uwe Koschinat hat sich in seiner Trainerkarriere ein paar "Grundprinzipien herausgearbeitet". Und die lässt er auch in Sandhausen wirken. Ganz oben steht dabei die Verlässlichkeit auf der "persönlichen und sachlichen Ebene." Der Übungsleiter aus Leidenschaft arbeitet fest mit Trainingsplänen, auf die sich seine "Spieler einstellen können. Und wenn man mit dieser verlässlichen Art auf eine Mannschaft zugeht und verlangt, dass auch etwas zurückkommt, dann fährt man auch ganz gut. Ich habe gute Erfahrungen gesammelt."

Zurückzahlen können die Sandhäuser ihrem beliebten Trainer bald schon wieder in der harten Punktewährung. Am Freitag, den 13. September, geht`s im Baden-Württemberg-Derby zum KSC. Und bis dahin wird Uwe Koschinat weiter laut, direkt und witzig sein. Genauso wie es seine Spieler an ihm mögen.

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