Einige Neuzugänge des SV Sandhausen zur Saison 201920 (Foto: SWR)

Fußball | 2. Bundesliga Teamcheck SV Sandhausen: Neuer Sturm, neues Glück?

Am letzten Spieltag machte der SV Sandhausen den Klassenerhalt perfekt. In die neue Saison geht das Team von Uwe Koschinat ohne die Torgaranten Andrew Wooten und Fabian Schleusener, dafür aber mit viel frischem Wind und neuen Gesichtern.

So lief die vergangene Saison:

In der gesamten Zweitliga-Saison 2018/19 kam der SVS nicht über Platz 15 hinaus. Nach schlechtem Start musste Trainer Kenan Kocak am neunten Spieltag seinen Hut nehmen und Uwe Koschinat kam als Nachfolger an den Hardtwald. Der neue Coach brauchte eine gewisse Zeit, um der Mannschaft sein Spielkonzept näherzubringen – am 24. Spieltag stand Sandhausen sogar auf dem letzten Tabellenplatz. Danach legten die Kurpfälzer aber einen starken Endspurt hin und verloren nur eins der letzten zehn Spiele. Durch das 2:2 gegen Jahn Regensburg am letzten Spieltag retteten sie sich: Platz 15, keine Relegation.

Dauer

Wer kommt, wer geht?

Besonders in der Offensive muss der SV Sandhausen herbe Verluste hinnehmen: Mit Andrew Wooten (17 Tore/wechselt zu Philadelphia Union) und Fabian Schleusener (zehn Tore/Leih-Ende vom SC Freiburg) gehen zwei Garanten des Klassenerhalts der letzten Saison. Außerdem verlassen Stammtorwart Marcel Schuhen (SV Darmstadt 98), Tim Knipping (Jahn Regensburg), Nejmeddin Daghfous (Kickers Offenbach), Mohamed Gouaida (SV Waldhof Mannheim), Korbinian Vollmann (Hansa Rostock), Maximilian Jansen (RE Virton), Ken Gipson (Unbekannt), Florian Hansch (Hallescher FC) und Niklas Lomb (Leih-Ende von Bayer Leverkusen) den SVS. Mittelstürmer Karim Guédé beendet mit 34 Jahren seine aktive Karriere.

Den zwölf Abgängen stehen aktuell zehn externe Neuzugänge entgegen, die hauptsächlich für mehr Flexibilität in der Offensive und eine höhere Geschwindigkeit auf den Außenbahnen sorgen sollen: Marco Engels (Roda JC Kerkrade, 2. Belgische Liga) und Rückkehrer Aziz Bouhaddouz (Al-Batin, Saudi-Arabien) sollen im Sturmzentrum für Torgefahr sorgen. Außerdem wechseln mit Julius Biada (1. FC Kaiserslautern) und Philipp Türpitz (1. FC Magdeburg) zwei erfahrene Zweit- und Drittligaspieler für das offensive Mittelfeld an den Hardtwald. Auf dieser Position könnte auch der erst 19-jährige Enrique Peña Zauner für eine Überraschung sorgen, denn das Top-Talent hatte großen Anteil an der A-Junioren-Meisterschaft von Borussia Dortmund in der letzten Saison. Hinzu kommen Robin Scheu (SC Fortuna Köln) für die rechte Seite, sowie Marlon Frei (PSV Eindhoven II) und Ivan Paurevic (FK Ufa) für das zentral-defensive Mittelfeld. In der Innenverteidigung soll Gerrit Nauber (MSV Duisburg) für Stabilität sorgen. Als Nachfolger für Stammkeeper Marcel Schuhen hat der SVS Martin Fraisl vom rumänischen Erstligisten FC Botosani geholt. Eventuell soll aber noch ein weiterer Torwart folgen.

Fußball | 2. Bundesliga SV Sandhausen: Neuzugänge der Saison 2019/20

Die Neuzugänge des SV Sandhausen mit Trainer Uwe Koschinat (Foto: Imago, Imago)
Die SVS-Neuzugänge: Obere Reihe (v.l.n.r.): Mikayil Kabaca (Sportlicher Leiter), Mario Engels, Gerrit Nauber, Trainer Uwe Koschinat, Aziz Bouhaddouz, Ivan Paurevic, Marlon Frey | Untere Reihe (v.l.n.r.): Robin Scheu, Philip Türpitz, Martin Fraisl, Enrique Peña Zauner, Julius Biada. Es fehlt: Philipp Heerwagen. Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Martin Fraisl (26), Torwart, wechselt ablösefrei vom FC Botosani aus Rumänien nach Sandhausen und bekommt einen Vertrag bis 2022 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Philipp Heerwagen (36), Torwart, unterschreibt einen Vertrag bis 2021 beim SVS nachdem sein Vertrag beim FC Ingolstadt im Sommer ausgelaufen war Bild in Detailansicht öffnen
Gerrit Nauber (27), Innenverteidiger, kommt ablösefrei vom MSV Duisburg, sein Vertrag geht bis 2021 Bild in Detailansicht öffnen
Marlon Frey (23), Defensives Mittelfeld, wechselt ablösefrei von der zweiten Mannschaft von PSV Eindhoven und hat einen Vertrag bis 2021 unterschrieben Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Ivan Paurevic (28/r.), Defensives Mittelfeld, wechselt vom russischen Erstligisten FK Ufa bis 2021 nach Sandhausen, über die Ablösesumme ist nichts bekannt Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Robin Scheu (24), Rechtes Mittelfeld, kommt ablösefrei von Fortuna Köln und bleibt bis 2021 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Philip Türpitz (27), Offensives Mittelfeld, wurde ablösefrei aus Magdeburg geholt und hat einen Vertrag bis 2021 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Julius Biada (26), Hängende Spitze, wurde ablösefrei vom 1. FC Kaiserslautern geholt und hat eine Vertragslaufzeit bis 2022 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Enrique Peña Zauner (19), Offensives Mittelfeld, wechselt ablösefrei von Borussia Dortmunds U19 nach Sandhausen und erhält einen Vertrag bis 2022 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen
Aziz Bouhaddouz (32), Mittelstürmer, kommt ablösefrei von Al-Batin aus Saudi-Arabien und hat einen Vertrag bis 2021 unterschrieben Imago Imago | Transfermarkt Bild in Detailansicht öffnen
Mario Engels (25), Mittelstürmer, kommt aus der zweiten niederländischen Liga von Roda JC und sein Vertrag läuft bis 2021 Imago Imago Bild in Detailansicht öffnen

Trainer:

Uwe Koschinat versprüht in Sandhausen Optimismus, Spielfreude und den nötigen Fokus. Der gebürtige Koblenzer begann seine Trainerkarriere dort, wo er seine Laufbahn als Verteidiger 2004 beendet hatte: Bei seinem Heimatverein TuS Koblenz. Nach sechs Jahren als U19-Coach und Co-Trainer der ersten Mannschaft, wechselte er 2011 zur Fortuna nach Köln. Dort stand Koschinat insgesamt 290 mal an der Seitenlinie und führte die Fortuna von der Regionalliga in die 3. Liga.

Seit Oktober des letzten Jahres ist Uwe Koschinat Cheftrainer in Sandhausen und hat es in der Rückrunde geschafft, seine Spieler zu einer Mannschaft zu formen, die auch mit vermeintlich größeren Gegnern mithalten konnte. Seinen Erfolg, den Klassenerhalt, nimmt er aber nicht allein für sich in Anspruch: "Am Ende der letzten Saison ist zwischen den Fans und der Mannschaft etwas zusammengewachsen. Das hat uns sehr geholfen", sagt der 47-Jährige. Für die kommende Saison will er seine Mannschaft "noch rotziger und schneller" sehen. "Wir wollen uns nichts gefallen lassen", sagt Koschinat. Deswegen liegen seine Schwerpunkte in der Vorbereitung auch auf Aggressivität, Direktheit, Zweikampfverhalten.

Erwartungen an die neue Spielzeit:

Der SV Sandhausen geht in seine achte Zweitliga-Spielzeit in Folge. Für die 15.000-Einwohner-Gemeinde ein wahrer Erfolg. Dementsprechend lautet weiterhin die Devise: Nur nicht absteigen. Dabei soll besonders Dennis Diekmeier als Führungsspieler und erfahrener Profi (203 Spiele in der Bundesliga) vorangehen und den jungen Spielern als Vorbild dienen.

Ein Problem für das Team von Uwe Koschinat ist die aktuelle Verletzungsmisere: Mario Engels, Jesper Verlaat, Emanuel Taffersthofer und Sören Dieckmann hatten in der Vorbereitung bereits mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Die drei Neuzugänge Philip Türpitz (Probleme am Hüftbeuger), Julius Biada (Muskelfaserriss) und Robin Scheu (Bänderverletzung) werden möglicherweise nicht rechtzeitig zum Saisonstart fit. Außerdem fehlen die Langzeitverletzten Tim Kister (Fußbruch) und Markus Karl (Kreuzbandriss) weiterhin.

Sollten es die Kurpfälzer schaffen, an die starken Leistungen vom Saison-Ende anzuknüpfen, haben sie Chancen auf die neunte Zweitliga-Saison in Sandhausen. Die größte Aufgabe von Trainer Uwe Koschinat wird sein, die vielen personellen Wechsel zu kompensieren und der neu zusammengesetzten Mannschaft seine Spielidee zu vermitteln - rechtzeitig zum Saisonstart am 27. Juli gegen Holstein Kiel.

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