Tim Knipping vom SV Sandhausen. (Foto: Imago, imago)

Fußball | 2. Bundesliga Tim Knipping: Das Traum-Comeback nach dem Trauma

Hinter Sandhausens Innenverteidiger Tim Knipping liegt eine lange Leidenszeit. Er wurde mehrfach operiert, sogar die Amputation des Beins drohte. Doch er kämpfte sich zurück - und ist für den SVS wichtiger denn je.

Entspannt und mit einem Lächeln steht Tim Knipping in Sandhausen im Halbschatten am Hardtwald. Dabei war noch vor einigen Monaten gar nicht klar, ob der Innenverteidiger vom SV Sandhausen je wieder auf dem Platz stehen kann.

Hinter Knipping liegt eine lange Leidenszeit. Fast neun Monate war er zum Zuschauen verdammt. Beim vorletzten Spiel der vergangenen Saison gegen den 1. FC Nürnberg blieb der 26-jährige nach einem Kopfballduell plötzlich ohne Fremdeinwirkung auf dem Boden liegen. Mit dem Helikopter wurde er in die Unfallklinik nach Ludwigshafen gebracht. Die Diagnose - Schienbeinbruch.

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Kompartmentsyndrom: "Der Druck hätte sonst meine Muskeln und Nerven zerquetscht"

Die Ärzte setzten ihm einen Nagel in den Knochen ein, doch die Schmerzen wurden so stark, dass er kurze Zeit später notoperiert werden musste. Der Grund: das Kompartmentsyndrom, bei dem ein erhöhter Gewebedruck zur Verminderung der Gewebedurchblutung führt. "Ich habe alles versucht, dass die Ärzte und Krankenschwestern kommen. Ich hatte schlimme Schmerzen, deshalb kam es dann zu einer Not-OP, wo sie dann mein Bein aufspalten mussten, weil der Druck sonst meine Muskeln und Nerven zerquetscht hätte." Kurzzeitig stand sogar eine Beinamputation im Raum.

Still alive !!!✌🏻Vielen Dank für die zahlreichen Genesungswünsche .Die OP ist sehr gut verlaufen und ab jetzt geht es aufwärts . Vielen Dank ,euer Knippser ❤️💥🙏🏻

"Nach der OP habe ich erst erfahren, dass ich wirklich Glück hatte. Ich war in dem Moment sehr geschockt, weil ich gesehen habe, mein Bein ist aufgespalten, so etwas hatte ich vorher noch nie gesehen. Da hat mir die Ärztin dann gesagt, dass ich mich glücklich schätzen kann, dass ich überhaupt noch mein Bein habe. Da ist es dann deutlich geworden, wie knapp das überhaupt gewesen ist", berichtet der 26-jährige gegenüber SWR Sport.

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Sechs Operationen innerhalb von vier Wochen

Insgesamt wurde Knipping sechs Mal innerhalb von vier Wochen operiert. Im Juni letzten Jahres begann dann die Reha. An Fußball war zu diesem Zeitpunkt nicht zu denken: "Nachdem ich die Not-OP hinter mir hatte, gingen mir ziemlich viele Gedanken durch den Kopf. Wie gehts weiter? Kann ich wieder Fußball spielen? Wird das Bein wieder das Alte sein?"

As a football player, you just deal with injuries. It's all part of the game, all part of getting that tackle.

Durch die Unterstützung des Vereins, seiner Familie und Freunde ist es ihm gelungen, den Schalter "wieder umzudrücken, um wieder nach vorne zu schauen." Er wollte so schnell wie möglich wieder fit werden. "Für mich war klar, dass ich so schnell wie möglich wieder Fußball spielen und auf den Platz wollte."

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Beim Spiel Anfang Februar gegen den Hamburger SV war der Innenverteidiger des SV Sandhausen erstmals wieder auf den Platz zurückgekehrt. Keine vier Tage dann das Traum-Comeback zu Hause gegen Aufstiegskandidat Bochum, bei dem er das spielentscheidende 1:0 köpfte.

"Ich glaube, dass das Bochum-Spiel mit Sicherheit so eine Geschichte ist, die wahrscheinlich auch, so sagt man so schön, nur der Fußball schreibt. Er hat nicht nur hervorragend verteidigt, sondern in dem Spiel auch das spielentscheidende 1:0 geköpft. Ich glaube, das hat ihm selbst auch noch mal wahnsinnig viel Auftrieb gegeben. Das gibt auch der Mannschaft Auftrieb", erzählt SVS-Trainer Uwe Koschinat. Er weiß, wie wichtig Knipping für die Mannschaft ist und hofft darauf noch lange auf den "Krieger in der Defensive" zu setzen.

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