Uwe Seeler (Foto: Imago, imago sportfotodienst;)

2. Bundesliga | SV Sandhausen Uwe Seeler über den großen HSV in der Provinz

HSV-Legende Uwe Seeler blutet momentan oft das Herz mit seinem HSV. Im Interview erzählt er, was er vor der Reise des großen HSV zum kleinen SVS denkt.

Der Große HSV gegen den kleinen SV Sandhausen. Wenn Ihnen vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass dies kein Pokalspiel sondern reguläres Zweitligaspiel ist. Was hätten sie geantwortet?

Da hätte ich gar nichts gesagt, da ich das nicht vermutet habe. Aber ist ist nun mal so und ich glaube heute können wir nicht vom großen HSV sprechen, sondern wir müssen leider davon sprechen, dass sich der große HSV auch in der zweiten Liga sehr schwer tut.

Von der Metropole Hamburg aus gesehen ist das ja ein Gastspiel in der hintersten deutschen Provinz, ohne Sandhausen schlecht oder kleinreden zu wollen. Blutet da Ihr HSV-Herz sehr oder nehmen sie es sportlich?

Ich nehme es schon sportlich, aber natürlich blutet mein Herz, wenn ich sehe was im Moment beim HSV los ist. Das ist ganz klar. Wenn sie so weiter spielen und das wird in Sandhausen sicherlich auch nicht einfach - denn die warten auf unsere Mannschaft - wenn sie dort keinen Biss haben und entsprechend aufspielen, werden sie da auch nicht gewinnen und das wäre ganz schlimm.

Schauen wir auf den Gegner am Sonntag, den Gegner SV Sandhausen. Wie ernst nehmen Sie dieses Team, das in der vergangenen Saison auf dem elften Platz gelandet ist?

Ich glaube der HSV nimmt ihn sehr ernst, den Gegner, und ich glaube das müssen sie auch, wenn sie eine Chance haben wollen.

Welche Erfahrungen haben Sie als HSV-Spieler mit eher kleinen Vereinen in der Provinz gemacht? Was waren das für Duelle?

Wir haben keinen Gegner unterschätzt. Denn wenn man Gegner unterschätzt, und seien sie noch so klein, dann erlebt man meistens Überraschungen. Davor haben wir uns ein bißchen geschützt, indem wir den Gegner immer ernst genommen haben und wenn er noch so klein war. Wenn es dann höher stand, dann hat man etwas nachgelassen, aber vorher nie.

Zu Ihrer aktiven Zeit ist das ja auch immer gut gegangen, oder?

Ja, Gott sei Dank. Aber wir haben auch jeden Gegner erst mal ernst genommen und wenn wir ihn im Sack hatten, haben wir etwas nachgelassen. Aber vorher nicht! Von Anfang an ist das keine Einstellung und der HSV täte auch gut daran den Gegner ernst zu nehmen, weil sonst die Gefahr besteht, dass man wieder Punkte lässt.

Vor dieser Zweitligasaison, Herr Seeler, haben ja viele Experten gesagt, die Aufsteiger stehen ja quasi jetzt schon fest. Das werden am Ende der 1. FC Köln und der HSV sein. Wie sehen Sie das?

Da würde ich sehr vorsichtig sein. Also ich sehe das nicht so. Wir haben die beste Chance an und für sich, aber mehr auch nicht. Das andere müssen sie erst spielen. Noch ist die Saison sehr lang. Da würde ich sehr vorsichtig sein.

Das Interview führte Wolfgang Kessel.

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