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Jörg Neblung kennt den Profifußball - und den millionenschweren Transfermarkt. Seit 18 Jahren berät er Profis und Nachwuchstalente, vor allem Torhüter. In SWR Sport Rheinland-Pfalz spricht er über seinen Arbeitsalltag in einer Branche, die selten Einblicke gewährt.

Die ehemaligen Nationalkeeper Robert Enke und Timo Hildebrand gehörten zu seinen Klienten, bis heute berät Jörg Neblung auch Bundesliga-Torhüter und Nationalspielerinnen. 41 Spieler und 21 Spielerinnen vertrauen dem Mann aktuell ihre Karriere an.

Nicht nur ein Vermittler

Dabei macht der 53-Jährige weit mehr, als "nur" Verträge auszuhandeln. Denn Spielerberater zu sein, berichtet Neblung, heißt vor allem, einen Fulltime-Job zu haben: "Wir sind 24 Stunden pro Tag für unsere Klienten erreichbar." Die Klienten wollen nicht nur einen Vermittler, sondern das Rundum-Sorglos-Paket: Wechsel-Angebote, einen Arbeitsvertrag, Beratung bei der Öffentlichkeitsarbeit und schlussendlich einen, der ihre Interessen vertritt, wenn es Diskussionen mit dem Verein gibt.


Damit es ein Verein in Neblungs Vorauswahl schafft, die er dann dem Spieler "auf dem Silbertablett serviert", ist der Ruf entscheidend. Auch in finanzieller Hinsicht.

Der Verein hat über die Jahrzehnte eine Identifikation, aber die handelnden Personen verändern das von Mal zu Mal. Da muss man schon genau hingucken, wie da die Zahlungsmoral ist. Es gibt Vereine, bei denen wir im Augenblick Spielern auch ganz klar sagen: 'Ich würde mir das sehr gut überlegen, da Gespräche zu führen. Die zahlen gut – wenn sie zahlen.'

Jörg Neblung, Spielerberater

Corona setzt noch einen drauf

Um passende Vereine für seine Spieler zu finden, müssen sich Neblung und sein Team mit einem internationalen Transfermarkt auseinandersetzen, in dem die Summen immer größer werden. In der "schönen neuen Fußballwelt" habe die Pandemie nun noch einen draufgesetzt, sagt Neblung. In der Corona-Zeit erlebt er den Transfermarkt als schwierig: "Es gibt weniger Geld im Markt, wir haben einen Riesen-Einbruch von Umsätzen im Gegensatz zu den vorherigen Sommertransfer-Perioden. Und die Kader werden verkleinert."

In seinem Alltagsgeschäft geht es nicht um Millionen-Summen

Ein Grund für den schlechten Ruf seiner Branche: Die Mega-Transfers von Neymar, Ibrahimovic und Co, an denen die Spielerberater vor allem im Ausland heftig mitverdienen. "Das sind Transfers, die tun unserer Branche nicht gut, weil wir am Ende immer nur über diese Zahlen reden und nicht über die dritte oder vierte Liga", stellt Neblung fest.

Denn in Neblungs Agentur in Köln geht es im Alltagsgeschäft nicht um Millionen-Summen, vor allem nicht bei den Spielerinnen, die er betreut. "Manche Transfers in der Frauen-Bundesliga laufen ohne Provisionen ab."

Teure Deals, keine Ausbildung

Trotzdem ist es ein Business, das attraktiv und lukrativ ist. Immer mehr Berater drängen in einen ohnehin schon überfüllten Markt. Der Berufseinstieg ist einfach, es gibt keine Ausbildung, keine wirklichen Einstiegshürden. Ein zweiter Grund für den schlechten Ruf der Branche, sagt Neblung. "Es gab mal eine Lizenz, jetzt sind wir registriert und brauchen nur noch ein polizeiliches Führungszeugnis. Dadurch ist natürlich Tür und Tor für alle möglichen Leute, Scharlatane und Strauchdiebe geöffnet. Dementsprechend haben wir unseren schlechten Ruf nicht von ungefähr. Dafür haben wir hart gearbeitet."

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