Kai Gehring, der motorradfahrende Innenverteidiger von Sonnenhof Großaspach (Foto: SWR)

3. Liga | Gesichter der Liga Kai Gehring: Eigentlich ein ganz lieber Kerl

Der Körper von Großaspachs Innenverteidiger Kai Gehring ist mit Tattoos übersät. Wenn er dann auf seinem Motorrad angerast kommt, bildet man sich schnell ein Urteil. Das sich als falsch herausstellen könnte...

Ein Herz mit Mama fehlt auf seinem tatowiertem Körper noch. "Das darf ich nicht machen, da habe ich sie schon gefragt", sagt der 1,93 Meter große Innenverteidiger lachend. Dafür hat er ihren Anfangsbuchstaben auf seinem Unterarm und ihre Geburtskoordinaten auf der Leiste. "Die Mama schaut da schon ein bisschen anders drauf, was Tattoos angeht."

Kai Gehring ist ein Familienmensch, das zeigen nicht nur seine Tattoos auf den Armen, Beinen, dem Rücken und der Brust. Seit sechs Jahren spielt er in der 3. Liga bei der SG Sonnenhof Großaspach, seit Oktober wohnt er mit seiner Freundin in Süßen - nur wenige Kilometer entfernt von seinem Elternhaus in Eislingen.

Gehring und seine Verlobte wollen kirchlich heiraten

Zurück in die Heimat: Nach Stationen in Ulm, Nürnberg, Wiesbaden und Saarbrücken unterschrieb der Fußballer 2013 in Großaspach. Mittlerweile ist er 31 Jahre alt und scheint angekommen zu sein. Im Juni heiratet er seine Freundin, wohnt zwei Straßen von seinen künftigen Schwiegereltern entfernt und hat auch seine eigene Familie in der Nähe. Es wird neben dem Standesamt auch eine kirchliche Trauung geben - auch das lässt sich mit einem Blick auf seine Körper-Kunstwerke erahnen. Viele religiöse Motive, wie das Vater Unser und Maria, hat sich Kai Gehring stechen lassen.

Dauer

Leben auf dem Land

Kommt er auf seiner ziemlich lauten Maschine die 30-Zone im beschaulichen Süßen angefahren, denkt man nicht direkt an einen heimatverbundenen, gläubigen Familienmenschen, der sich da unter dem neonfarbenem Helm versteckt. Nach dem Absteigen wird der Postbote namentlich gegrüßt und der Hund überschwänglich empfangen. "Vielleicht denkt man auf den ersten Blick: Was ist denn das für einer? Mit den Tattoos und mit dem Motorrad", weiß Gehring selbst um seine Wirkung. "Aber im Normalfall bin ich eigentlich ein ganz Lieber."

Motorradfahren um dem Stress zu entkommen

Sein erstes Motorrad bekam Kai Gehring mit vier Jahren von seinem Vater geschenkt - seitdem ist das dröhnende Zweirad seine Leidenschaft. "Über die Jahre gab es dann immer größere Maschinen: Mit 16 habe ich direkt den 125er-Führerschein gemacht, drei Jahre später dann den noch größeren mit noch mehr PS." Im Winter wird stundenlang mit seinem Vater in der Garage geschraubt, im Sommer düst er mit seinem besten Kumpel durch die Gegend. Auch mal nach dem Training oder einer Niederlage im Fußball - "um den Kopf freizubekommen". "Da kann man einfach abschalten und vergisst alles um sich herum, auch den Stress vom Fußball."

Vor Kurzem hat er seine schnellere Maschine verkauft, ein erster Schritt in Richtung Ehe. Als Familienvater das Motorradfahren einmal ganz aufzugeben, kann er sich allerdings nicht vorstellen.

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