Der dunkelhäutige Oberligaschiedsrichter Jonathan Woldai zeigt einem Spieler die gelbe Karte. (Foto: IMAGO, EIbner)

Fußball | Hintergrund

Ob Oberliga oder WM: "Ohne Schiedsrichter gibt es kein Spiel!"

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Maximilian Schwab

Seit seinem 16. Lebensjahr hat Jonathan Woldai aus Bonlanden bereits die Pfeife im Mund. Der hauptberufliche Projektmanager hat dabei als Schiedsrichter schon einiges erlebt.

Es ist kalt an diesem Morgen in Filderstadt, als ein heller Kombi zum Vereinsgelände des SV Bonlanden vorfährt. Darin sitzt ein adrett gekleideter Mann, der sympathisch durch die leicht getönte Scheibe lächelt. Sein Name: Jonathan Woldai. Seine Leidenschaft: die Schiedsrichterrei. Für den mittlerweile 31-Jährigen war sein fußballerischer Karriereweg allerdings nicht unbedingt immer so geplant. Woldai habe lange Zeit "auf drei Hochzeiten getanzt". Neben seiner aktiven Nachwuchsspielerkarriere trainierte er zudem eine Jugendmannschaft des SV Bonlanden. Zur Schiedsrichterei kam der Bonlandener nur zufällig und aus lokalem Personalmangel, wobei direkt "sein Talent zu sehen gewesen" sei. Somit begann die bis dato steile Schiedsrichterkarriere Woldais mit zarten 16 Jahren.

Zwischen Schiedsrichterei und Nachwuchsförderung

Mit dem reinen Amt des Unparteiischen allein gibt und gab sich Woldai jedoch nicht zufrieden. Unter anderem war das Bonlandener Eigengewächs über drei Jahre hinweg als Ausschussmitglied des SRG Stuttgart (Schiedsrichtergruppe Stuttgart) für die interne Nachwuchsförderung zuständig.

Rassismus und "jetzt erst recht"-Mentalität

Mit Pöbeleien gegen die eigene Person kennen sich Fußballschiedsrichter nur allzu gut aus. Mit wachsender Erfahrung versucht Woldai rein fußballerische Konflikte nun primär "durch seine Persönlichkeit" zu lösen. Immer wieder hört man auch von rassistischen Äußerungen während Fußballspielen. Ein Phänomen, das sich von den unteren Ligen bis in den Profibereich durchzieht. So musste auch Jonathan Woldai schon derlei Erfahrungen machen. Natürlich beschäftigen ihn solche Vorfälle. Allerdings löse das auch eine Art "jetzt erst recht"-Mentalität bei ihm aus, meint Woldai.

WM in Katar - "der Fokus liegt auf dem Sport"

"Fairplay und das Zusammenkommen der Menschen" sind für Woldai zentrale Merkmale des Schiedsrichterdaseins. Werte, die bei der WM in Katar nicht unbedingt groß geschrieben werden. Eine Berufung in den Schiedsrichterkader des Turniers hätte der 31-jährige dennoch nicht ausgeschlagen, da der "Fokus auf dem Sport" liege, so Woldai.

"Leistung sollte honoriert werden"

Das dritte Spiel des DFB in Katar wird nun auf jeden Fall ein Historisches, was weniger mit dem erneut drohenden Ausscheiden des viermaligen Weltmeisters in der Gruppenphase zusammenhängt, als vielmehr mit der Vergabe der Spielleitung an die französische Schiedsrichterin Stéphanie Frappart verknüpft ist. Ein Novum in der WM-Geschichte. Woldai hat hierzu ebenfalls eine klare Haltung: "Es sollte keine Unterschiede zwischen Mann und Frau geben. Die Leistung sollte grundsätzlich honoriert werden." Zwar sei "die Entscheidung mutig, aber auch gleichzeitig richtig, da es auch den Frauen im Amateurbereich aufzeigt, dass nach oben hin alle Möglichkeiten da sind.

Nicht zuletzt durch sein stetiges Engagement in der Schiedsrichternachwuchsförderung ist es Woldai, mit Blick in die Zukunft, wichtig, auch weiterhin junge Talente zu entdecken, zu fördern und zu gefestigten Persönlichkeiten auf und neben dem Platz zu entwickeln. Dabei sollte dem 31-Jährigen nicht zuletzt seine sympathische Art zugutekommen.

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