STAND
AUTOR/IN

Ein Sieg in acht Spielen, Tabellenplatz 14, Tendenz fallend. Vor dem Gastspiel beim FC Augsburg läuft beim SC Freiburg bislang nicht viel zusammen. Die Krise hat mehrere Gründe. Eine Analyse.

Pech und Naivität

Mit Schiedsrichterentscheidungen hat der SC Freiburg in dieser Saison nicht wirklich Glück. Mainz-Spieler Mateta stieß bei der 1:3-Niederlage am vergangenen Sonntag vor seinem Führungstreffer seinen Freiburger Gegenspieler Santamaria weg. Das Foulspiel blieb ungeahndet. Auch dass der Ball Mateta bei dieser Aktion auf den Arm fiel und man durchaus auch Handspiel hätte pfeifen können, machte Christian Streich in der Nachbetrachtung auf das Spiel sauer. In der Woche zuvor wurde gegen Freiburg ein Elfmeter gepfiffen, der so hätte nie gegeben werden dürfen. Vieles läuft momentan gegen den SC Freiburg.

Fußball | Bundesliga SC Freiburg: Streich fordert "anderes Gesicht" gegen Augsburg

Der SC Freiburg ist seit sieben Spielen sieglos, den einzigen Saisonsieg feierte die Mannschaft von Christian Streich am ersten Spieltag in Stuttgart. In Augsburg soll der zweite Dreier gelingen, doch dafür bedarf es einer Leistungssteigerung.  mehr...

Mehr Kampf, mehr Fouls

Doch letztlich darf dies keine Ausrede sein. Fakt ist: Der SC Freiburg ist bislang einfach nicht gut genug. Mal fehlt es an Können, mal fehlt es an Glück. Aber insgesamt fehlt es an Cleverness und zuletzt auch am nötigen Zweikampfverhalten. Gegen Mainz begingen die Freiburger ganze sechs Fouls in 90 Minuten. Das ist gut, wenn man scharf auf den Fair-Play-Preis ist. Aber dieser ist wenig wert, wenn man absteigt. In der Statistik der gewonnen Zweikämpfe belegt der SC Freiburg den vorletzten Platz. Das ist definitiv zu wenig, da mangelnde Qualität zumindest durch ein gutes Zweikampfverhalten etwas aufgefangen werden kann und muss. Christian Streich fordert deshalb im Spiel beim FC Augsburg (Samstag, 15:30 Uhr) mehr Aggressivität.

Er will nicht zum unfairen Spiel aufrufen. Aber mal einen Konter durch ein taktisches Foulspiel zu unterbinden, auch wenn der Spieler dafür eine gelbe Karte riskiert, einen solchen Einsatz will er schon sehen. Alles besser als ein Gegentor, und andere Mannschaften machen das ja schließlich auch. Kampfgeist, Siegeswille, 90 Minuten den Gegner anrennen und bearbeiten, alles Tugenden, die man vom SC Freiburg in den letzten Jahren gewohnt war und die den Club so erfolgreich machten. Viele dieser Tugenden fehlten zuletzt. Wohin sie entschwunden sind, keiner weiß es. Denn die Charaktere sind überwiegend dieselben. Das gibt Mut, denn diese wichtigen Eigenschaften sind wohl nur verlegt und nicht verloren.

Es fehlt derzeit an Qualität

Doch die Misere hat auch qualitative Gründe. Mit Luca Waldschmidt, Robin Koch und Alexander Schwolow haben drei hochveranlagte Spieler den Verein vor Saisonstart verlassen. Gerade Torwart Alexander Schwolow hat dem SC immer mal wieder in engen Spielen den Sieg gerettet. Florian Müller, die Leihgabe des Mainz 05, der für den Langzeitverletzten Mark Flekken geholt wurde, ist gut, aber weit weg von herausragend. 60 Prozent der Torschüsse konnte er halten. Das ist der zweitschlechteste Wert aller Bundesligatorleute. Mit Waldschmidt verlor Freiburg Spielwitz und Torgefahr, mit Koch Kopfballstärke und Körperlichkeit in der Innenverteidigung.

Dazu kommt, dass viele entscheidende Spieler derzeit nicht bei 100 Prozent sind. Bestes Beispiel ist Nikolas Höfler. Mister Zuverlässig im defensiven Mittelfeld. Auch unter Druck stets ballsicher und abgeklärt. Zuletzt fehlte das alles im Spiel des 30-jährigen. Deshalb hatte er auch vor dem Spiel gegen Mainz von Christian Streich eine Pause bekommen. Um sich zu sammeln, neue Kraft zu tanken, verlorenes Selbstvertrauen wiederzuerlangen. Doch die Alternativen Tempelmann und Santamaria schienen überfordert. Als Höfler zur zweiten Halbzeit kam, wurde es im defensiven Mittelfeld stabiler, doch immer noch nicht wie gewünscht. Man suche einen Weg, "dass er zu alter Stärke zurückfindet", sagte Christian Streich, "die zweite Halbzeit war zumindest mal der erste Schritt in die richtige Richtung."

Die Torbilanz stimmt nicht

19 Gegentore nach acht Spielen, nur Schalke und Mainz haben bislang mehr Gegentore bekommen. Doch auch in der Offensive hapert es. Gerade einmal neun Tore hat der SC Freiburg geschossen. Vor dem Tor fehlt es an Kaltschnäuzigkeit, an Cleverness. So kann man keine Spiele gewinnen, sagte Christan Streich nach dem Spiel gegen Mainz 05.

Ziel ist es, den Bock jetzt umzustoßen, die Frage ist nur wie. Gegen Augsburg soll es über den Kampf, den Einsatz gelingen. Drei Punkte, egal wie. Der SC Freiburg braucht dringend ein Erfolgserlebnis, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Dann, so die Hoffnung, gelangen auch die Schlüsselspieler des SC Freiburg wieder an ihre 100 Prozent Leistungsvermögen zurück.

Neues Sport-Angebot in SWR Aktuell Schnell informiert, nah dran: SWR Sport auf Sprachassistenten von Google und Alexa

Zusätzliche Sendungen am Abend und am Wochenende machen es möglich: Wer einen Sprachassistenten von Google oder Amazon besitzt, kann ab sofort rund um die Uhr sein aktuelles Update mit den wichtigsten Sportnachrichten für den Südwesten abrufen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN