Matthias Ginter im rot-schwarz quergestreiften Trikot des SC Freiburg. Am 21. Januar 2021 jubelte er über seinen Siegtreffer im ersten Bundesliga-Spiel gegen den FC Augsburg. (Foto: IMAGO, IMAGO / Sven Simon)

Fußball | Bundesliga

Matthias Ginter: Ein Freiburger, der auszog, um Weltmeister zu werden

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Weltmeister, Confed-Cup, DFB-Pokal, Supercup - Matthias Ginter hat viele Titel geholt gewonnen. Und alles begann vor zehn Jahren mit seinem Profi-Debüt für den SC Freiburg.

Nach der Unterschrift flossen die Tränen. Schließlich hatte sich Matthias Ginter gerade einen Traum erfüllt: der erste Profi-Vertrag seines Lebens. Doch weder der junge Innenverteidiger, noch der damalige Sportdirektor des SC Freiburg Dirk Duffner, der ihm den Vertrag vorgelegt hatte konnten ahnen, was Ginter bereits am nächsten Tag machen würde.

"Ich denke gerne daran zurück", sagt Ginter zehn Jahre später im Interview mit SWR Sport. "Nicht jeden Morgen. Aber so alle zwei, drei Monate bestimmt. Und jetzt, an Jahrestagen, sowieso." Es war ein Moment, der ihn noch immer mit dem SC Freiburg verbindet - und mit seinem damaligen Mentor Christian Streich. Sicherlich kehrt er auch deswegen so gerne in den Breisgau zurück.

Christian Streich formte Matthias Ginter beim SC Freiburg zum Bundesliga-Profi

Im Sommer 2011 gewann Ginter mit dem SC Freiburg den DFB-Junioren-Pokal. Jugendtrainer Christian Streich hatte eine emotionale Abschiedsrede gehalten und war Co-Trainer von Marcus Sorg bei den Profis geworden. Der damals 17-jährige Ginter sollte noch ein Jahr in der A-Jugend spielen. Doch im Januar 2012 änderte sich plötzlich alles: Sorg war kurz vor Silvester 2011 entlasen worden und Ginters ehemaliger Jugendtrainer Streich war nun der Chef. Und Streich kannte Ginters Qualitäten.

Sie trafen sich in Duffners Büro. Der Profi-Vertrag war schon vorbereitet. Er musste nur noch seine Unterschrift darunter setzen. Ginter, kurz zuvor volljährig geworden, nahm das Angebot dankend an.

Siegtreffer beim doppelten Bundesliga-Debüt

Einen Tag später musste der SC Freiburg gegen Augsburg ran. Freiburg war mit nur 13 Punkten Tabellenletzter. Augsburg auf Platz 17 hatte 15 Punkte. Ginter stand direkt im Kader und beobachtete von der Bank aus, wie seine neuen Teamkollegen an der Augsburger Abwehr verzweifelten. Dann winkt Streich: warmlaufen. Wenige Minuten später signalisiert Streich, "wir wechseln". Es ist der 21. Januar 2012, kurz vor 17:00 Uhr, die 70. Spielminute. Matthias Ginter feiert sein Bundesliga-Debüt. Es steht 0:0. Nur 18 Minuten später flankt der Däne Michael Lumb den Ball in den Strafraum, kein Augsburger Verteidiger fühlte sich für Ginter zuständig, der köpft den Ball ins Tor - 88. Minute, 1:0 für den SC Freiburg. Es war der Siegtreffer und der Auftakt für eine Aufholjagd, die drei Monate später im vorzeitigen Klassenerhalt gipfelte. Am darauffolgenden Montag machte der Verein öffentlich, dass Ginter einen Profi-Vertrag unterschrieben hat.

Matthias Ginter reifte unter Christian Streich zum Stammspieler und schaffte es mit seiner Hilfe sogar in die Nationalmannschaft und zur WM 2014. "Ich habe ihm enorm viel zu verdanken", sagte Ginter anlässlich des gemeinsamen Jubiläums. "Es ist nicht selbstverständlich, dass er mich mit so jungen Jahren im Abstiegskampf hat spielen lassen", sagte Ginter. "Er hat mir sportlich und menschlich viel mit auf den Weg gegeben." Darum spüre er noch immer eine besondere Verbindung zu seinem damaligen Trainer. In diesen Situationen ist Christian Streich mehr Mentor als Trainer.

Zehn erfolgreiche Jahre

Nach zwei tollen Jahren beim SC Freiburg verließ Ginter den Breisgau und zog in die Welt hinaus. Erst zu Borussia Dortmund, wo er den Supercup (2015) und den DFB-Pokal (2017) gewann. Mit der Nationalmannschaft holte er 2016 Olympia-Silber und 2017 den Confed-Cup. Anschließend wechselte er zu Borussia Mönchengladbach. Nach fünf erfolgreichen Jahren am Niederrhein hat er kurz nach Weihnachten seinen Abschied verkündet. Wohin es ihn zieht und ob er ab Sommer noch in der Bundesliga zu sehen ist oder doch bei Inter Mailand ist nicht bekannt.

Doch nach all den Jahren und all den Erfolgen schaut Matthias Ginter immer noch gerne auf diesen einen Tag zurück, als er Christian Streich und sich selbst am 21. Januar 2012 gegen den FC Augsburg das Bundesliga-Debüt mit dem Siegtreffer gegen Augsburg versüßte. "Nicht jeden Morgen. Aber so alle zwei/drei Monate bestimmt. Und jetzt, an Jahrestagen, sowieso."

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