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Vincenzo Grifo spielt eine starke Saison, ist Topscorer beim SC Freiburg. Alles kein Zufall sagen Teamkollegen und es gibt durchaus einige Gründe, die für den Höhenflug des italienischen Nationalspielers sprechen.

Mitte Januar erwarten Vincenzo Grifo und seine Ehefrau Vanessa ihr erstes Kind. Die Vorfreude ist riesig. "Wir freuen uns sehr. Wir beide lieben Kinder über alles und können es kaum erwarten", sagt der 27-jährige. Die Vorfreude aufs Vater werden scheint den Mittelfeldspieler und Freistoßexperten des SC Freiburg von Tag zu Tag mehr zu beflügeln. Schon jetzt hat er mit sieben Toren seinen persönlichen Rekord eingestellt. Und das nach nur 14 Spieltagen. Vier Torvorlagen kommen noch obendrauf.

Christian Streich hält viel von seinem Topscorer. Er erwartet beim Spiel gegen Köln, dass er nun auch seinen Worten nach dem jüngsten Sieg ("Gegen Köln wollen wir weiter machen, und kein bisschen weniger.") auch Taten folgen lässt. "Vince kann als erster das Seil nehmen und den Wagen durch den Dreck vorwärts ziehen, und alle anderen können sich an Vince dranhängen - dann rollt das Ding", wählte der SC-Trainer einen bildlichen Vergleich.

Erstes Kopfballtor - Wetten eingelöst

Am vorletzten Spieltag, beim 4:1-Erfolg der Freiburger gegen Hertha BSC erzielte Vincenzo Grifo sogar das erste Kopfballtor seiner Karriere. Er freute sich darüber fast schon diebisch, denn er hatte mit Teamkollegen Nils Petersen und innerhalb des Freundes - und Familienkreises einige Wetten laufen, die durch dieses erste Kopfballtor seiner Profikarriere zur Auszahlung kamen. Nils Petersen hatte mit Vincenzo Grifo um einen neuen Kulturbeutel gewettet und seine Wettschulden angeblich auch schon eingelöst.

EM steht vor der Tür

Ein weiterer Punkt, der Vincenzo Grifo antreibt, ist die kommende Europameisterschaft. Er ist so stolz das Trikot der italienischen Nationalmannschaft tragen zu dürfen, dass er nichts unversucht lässt, auch bei den Europameisterschaften mit dabei zu sein. Doch die Konkurrenz ist groß und er selbst spielt nicht bei einem großen, renommierten Club, sondern bei einem relativ kleinen Verein, der international eine untergeordnete Rolle spielt. Um sich dennoch in den Blickpunkt des italienischen Nationaltrainers Roberto Mancini zu spielen, muss Vincenzo Grifo eben exorbitant gut sein. Und am meisten fällt man eben auf, wenn man Tore schießt. Und wenn es so weitergeht in dieser Saison, dann kommt Italien bei der EM an Vincenzo Grifo wohl nicht vorbei. Für Italien hat der 27-Jährige inzwischen fünf Spiele bestritten. Beim 4:0 gegen Estland im November erzielte er seine ersten beiden Tore.

Nirgends so gut wie in Freiburg

Vincenzo Grifo ist ein echter Spätentwickler. Mit dreieinhalb Jahren begann seine Laufbahn beim VfR Pforzheim und fast wäre sie dort auch auf Amateurebene zu Ende gegangen, wenn nicht in der A-Jugend der KSC Vincenzo Grifo abgeworben hätte. Körperlich erst spät in Topform zeigte der Deutsch-Italiener beim badischen Traditionsverein sein Potential. Das Interesse anderer Vereine ließ nicht lange auf sich warten. Der badische Nachbar 1899 Hoffenheim bekam den Zuschlag, Grifo gab am 19. Oktober 2012 sein Bundesligadebüt.

Anfang 2014 wurde er nach Dresden ausgeliehen, nach dem Abstieg von Dynamo wechselte er zum FSV Frankfurt und auch dort ließ er sein Können immer wieder aufblitzen - Mr. Freistoß Vinzenco Grifo. 2015 der Wechsel zum SC Freiburg. Unter Christian Streich entfaltete sich sein ganzes Können und es dauerte nur zwei Jahre bis Borussia Mönchengladbach den sympathischen Mittelfeldspieler verpflichtete. Nach 17 Spielen und null Toren für die Fohlen folgte der Wechsel zurück nach Hoffenheim. Doch auch hier wieder nur mäßige Leistungen. Nur acht Einsätze, keinem Stammplatz, nur ein Tor.

Besonderes Verhältnis zwischen Grifo und Streich

Die Lösung für alle Probleme hieß SC Freiburg. 2019 kehrte der verlorene Sohn Streichs zurück an alte Wirkungsstätte. Zunächst als Leihe, ehe er dann erneut fest verpflichtet wurde. 56 Spiele und 17 Tore später wird allen klar. Vincenzo Grifo funktioniert beim SC Freiburg am besten.

Vielleicht liegt es an der Nähe zu seiner Geburtsstadt Pforzheim, vielleicht an der Freiburger Luft oder auch an Trainer Christian Streich. Die beiden haben ein ganz besonderes Verhältnis zueinander. Vertrauensvoll und geprägt von großem Respekt. Als der Frankfurter David Abraham im November 2019 per Bodycheck Christian Streich zu Boden stieß, war Vincenzo Grifo der Erste, der Abraham attackierte und sich damit quasi vor seinen Trainer stellte. Grifo sah nach seiner Handgreiflichkeit zu Recht rot, aber nicht nur Christian Streich nahm es positiv zur Kenntnis, dass sich hier einer, ohne zu zögern, hinter beziehungsweise vor ihn gestellt hatte. Das Wir-Gefühl in Freiburg ist wichtig und eine der Grundlagen für den Erfolg.

Der Nachwuchs kann jeden Tag kommen und wenn es sich andeutet, dann wird er sofort freigestellt, um bei der Geburt dabei zu sein. Aber wenn schon allein die Vorfreude auf das Kind für solche Leistungen sorgt, dann darf gespannt sein, wie gut Vincenzo Grifo spielen wird, wenn das Kind dann auf der Welt ist.

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