Benjamin Uphoff, Torhüter SC Freiburg beim 2:2 gegen Bielefeld (Foto: imago images, Benjamin Uphoff, Torhüter SC Freiburg beim 2:2 gegen Bielefeld)

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Der Torwart ist längst mehr als nur Held oder Depp - auch in Freiburg

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Beim 2:2 der Freiburger gegen Bielefeld hat der SC eine 2:0-Führung verspielt. Unglücksrabe war dabei Torwart Benjamin Uphoff. Schuld allein ist er deswegen noch lange nicht.

Unverhofft kommt angeblich ja oft. Nicht so für Benjamin Uphoff. Lange hat der gebürtige Bayer auf diesen Tag gewartet, um mit 28 Jahren endlich auch einmal in der Bundesliga zwischen den Pfosten zu stehen. Stammtorwart Flekken war wegen eines positiven Coronatests ausgefallen. Auf die Frage, was nach Abpfiff bei ihm überwiegen würde, Stolz endlich den ersten Bundesliga-Einsatz gehabt zu haben oder Frust über das 2:2, kam die Antwort ohne großes Überlegen: "Die Enttäuschung überwiegt ganz klar."

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"Uppi muss sich nicht entschuldigen"

Die Enttäuschung ist schnell erklärt: Als Freiburg souverän und verdient mit 2:0 vorne lag, kam Bielefeld wie aus dem Nichts zum 1:2 Anschlusstreffer, Freiburg verlor den Faden und am Ende stand es 2:2.

Wenn der Torwart bei den Gegentreffern nicht gut aussieht, ist er schnell der Depp. Und ja, Uphoff sah bei den Gegentoren nicht gut aus, aber: "Die Gegentreffer sind schon vorher entstanden", hält Nicolas "Chico" Höfler auch noch nach einmal Schlafen am Tag danach im SWR-Interview fest. "Die Fehlerkette ist lang, wir hätten schon die Torschüsse verhindern können", nimmt der defensive Mittelfeldspieler ganz klar auch den Rest der Mannschaft in die Pflicht. "Uppi muss sich nicht entschuldigen."

Selbstkritischer Bundesliga-Debütant

Mit 28 Jahren hat Benjamin Uphoff in seinem Torhüterleben auch vor dem ersten Bundesliga-Einsatz schon einiges erlebt. Allein seine Zeit beim Karlsruher SC, woher er 2020 ablösefrei zum SC Freiburg gewechselt war, hatte von Glanztaten bis Aussetzern einiges zu bieten. Dass er sich nach dem Spiel gegen Bielefeld selbstkritisch den Interviews stellte, zeugt von seiner Reife. "Der Ball hat eine sehr eigene Flugkurve, ich habe ihn auch erst spät gesehen", sagte Uphoff, als er an den ersten Gegentreffer dachte, "aber er ist sicherlich nicht unhaltbar."

Auch beim zweiten Treffer sah Uphoff nicht gut aus. "Ein furchtbares Tor", nannte Trainer Christian Streich den Bielefelder Ausgleichstreffer und schob direkt nach: "Kein Vorwurf, jeder macht doch Fehler." Uphoff hatte die Torwartecke aufgemacht, vor ihm hatte sich Gulde austanzen lassen. Womit wir wieder bei der Freiburger Einheit sind.

Christian Streich: "Blöd gelaufen, tut mir leid für ihn!"

Schöngeredet wurde nichts beim SC. Aber dass man im Fußball als Einheit verliert und als Einheit gewinnt, oder wie gegen Bielefeld geschehen, als Einheit eine Führung verspielt, das wurde eindrücklich auf dem Platz, aber eben auch beeindruckend danach manifestiert. Sieben zu eins Torschüsse nach 20 Minuten, allein Jeong und Sallai hätten schon in der ersten Hälfte die Führung ausbauen können, vielleicht müssen. Nach 46 Minuten stand es 2:0.

"Wir hatten vorne auch genug Chancen, um frühzeitig das Ding komplett klar zu machen", redet auch Kapitän Christian Günter die Torwartfehler zwar nicht klein, aber eben auch nicht größer als sie sind.

Kein großer Held, kein großer Depp

Uphoff weiß längst, dass er nicht als Nummer eins nach Freiburg geholt wurde. Als sich in der letzten Saison Mark Flekken vor dem Bundesliga-Start verletzt hatte, wurde nicht Uphoff ins Tor gestellt, Florian Müller wurde von Mainz ausgeliehen und spielte. Seine Chancen erhält Uphoff aber regelmäßig im Pokal: Zuletzt war er in Osnabrück mit drei gehaltenen Elfmetern der Freiburger Sieggarant. Natürlich wurde er gefeiert. Aber deswegen hat er in Freiburg nicht gleich den ewigen Heldenstatus. Genauso wenig, wie er wegen zwei Patzern gleich zum Deppen des Spieltags wird. Das ist gut so. Denn wie hat es Christian Streich so passend gesagt: "Überhaupt kein Problem. Ich mache auch Fehler und bin manchmal unglücklich."

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