Christian Streich (SC Freiburg, Trainer) gibt Anweisungen an die Spieler in der Trinkpause (Foto: IMAGO, Eibner / Grant Hubbs)

Fußball | Bundesliga

SC Freiburg - voller Vorfreude auf die Europa League

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Claus-Peter Hufer

Nach einer starken Saison, die der SC Freiburg auf Platz 6 und mit der Qualifikation für die Europa League beendete, sind die Erwartungshaltung und der eigene Anspruch beim Sport-Club gestiegen. Trotz des verlorenen Pokalfinales überwiegt der Stolz bei den Südbadenern.

So lief die vergangene Saison

Der SC Freiburg spielte eine überragende Saison. Das Team von Trainer Christian Streich war in der Tabelle lange Zeit auf Tuchfühlung mit Mannschaften wie dem FC Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Der Aus- und Weiterbildungsverein, wie sich der Sport-Club selbst sieht, überraschte in der Hinrunde mit erfolgreichem, temporeichem und vor allem in der Defensive überraschendem Fußball. Die Breisgauer überwinterten mit 29 Punkten auf dem dritten Platz und stellten, zusammen mit dem Rekordmeister aus München, mit nur 16 Gegentoren die beste Defensive der Liga.

Zwei Spieltage vor Saisonende standen die Freiburger auf Platz vier und hatten aus eigener Kraft die Möglichkeit, sich erstmals für die Champions League zu qualifizieren. Zwei Niederlagen gegen Union Berlin und Bayer Leverkusen ließen dann jedoch den Traum von der Königsklasse platzen. Auch das große Ziel, mit dem DFB-Pokal den ersten großen Titel der Vereinsgeschichte zu gewinnen, wurde am Ende nicht erreicht. Im Elfmeterschießen verlor die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison das Pokalfinale in Berlin gegen RB Leipzig.

Wer kommt, wer geht

Dass das Team des SC Freiburg in der vergangenen Spielzeit nahezu komplett zusammenblieb, war sicher ein wichtiger Grund für die überragenden Leistungen. Hinzu kam die starke Entwicklung von Innenverteidiger Nico Schlotterbeck, der von seinem Leihverein Union Berlin zurück an die Dreisam gekommen war.

Nico Schlotterbeck, der im Sommer zu Borussia Dortmund wechselte, ist sicherlich der schmerzhafteste Abgang, den der Sport-Club zu verkraften hat. Doch mit der Verpflichtung von Nationalspieler Matthias Ginter gelang den Südbadenern ein Überraschungscoup. Der gebürtige Freiburger Ginter ist zwar kein Linksfuß wie Nico Schlotterbeck, aber der Weltmeister von 2014 kann die Lücke in Freiburgs Innenverteidigung sicherlich adäquat schließen. Im Austausch für Stürmer Ermedin Demirovic konnten die Freiburger Michael Gregoritsch vom FC Augsburg verpflichten. Der österreichische Nationalspieler ist kopfballstark und erweitert Freiburgs Möglichkeiten in der Offensive.

Auch die Neuzugänge Ritsu Doan (PSV Eindhoven) und Daniel-Kofi Kyreh (FC St. Pauli) machten in der Vorbereitung auf sich aufmerksam und werden dem Sport-Club im Laufe der Saison weiterhelfen. Eventuell kommt noch ein Spieler für das zentrale Mittelfeld mit offensivem Profil hinzu.

Der Trainer

Christian Streich ist und bleibt der Cheftrainer des SC Freiburg. Der 57-Jährige steht seit Januar 2012 in der Verantwortung bei den Profis und ist nicht nur der dienstälteste Trainer der Bundesliga, sondern aus Freiburg auch kaum wegzudenken. Der Fußballlehrer, der von den deutschen Sportjournalisten zum "Trainer des Jahres" 2022 gewählt wurde, schafft es Jahr für Jahr, neue Akzente und Reize zu setzen. Selbst langjährige Spieler wie SC-Kapitän Christian Günter bringt er an ihre Grenzen und entwickelt sie weiter. Freiburgs Motivator an der Seitenlinie freut sich auf die Dreifachbelastung der kommenden Saison und scheint begeistert in die neue Spielzeit zu gehen.

Erwartungen an die Saison

Bislang war das erklärte Ziel des SC Freiburg stets der Klassenverbleib. 40 Punkte sollen erreicht werden, über andere Ziele wurde vor einer Saison nie gesprochen. Die Demut ist Freiburg nicht abhanden gekommen, doch das Selbstbewusstsein und die eigenen Ansprüche sind gewachsen. Der SC Freiburg braucht sich in der Bundesliga vor keiner Mannschaft mehr zu verstecken und kann an guten Tagen mit allen Vereinen mithalten.

Durch die Teilnahme an der Europa League stehen dem Sport-Club bis zur WM in Katar, die im November beginnt, viele englische Wochen bevor. Der Kader besitzt genug Qualität, um diese Herausforderung zu bewältigen. Vorausgesetzt, die Schlüsselspieler bleiben gesund. Eine ganz bittere Pille ist die Verletzung von Stürmer Lucas Höler. Im Trainingslager im österreichischen Schruns erlitt der 28-Jährige einen Mittelfußbruch und fällt für mehrere Wochen aus. Für das Freiburger Spiel ist das ein herber Verlust.

Insgesamt stehen die Vorzeichen gut, dass der Sport-Club auch in dieser Saison positiv überraschen kann. Die erste Runde des DFB-Pokals überstand die Streich-Truppe mit Glück und Geschick in einer hitzigen Partie auf dem gefürchteten Betzenberg in Kaiserslautern. Für eine extra Portion Motivation sorgt der internationale Wettbewerb, der allen Spielern eine tolle Möglichkeit bietet, sich international zu zeigen.

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Claus-Peter Hufer

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