Vincenzo Grifo hat den SC Freiburg gegen Bayer 04 Leverkusen in Führung geschossen (Foto: IMAGO, imago images/Sportfoto Rudel)

Fußball | Bundesliga

SC Freiburg chippt sich cool in die Winterpause

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Mit kühlem Kopf und heißem Herzen hat sich der SC Freiburg zur Winterpause auf einen Champions-League-Platz geschossen.

Vincenzo Grifo ist ein ziemlich cooler Typ. Zumindest ließ es ihn offenbar völlig kalt, dass er seinen Elfmeter vor einer Woche gegen die TSG Hoffenheim ziemlich kläglich verballert hatte: Acht Tage und zwei Spiele später legte er sich den Ball wieder auf den Punkt. Links? Rechts? Oben? Unten? Nein: Grifo chippt den Ball einfach ganz cool mitten rein (33.) - ins Tor und zur verdienten 1:0-Führung seines SC Freiburg gegen Bayer Leverkusen.

"Das hatte null was mit Arroganz zu tun. Ich bin auch nur ein Mensch und mach mir Gedanken und schau mir viele Videos an, wie sich Torhüter verhalten", sagte Grifo im Interview mit SWR Sport. "Und nachdem ich ja den letzten verschossen hab, hab ich mir für heute gedacht, dass das die beste Variante wäre und die beste Lösung. Und deshalb hab ich mich heut entschieden, den Ball einfach in die Mitte zu chippen."

Kein Panenka sondern ein echter "Vince"

Es war ein Elfmeter, der zu den eisigen Temperaturen in Freiburgs Stadion passte, so cool war der verwandelt. Und Antonín Panenka - der quasi als Erfinder dieser Art von Elfmeter gilt - ist sicherlich vor Ehrfurcht erstarrt. "Für mich war das ein 'Vince-Schuss'", sagte Grifos Teamkollege Nico Schlotterbeck im Interview mit SWR Sport. "Der kann alles."

Der Torschütze freute sich über das Lob: "Die Jungs haben mich sehr unterstützt nach dem verschossenen Elfmeter. Ich hab da schon paar Tage gebraucht, weil ich mir Vorwürfe gemacht habe. Weil wir das Spiel gegen Hoffenheim hätten gewinnen können, wenn ich ihn rein gemacht hätte." Vincenzo Grifo widmete das Tor anschließend seinem großen Bruder: "Der war nach langer, langer Zeit mal wieder im Stadion. Dem hatte ich versprochen, dass ich endlich mal wieder treffe."

SC Freiburg entfachte ein Offensiv-Feuer

Es war die Krönung einer starken ersten Halbzeit, in der der SC Freiburg Gegner Leverkusen schier an die Wand gespielt hat. In Leverkusens Strafraum brannte es immer wieder lichterloh. Dass die Breisgauer trotzdem nur mit einem 1:1 in die Pause gingen, war einer Unachtsamkeit nach einem Eckball geschuldet, die der Leverkusener Charles Aranguiz zum glücklichen Ausgleich nutzte. "Ärgerlich", sagte Schlotterbeck lapidar.

Der 22-jährige Innenverteidiger hatte Leverkusens Topstürmer Patrick Schick, der immerhin acht Tore in den vergangenen drei Bundesliga-Spielen erzielt hat, gemeinsam mit Philipp Lienhart über 90 Minuten ausgeschaltet. Auch von Leverkusens Wunderknabe Florian Wirtz war in der Freiburg wenig zu sehen.

Streichs Joker stechen für den SC Freiburg

Zwar gelang es Leverkusen, das Freiburger Offensiv-Feuer in der zweiten Halbzeit weitgehend zu ersticken. Doch im entscheidenden Moment zündete Ermedin Demirović noch einmal die Lunte. Seine Flanke wurde von der gesamten Leverkusener Abwehr einschließlich Torwart Lukas Hradecky unterschätzt. Kevin Schade nutzte den Moment zum Siegtreffer (84.).

Kevin Schade hat den SC Freiburg zum Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen geschossen. (Foto: IMAGO, imago images/Jan Huebner)
Kevin Schade hat den SC Freiburg zum Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen geschossen. imago images/Jan Huebner

Streich mit "großer Freude" am Spiel des SC Freiburg

Das Feuer war sofort wieder da und Leverkusen fiel nichts mehr ein, was den Freiburger Sprung auf Platz drei verhindern könnte. "Wichtig war, dass wir heute mit dieser Entschlossenheit, die taktischen Disziplin und dieser Leidenschaft aufgetreten sind", sagte Trainer Christian Streich im Interview mit SWR Sport. "Das war ein richtig klasse Spiel von uns. Wir haben fußballerisch gut gespielt, wir haben gegen den Ball schlau agiert. Ich hatte große Freude an dieser Leistung."

Freiburg überwintert auf Platz drei

"Wir haben ein super Spiel gemacht. Ich muss den Jungs ein Kompliment machen. Wir haben brutal gearbeitet", sagte Nico Schlotterbeck. Damit hat der SC 29 Punkte und überwintert erstmals auf einem Champions-League-Platz. Vom Europapokal will im Breisgau aber noch immer keiner sprechen. Dabei könnte sich der Sport-Club zur Rückrunde durchaus neue Ziele setzen - denn die Freiburger Kombination von Eis und Feuer hat in der Hinrunde ganz gut funktioniert. Doch im Breisgau zählt erstmal nur der Klassenerhalt. Doch wenn der SC auch in der Rückrunde so leidenschaftlich für seine Punkte kämpft und so cool mit Rückschlägen umgeht, dürfte der Abstiegskampf ganz schnell kein Thema mehr sein.

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