Der SC Freiburg bejubelt seinen Sieg gegen den HSV und den Einzug ins Pokalfinale.  (Foto: imago images, IMAGO/Jan Huebner)

Fußball | DFB-Pokal

Nach Sieg gegen den HSV: So reagiert Freiburg auf den Finaleinzug

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Mit dem Finaleinzug im DFB-Pokal hat das Wirken von Christian Streich beim SC Freiburg einen neuen Höhepunkt erreicht - doch der Kult-Trainer warnt vor einer Überhöhung des aktuellen Erfolgs. In Freiburg ist man ganz aus dem Häuschen.

Kurz vor Mitternacht hatte Christian Streich ein Alkoholproblem. "Es kann sein, dass ich noch ein Glas Wein trinke. Aber ich muss erst schauen, wo es noch eins gibt", sagte Streich, völlig abgekämpft von der rauschenden Pokalparty mit den Freiburger Fans. Irgendwelchen wolle er nicht trinken, gab der Kult-Trainer nach dem souveränen Finaleinzug beim Hamburger SV (3:1), dem vorläufigen Höhepunkt seines jahrzehntelangen Wirkens beim SC, zu Protokoll. Ein "schöner, trockener, guter Wein" müsse es sein, "Grauburgunder oder irgendwas". Doch wenn es keinen gibt, schob Streich in seiner herrlich pragmatischen Art hinterher, "dann trinke ich Wasser".

Freiburg feiert den Pokaleinzug des Sport-Clubs

Rund 755 Kilometer weiter südlich wurde indes keinesweg nur mit Wasser angestoßen. "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin" skandierten die SC-Fans in Freiburgs Kneipen ausgelassen und bejubelten den Finaleinzug. "Mega krass, mega geil, fühlt sich auf jeden Fall richtig nice an". Da waren sich alle einig. Und an so einem denkwürdigen Fußball-Abend vergaß der ein oder andere sogar seine Herkunft. "Ich als Schwabe - mein Herz schlägt für Baden". Ich bin absolut glücklich, das ist einfach unbeschreiblich."

Dieses "unbeschreibliche" Gefühl und die Fußball-Euphorie war auch noch am Morgen nach dem Halbfinal-Sieg in Freiburg zu spüren. Auf dem Marktplatz war der Sport-Club Thema Nummer eins.

Erst Königsklasse, dann Pokalsieg?

Nach dem Einzug ins Endspiel am 21. Mai in Berlin steht Streich vor der Krönung seiner beispiellosen Karriere. Die Saat, die er als Jugendtrainer beim SC selbst ausgesät hat, geht jetzt voll auf. Die Ernte im Saisonendspurt könnte üppiger ausfallen als in Freiburg jemals zuvor: In der Liga winkt bei nur einem Punkt Rückstand die Champions League, im ersten Pokalfinale der Vereinsgeschichte stehen die Chancen, nimmt man den abgezockten Auftritt beim HSV als Maßstab, ziemlich gut.

"Ich habe durchgerechnet: Gewinnen wir ab jetzt fünfmal, sind wir Pokalsieger und Champions-League-Teilnehmer. Das ist das Ziel. Ich glaube, das kriegen wir hin", sagte Nationalspieler Nico Schlotterbeck selbstbewusst.

Christian Streich ist der dienstälteste aller Bundesliga-Trainer

Streich ist ein Phänomen. Zehn Jahre coacht er nun schon die Freiburger Profimannschaft. Er ist der dienstälteste aller Bundesliga-Trainer (zum Vergleich: der HSV beschäftigte in der gleichen Zeit 15 verschiedene Übungsleiter) und macht sein Team trotz der regelmäßigen Abgänge von Leistungsträgern permanent besser. Dennoch mochte er den Pokalerfolg - der natürlich vor allem sein ganz persönlicher ist - nicht überhöhen.

"Nein, es war nicht mein schönster Sieg", sagte Streich und erinnerte an die vielen Sternstunden der Junioren des Vereins, mit denen Streich zwischen 1995 und 2011 schon drei Mal den Pokal gewonnen hat, bevor er im Dezember 2011 die erste Mannschaft übernahm. Der Halbfinal-Triumph sei eine "tolle Sache", er freue sich "für die Jungs und für den ganzen Verein", aber andere Siege, das betonte er, "waren auch schon toll".

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Streich bleibt bodenständig

Und so kreisten Streichs Gedanken im Moment seines bislang größten Erfolgs auch schon an das danach. An die Zeit nach dieser geradezu märchenhaften Saison. An das Erwachen nach diesem bislang einzigartigen Freiburger Fußball-Rausch. "Es ist zwar unsexy, aber die Gedanken habe ich", sagte der 56-Jährige. Man müsse realistisch auf das schauen, was der Sportclub momentan erlebt. Es werde auch wieder Phasen geben, in denen es "ganz eng" wird, so der "ewige Streich". Bis zu acht Mannschaften könnten jedes Jahr gegen den Abstieg spielen. In der nächsten Saison könnte es womöglich auch den SC treffen. "Bundesliga ist gnadenlos", sagte Streich und nannte die vielen Traditionsvereine wie den HSV, die aktuell in der 2. Liga spielen: "Solche Dinge beschäftigten mich schon."

Zunächst geht der Blick der Freiburger aber gen kommendes Wochenende. "Wir spielen ja schon am Samstag gegen Gladbach", sagte Streich. Dann geht es um den Traum von der Königsklasse. Zu lang und zu ausschweifend, das versicherte Streich, würden die Pokal-Feierlichkeiten deshalb nicht werden. Egal ob mit oder ohne Wein.

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