Nils Petersen  (Foto: IMAGO, IMAGO/kolbert-press/Peter Fastl; )

Fußball | Bundesliga

Nils Petersen - "Extrawurst" für einen Veganer

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AUTOR/IN
Martin Thiel

Der Teamkoch des SC Freiburg baut für Angreifer Nils Petersen gerne einen Gemüseturm, denn der Veganer braucht ab und zu eine "Extrawurst". Ein Gespräch zum Weltvegetariertag am 01. Oktober.

SWR Sport: Nils Petersen, Sie kommen gerade vom Mittagessen. Was stand denn heute auf dem Speiseplan?

Nils Petersen: Tatsächlich eine Art Gemüseturm, gebaut von unserem Mannschaftskoch. Da habe ich schon manchmal ein schlechtes Gewissen, weil ich dann natürlich immer eine "Extrawurst" bekomme.

Wie ist es denn im Mannschaftskreis? Sind Sie da als Veganer die Ausnahme? Andere Sportler sind mittlerweile auch vegan unterwegs. Sie sagen, Sie fühlten sich dadurch körperlich besser...

Ich bin schon eine Ausnahme. Es gibt bei uns viele, die bewusst auf die Ernährung achten und nur zweimal pro Woche ein gutes Stück Fleisch oder Fisch essen oder sich nur vegetarisch ernähren. Aber vegan sind nicht viele.

Ihre Mutter ist schon sehr lange Vegetarierin und Ihre Frau Veganerin. Waren die beiden der Auslöser, dass Sie selbst Veganer geworden sind?

Ja, ich glaube schon. Ich habe Fleisch geliebt, habe gerne Lachs und Spiegeleier gegessen, und meine Frau und ihre Schwester haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich habe immer schon gern viel probiert. Also, ich finde es nicht richtig oder falsch, aber ich habe es für mich entdeckt.

Gönnen Sie sich ab und zu einen Cheat-Day, an dem Sie noch schnell irgendwo einen Burger essen?

Nein, Fleisch oder Fisch habe ich seit drei Jahren nicht mehr gegessen. Nur Pizza, wo ein bisschen Mozzarella draufkommt, das kommt schon mal vor nach einem Sieg.

Manchmal muss man sich eben auch belohnen. Aber vermissen sie nichts? Fleisch, Fisch oder Milch?

Gar nichts. Meine Frau und ich sind so aufgestellt, dass wir alles essen, von Grünkohl über Spargel bis hin zu Kichererbsen. Wir sind also sehr breit aufgestellt. Ich lasse auch regelmäßig mein Blut checken, ob da auch alles okay ist, da gibt es keine Mangelerscheinungen. Im Gegenteil: Ich werde für meine guten Werte gelobt. Und wenn es bei einem Buffet, zum Beispiel nach dem Sieg in Piräus, Fleisch gibt, das lecker aussieht, dann laufe ich einfach dran vorbei. Das macht mir gar nichts aus.

Ich kann mir vorstellen, dass in Freiburg sehr ökologisch gedacht und gehandelt wird. Da kann man sich gut und leicht vegan ernähren. Aber wie ist es, wenn Sie bei Auswärtsspielen unterwegs sind?

Mittlerweile hat Essen einen großen Stellenwert, und auch unsere Verantwortlichen achten darauf, dass jeder etwas Gesundes bekommt. Da findet sich immer was Gutes, zum Beispiel ein Kokos-Curry.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann hatte wohl den Spitznamen "Hacki", weil er so gern Hackbraten aß. Jetzt ist er Vegetarier. Er meinte: "Jetzt können sie mich Erbsi nennen".  Haben Sie auch einen Spitznamen oder werden Sie in der Mannschaft manchmal hochgenommen?

Nein ich habe keinen Spitznamen, aber ich muss mir ab und zu was anhören. Früher war Luca Waldschmidt bei uns, der schon viel länger Veganer ist. Da habe ich selbst ein paar Sprüche rausgehauen. Also, ich kann austeilen, aber auch einstecken.

War Luca Waldschmidt also ein Wegbereiter?

Ja, er hat das ein bisschen bei uns eingeführt. Nach und nach habe ich es auch umgestellt. Jetzt kochen wir sehr viel zuhause und gehen gar nicht mehr so oft Essen. So ist es am schönsten für uns, wenn wir zuhause gemeinsam kochen.

Was ist denn das Lieblingsrezept?

Ich mache gerne vegane Burger, vegane Pattis oder ein Kichererbsen-Kokos-Curry. Wir haben auch einen Thermomix. Da gibt es so viele Rezepte, mittlerweile macht das richtig Spass.

Und wenn Sie sich mal richtig belohnen wollen und über die Stränge schlagen, was gibt es dann?

Dann esse ich mal mit Chico Höfler am Buffet Mousse au Chocolat. Da ist dann wahrscheinlich Milch, Sahne, alles drin, aber das schmeckt geil.

Wird man als Veganer automatisch zum bewussten Koch, weil man nicht überall alle Zutaten bekommt?

Ja, schon. Ich kaufe sehr gerne ein. Wir haben hier tolle Bioläden, wo man sich eindecken kann. Ich muss auch sagen, seitdem ich mich so ernähre, habe ich auch keine Bauchschmerzen mehr, nicht mehr dieses Völlegefühl. Das ist auch ein positiver Nebeneffekt. Aber ich bin, was Essen angeht, tolerant. Ich verstehe, wenn da die Schlachtplatte herausgeholt wird. Das bedeutet Leben, und das soll auch so bleiben. Aber ich fühle mich als Veganer wohl.

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Martin Thiel

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