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Christian Streich ist seit mehr als 25 Jahren für den SC Freiburg tätig. Zunächst als Jugendtrainer, dann als Chef der Freiburger Fußballschule und seit nunmehr neun Jahren als Cheftrainer der Profis. Dieser Mann ist ein Glücksfall für den Verein, meint Sportreporter Thomas Wehrle.

Christian Streich geht immer an seine Grenzen. Der Mann kennt nur Vollgas für die gute Sache. Zuletzt beim Pokalspiel in Stuttgart war er ständig an der Seitenlinie unterwegs, seine Kommandos jagte er ohne Pause durchs leere Stuttgarter Stadion. Er gestikulierte, schrie, zeigte, fuchtelte, legte sich notfalls mit Schiedsrichtern und Gegnern an, ließ sich aber schnell wieder beruhigen. Streich tut alles, damit sein Sport-Club gewinnt. Seit nunmehr neun Jahren im Profigeschäft.

Christian streicht kickt den Ball in hohem Bogen.  (Foto: Imago, imago images / Christian Schroedter)
"Ich möchte gerne noch ein wenig weitermachen. Ich arbeite ja auf dem Kickplatz und nicht in einem Steinbruch." (Quelle: SZ) Imago imago images / Christian Schroedter Bild in Detailansicht öffnen
"Ich? Als deutscher Nationaltrainer? Wissen Sie, wie viele Punkte wir gerade haben in Freiburg? Da gibt es noch ein paar 100 andere, die deutscher Nationaltrainer werden sollten. Das ist nett, dass Sie nachfragen. Danke. Aber ich glaube, das ist der Ehre zu viel." Imago imago images / Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen
"Ich wäre nie Torhüter geworden. Ich hätte den Druck nicht ausgehalten. Ich hätte kein Tennisspieler werden können und kein Torhüter. Ich glaube, die meisten Berufe hätte ich nicht machen können. Die hätten mich durcheinandergebracht." Imago imago images / Poolfoto Bild in Detailansicht öffnen
"Wii isch nicht Whiskey. Wii isch Wein. Ich bin mal irgendwo gewesen und habe gesagt: Ich hätte gern ein Glas Wii. Dann hat mir der Kellner einen Whiskey gebracht. Aber es war ja eigentlich richtig, weil es war ja näher am Whiskey als am Wein." Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
"Wenn es dunkel wird und Flutlicht brennt und keine Leut‘. Da fühlt man sich echt ein bisschen allein." (Christian Streich über Abendspiele in der Pandemie-Zeit) Imago imago images / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
"Hoffentlich dürfen wir dreimal nicht jubeln. Denn dann hätten wir drei Tore geschossen.“ (Christian Streich über die Corona-bedingte Restriktion beim Torjubel) Imago imago images / Hartenfelser Bild in Detailansicht öffnen
"Es ist halt ungewohnt. Wenn es dann zurück echot. Hoffentlich erschrecke ich dann nicht vor meiner eigenen Stimme." (Christian Streich über Fußball ohne Zuschauer) Imago imago images / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen
"Wenn Menschen beleidigt werden, die einen anderen Glauben oder eine andere Hautfarbe haben, müsste man einfach vom Platz runtergehen und nicht mehr weiterspielen. Es gibt Wichtigeres als Fußball.“ Imago imago images / Michael Weber Bild in Detailansicht öffnen
"Wenn jemand nach gewissen Dingen fragt, sage ich, was ich denke. So bin ich erzogen worden, dass man sagt, was man denkt." (Quelle: SWR Sport "Steil der Fußballpodcast“) Imago imago images / Jan Huebner Bild in Detailansicht öffnen

Als die Mannschaft 2011 aus dem ersten Trainingslager mit dem neuen Coach zurückkam, mussten einige Spieler sofort zum Neujahrsempfang des Abstiegskandidaten. Ich habe nie zuvor und auch nie mehr danach so beeindruckte Spieler erlebt. "Streich macht uns besser", hieß es. Oder: "Er kann super Fußball erklären." Gestandene Profis wirkten tief beeindruckt. Der Bundesliganeuling Streich schaffte tatsächlich mit diesen Spielern den Klassenerhalt.

Christian Streich ist aber nicht nur ein überragender Fußballlehrer, sondern auch eine beeindruckende Persönlichkeit: authentisch, interessiert, offen, meinungsstark, respektvoll. Er mag Menschen. Und die Menschen mögen ihn. Nicht nur die Sport-Club-Fans in Freiburg. Christian Streich hat mittlerweile ungewöhnlich viele Anhänger in ganz Fußballdeutschland. Er redet Klartext – auch zu gesellschaftspolitischen Themen. Streich lebt, was viele Fußballfunktionäre in ihren Sonntagsreden immer wieder fordern. Er steht auf gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, gegen Diskriminierung, gegen die immer extremer werdende Kommerzialisierung.

Der SC Freiburg war vor gut neun Jahren auf dem Weg, ein ganz gewöhnlicher Fußballclub irgendwo zwischen erster und zweiter Bundesliga zu werden. Mit Volker Finke war ein Charismatiker gegangen, in den Jahren danach drohte der SC seinen Nimbus zu verspielen. Die Aura des Anderen, des Alternativen verflüchtigte sich. Bis Christian Streich übernahm.

Es gab etliche im Club, die ihm das Profigeschäft nicht zutrauten. Zu impulsiv sei er. Zu durchgeknallt an der Seitenlinie. Gut, dass diese Skeptiker sich nicht durchsetzen konnten. Denn Christian Streich ist genau das, was der Sport-Club braucht. Ein Südbadener, der die Menschen versteht und den die Menschen verstehen. Einer, der aus dem Sport-Club wieder etwas ganz Besonderes gemacht hat. Und, bevor er es selbst dazwischenruft: Nicht er allein hat den Verein entwickelt, im Team haben sie das geschafft. Aber ohne Christian Streich würde dem Sport-Club das gewisse Extra fehlen. Das Einzigartige, das sich nicht erfinden lässt, das man haben muss. Christian Streich hat es.

Am Ende jeder Saison sieht er ausgelaugt und fertig aus. Ich wünsche ihm, dem SC und dem deutschen Fußball, dass Christian Streich noch lange im Sommer seine Batterien aufladen kann, um möglichst lange die Seitenlinie für seinen Sport-Club zu beackern. Christian Streich ist ein Glücksfall für den deutschen Fußball.

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