STAND
AUTOR/IN

Klein, wenig Geld, immer in Kontakt mit den Abstiegsrängen. Diesen Ruf hatte der SC Freiburg lange. Es wird Zeit, den Sportclub mit anderen Augen zu sehen, auch wenn das dem Trainer vielleicht nicht passt.

Christian Streich ist seit über neun Jahren Cheftrainer des SC Freiburg. Es schafft es auf die Frage, welches Ziel er denn für die kommende Saison habe, immer noch nicht genervt mit den Augen zu rollen. Im Gegenteil! Statt mit der Standardfloskel, "wir wollen die Klasse erhalten", zu antworten, formulierte er es diesmal so: "Ich würde mal so sagen, wenn wir in der Liga bleiben, wäre ich nicht unglücklich."

Die Neuen haben längs Fuß gefasst

Dieses Minimalziel wird nach dem Abgang der Stammspieler Koch, Waldschmidt und Schwolow erreicht werden. Die Neuen haben längs Fuß gefasst. Der SC ist nach 26 Spieltagen Achter mit 37 Punkten. Freiburg ist auf einem guten Weg, die 48 Punkte der erfolgreichen Vorsaison wieder zu erreichen. Das reichte damals eben für diesen achten Tabellenplatz. Ein internationaler Startplatz wurde knapp verfehlt.

Die Abenteuerlust der Spieler ist groß. Sie würden nächste Saison gerne durch Europa reisen. Der Trainer hält sich mit mutigen Reise-Ansagen weiter zurück.

Wenn wir ganz hoch hinaus wollen, dann müssen wir nochmal eine Schippe drauf legen in dem, was wir spielen.

Christian Streich, Trainer SC Freiburg
Freiburg Trainer Christian Streich zeigt die Richtung für seine Spieler an (Foto: Imago, Image/Sven Simon)
Unter Trainer Christian Streich sind die Europapokalplätze auch dieser Saison zum Greifen nah Imago Image/Sven Simon

Dauerbrenner Christian Streich schafft es, auch weiterhin staubtrockene Spieltagspressekonferenzen in witzig-nachdenkliche Gesprächsrunden zu wandeln. Seine Botschaft: Fußball ist wichtig, andere Themen sind wichtiger. Charmant, kauzig, listig, authentisch. Der 55-Jährige ist nicht nur das Aushängeschild des Sportclubs, sondern der gesamten Bundesliga. Sogar das Bundestraineramt scheint für ihn möglich. Für seine Spieler dürfte Streich auch weiterhin Motivator, Autoritätsperson, Vaterfigur, Taktikfuchs und Coach in einer Person sein. Abnutzungserscheinungen sind beim Rekordtrainer der Liga nicht erkennbar.

Taktisch lässt Streich in dieser Saison entweder klassisch im 4-4-2 mit Doppelsechs oder mit Dreierkette im 3-4-3 System spielen. Abweichungen sind immer möglich, wie etwa bei der 0:1 Niederlage gegen Mainz, als eine offensivere Variante im Mittelfeld gewählt wurde. Gegen tiefstehende Mannschaften sucht der Trainer weiterhin einen Spielstil mit mehr Kreativität. Freiburg hat noch immer Probleme, viel Ballbesitz in Tore umzumünzen. Diesen Entwicklungsschritt möchte Streich gehen.

Freiburgs Stürmer Ermedin Demirovic mit einer Schussmöglichkeit gegen den FC Augsburg (Foto: Imago, Imago/Sportfoto Rudel)
Ermedin Demirovic ist die neue Nummer 1 im Sturm des SC Freiburg Imago Imago/Sportfoto Rudel

Die auffälligsten Spieler

Nein, diesmal nicht Nils Petersen. Der erfolgreichste Joker der Bundesliga-Geschichte stand seit dem 13. Spieltag nur einmal in der Startelf. Der 32-Jährige ist zusammen mit Grifo zwar der beste Freiburger Torschütze, aber zu seinen sieben Treffern kam in der Rückrunde nichts mehr dazu. Der einst in der Offensive Unverzichtbare ist mittlerweile verzichtbarer geworden. Das liegt besonders an Neuzugang Ermedin Demirovic. Der gebürtige Hamburger ist zur Nummer eins im SC-Sturm gereift. Als klassischer Neuner mit viel Zug zum Tor hat der 22-Jährige schnell die laufintensive und leidenschaftliche Spielweise gegen den Ball der Freiburger verinnerlicht. Vier Tore und sechs Assists sind bemerkenswert und auch noch weiter ausbaufähig. Demirovic hat mittlerweile seine Premiere in der Auswahl Bosnien-Herzegowinas gefeiert.

Top ist mit Baptiste Santamaria ein weiterer Neuzugang, der vom SCO Angers kam. Der mit zehn Millionen Euro Ablösesumme, teuerste Einkauf in Freiburgs Vereinsgeschichte spielt neben Nicolas Höfler im defensiven Mittelfeld. Der Franzose ist enorm laufstark, Pass sicher und schaltet sich immer wieder gut in die Offensive ein. Abschluss und Torvorbereitungen (bisher 1/1) können noch besser werden.

Ein starker Gewinn ist Florian Müller im Tor, der als Ersatz des verletzten Mark Flekken von Mainz ausgeliehen wurde. Müller vereitelte zwölf Großchancen, ein absoluter Spitzenwert. Er ist zuverlässig, (ein dicker Fehler gegen Leipzig trübt das Bild nicht) und fußballerisch stark.

Unter seinen Möglichkeiten blieb bisher Jonathan Schmid. Der mit 274 Einsätzen Rekord-Franzose der Liga ist zwar rechts defensiv gesetzt, doch offensiv darf es bei dem gebürtigen Straßburger noch deutlich mehr sein.

Was ist für den Sportclub noch möglich?

Gladbach (Samstag, 20:30 Uhr), Bielefeld, Schalke und die Hertha sind die nächsten Gegner. Ist Freiburg dann noch an den Europa-League-Plätzen dran, könnte es mit dem internationalen Geschäft klappen. Das Tore schießen ist zur Zeit aber nicht die Stärke des SCF. Oder wie es Christian Streich sagt: "Freiburg muss noch eine Schippe drauf legen."

Freiburg im Breisgau

Fußball | Bundesliga Träumen erlaubt beim SC Freiburg? Trainer Christian Streich mit klarer Ansage

Nach dem Sieg gegen Augsburg hoffen einige Spieler des SC Freiburg mehr denn je auf die Teilnahme am Europapokal. Trainer Christian Streich will dagegen noch gar nicht so weit vorausschauen. Er sendet stattdessen eine klare Botschaft an seine Mannschaft.  mehr...

Freiburg

Fußball | Bundesliga SC Freiburg feiert Heimsieg gegen Augsburg

Der SC Freiburg hat am 26. Spieltag der Bundesliga den FC Augsburg mit 2:0 (0:0) geschlagen und springt durch den Erfolg mit jetzt 37 Punkten auf Rang acht der Tabelle.  mehr...

Stuttgart

Fussball | Bundesliga Frühlingscheck VfB Stuttgart: Ein Aufsteiger, der nicht zu halten ist

Beim Aufstieg holperte es noch gewaltig, jetzt poltert der VfB Stuttgart eindrucksvoll durch die Bundesliga. Mit Geschwindigkeit, gutem Zweikampfverhalten und Spielintelligenz. Nur gegen die Bayern zuletzt war davon wenig zu sehen. Macht aber nichts!  mehr...

STAND
AUTOR/IN